„Warten auf den RRX…“

von Ralph Bürger

…heißt noch: Mit dem doppelstöckigen „Regionalexpress“ der Bahn (RE 6) von Dortmund nach Köln. Diese Gelegenheit bot sich am letzten Dienstag, an welchem meine Frau und ich ein befreundetes, französisches Ehepaar aus Paris von Holzwickede nach Köln begleiteten. Der zwischen Dortmund und Paris Nord verkehrende „Thalys“ war ihnen mit rund 500 € schlicht zu teuer. So buchten sie über die Pariser Mitfahrzentrale für 140 € die Mitfahrgelegenheit im PKW zwischen Paris und Köln-Hbf.

Mit dem Rhein-Ruhr-Express (RRX), der in etwa einem Jahr zunächst auf die Strecke zwischen Köln und Dortmund gehen soll, wird sich das Angebot der Bahn deutlich verbessern, so die Erwartung. Zeit also noch, mal die derzeitige Reise mit dem Nahverkehrszug quer durch das Revierzu würdigen. Wenn dies auch nur eine Momentaufnahme ist, also eine Tour hin mit dem RE 6 und eine zurück mit dem RE 1, so sind doch einige Aussagen über ein Hauptverkehrsmittel möglich, das noch in einem der grössten Ballungsräume Europas, dem Rhein-Ruhrgebiet, alltägliche Transportprobleme lösen soll. Bei dieser Gelegenheit ein Blick nach Paris.

Die wachsenden Vororte erzeugen natürlich in jeder Weltstadt gewaltige Transportprobleme. So hat sich die Stadt Paris vor etwa 10 Jahren entschlossen, die gute alte Straßenbahn wieder ins Stadtbild einzupflanzen. Diese quert nun mit Vorfahrtsrechten ausgestattet auch mal vierspurige Hauptverkehrsstraßen und ist dadurch eine attraktive Ergänzung zum Verkehr im Kern der Großstadt. Schon seit einigen Jahrzehnten gibt es die im Großraum Paris ausschließlich unterirdisch verkehrenden Nahverkehrszüge (RER), die mit hoher Geschwindigkeit Vorstädte mit dem Zentrum verbinden. Die RER liegt im Niveau unter dem Massenverkehrsmittel METRO, die Rolltreppen sind entsprechend lang. Vor kurzem hat die Stadt Paris entschieden, die Vorstädte mit einer neuen, 75 km langen und ringförmig angelegten neuen Metrostrecke miteinander zu verbinden (Grand Paris Express). Die zig-Kilometer langen Teilstrecken gehen in den nächsten Jahren Zug um Zug in Betrieb.

Attraktive Verkehrsmittel in einem Ballungsraum Rhein-Ruhr zu etablieren, in dem die Kirchtumspolitik hohe Priorität genießt, ist eine wahre Aufgabe. Entsprechend antiquiert wird man vom mühsam instandgehaltenen Fahrzeugpark von Bahn und verschiedenen privaten Anbietern durchs Revier „geschaukelt“, und zwar oberirdisch. Bekanntlich sind die unterirdisch verkehrenden U-Bahnen nur von lokaler Bedeutung, da nicht miteinander vernetzt. So durften wir bei der Reise in der Mittagszeit von Dortmund nach Köln feststellen, dass es sich beim Doppelstock-RE im wahren (schlechten) Sinne des Wortes um ein „Massenverkehrsmittel“ handelt: Die Waggons waren nämlich bis auf den letzten Platz gefüllt. Und dasselbe in der Rush Hour ab Köln um 17 Uhr. Es wurde auch unterwegs nicht leerer. Was zu der grundsätzlichen Überlegung vor Fahrtantritt führen sollte, ob nicht der Platz im „Erdgeschoss“ attraktiver als der Platz im „Untergeschoss“ ist. Nun hatten wird die doppelt falsche Wahl getroffen: Bei voller „Kabine“ wird nämlich oben der Luftraum deutlich kleiner – für jene an Platzangst leidenden Reisenden ein echtes Problem. Nun kam das Problem einer kaputten Klimanlage in jenem Abteil noch hinzu, was natürlich „schwitzen“ heisst. Dies für 1,5 Stunden Reisezeit!

Als durchaus positiv zu nennen war die Pünktlichkeit, mit der alle 4 benutzten Züge an diesem Tage verkehrten. Und auch der Innenzustand der Ausstattung war nicht zu bemängeln. Jedoch: Während es im ICE Abstellmöglichkeiten für Koffer gibt, so gibt es diese Möglichkeit im Obergeschoss des RE nicht. Da schallt dann schon mal ein Ruf durchs Abteil, das sich der auf Rollen bewegliche Koffer während der Beschleunigungsphase selbständig gemacht hat, und inzwischen nicht mehr beim Besitzer weilt. Zwischenzeitlich habe ich erfahren, dass im Regionalexpress auch ein „Mehrzweckabteil“ mitfährt.

Würde ich jetzt gefragt, ob ich mit dem RE oder der S-Bahn von Holzwickede nach Köln fahren wolle, so würde ich unabhängig von den Kosten antworten: Doch lieber in einer Stunde gut klimatisiert und ohne den Bedarf nach einer Sauerstoffmaske mit dem Auto.

Nun soll ja alles besser werden: Der zur Zeit auf der Zugteststrecke in Wegberg fahrende RRX wird Ende des nächsten Jahres auf die „Stammstrecke“ Köln-Dortmund gehen. Wenn später weitere, teilweise parallele Linien ins Land hinaus führen, wird die Taktzeit zwischen Dortmund und Köln dann 15 Minuten betragen. Dies macht den Blick auf den Fahrplan unnötig. Doppelstock gibt´s beim RRX wohl teilweise nicht mehr, dafür werden die Züge deutlich länger. So können eine Vielzahl von Reisenden gleichzeitig in kurzer Zeit ein- und aussteigen. Und der RRX soll mit bis zu 160 km/h schneller werden. Und mehr Aufenthaltsqualität soll er auch haben. Leider wird Unna nicht direkt angeschlossen. Aber auch das Angebot ab Kamen oder Dortmund kann so attraktiv werden, das sich der Umstieg vom Auto in die (neue) Bahn lohnt. Warten wir es ab. Hier der Link zum RRX im Web: www.RRX.de

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