Worte, auf die viel zu wenig gehört wird

, geb. 1949 in Kamen. Besuch des Aufbaugymnasiums in Unna, Abitur 1968. Viele Jahre lang Lehrer am Gymnasium in Bergkamen. Daneben rege Schreibtätigkeit. Inzwischen fast 50 Einzelpublikationen: Romane, Erzähl- und Gedichtbände, Kinder- und Jugendbücher. Zuletzt erschienen der Ruhrgebietsroman „Saitenwechsel“ und der Krimi „Angonoka“, der sich mit den üblen Machenschaften der Tiermafia auseinandersetzt. Peuckmann hat auch einen Roman geschrieben, der in Unna spielt, weil er sich dieser Stadt sein Schulzeiten verbunden fühlt. „Heimkehr“ heißt der Roman, der einen Soziologieprofessor für einen Vortrag nach vielen Jahren zurück in seine Heimatstadt Unna führt, wo er ermordet wird. Gelegentlich fliegt Peuckmann nach China und hält an Universitäten in Shanghai und Xi´an Vorträge über deutsche Literatur vor chinesischen Germanistikstudenten. Inzwischen kennt er sich dort so gut aus, dass er über China geschrieben hat, unter anderem den Liebesroman „Rückkehr nach Shanghai“.
Peuckmann ist Mitglied im Schriftstellerverband, in der Krimiautorenvereinigung „Das Syndikat“ und im PEN-Zentrum Deutschland, in dem er vor einem Jahr ins Präsidium gewählt wurde.

Kamen. Einige Sätze und bewegende Worte von Najet Adouani, einer Dichterin aus Tunesien, auf die viel zu wenig gehört wird. Heinrich Peukmann will ihr hiermit mehr und deutlicher Gehör verschaffen, was sie seiner Ansicht nach verdient. Lest mal selbst:

Verlust

Ich vermisse unser Haus
und die Weite darum.
Ich vermisse die weiße Wand,
die ich bemalt habe
mit Blumen aus Mutters Garten.
Ich vermisse den Weg
zwischen dem Haus und der Welt.
Vermisse Mutters Schoß
der erstickte Seelenlichter
zu neuem Leben erweckt.
Ich vermisse mich selbst.
Ich, das Land
verstoßen
aus dem Land.

Berlin, 18. Juli 2015

Aufgeschobener Tod

Das Meer soll sich nicht teilen auf meinen Befehl.
Ich will weder Jesu` Hand noch Moses` Stab.
Mein Wunder sähe so aus:
Ich wandle friedlich durch meine Stadt
Umgeben von den Meinen.
Aber die Wege vor mir gleichen sich,
führen alle
in den aufgeschobenen Tod oder auf den Friedhof.
Ich bin ohnmächtig,
habe keine Entscheidungskraft
kann die Zukunft nicht planen,
weder die nahe noch die ferne.
Ich weiß nicht mehr,
wo das Sein stattfindet,
im Kopf,
im Herzen
oder gänzlich außerhalb des Körpers.
Ich kann keine Grenzen mehr ausmachen
Zwischen mir und der Außenwelt.
Wenn der Schmerz größer ist als das Wort,
flüchte ich ins Schweigen,
es ist vertraut
und alles, was mir geblieben ist,
nachdem man die Möwe, die mir gleicht,
getötet hat.

Berlin, 30. Mai 2016

Najet Adouani wurde 1956 im Süden Tunesiens geboren und begann schon in jungen Jahren zu schreiben. Sie studierte Journalismus und arbeitete für verschiedene oppositionelle Zeitungen. Von der Revolution 2011 erhoffte sie sich eine weitere Liberalisierung der tunesischen Gesellschaft, veröffentlichte auch im Rundfunk Reportagen über die Situation in Tunesien, zum Beispiel über die Situation der Frauen und kam dadurch auf die „schwarzen Listen“ der Salafisten. Sie musste ihre Rundfunkarbeit aufgeben, aber obwohl sie so tat, als würde sie gar nicht mehr schreiben, wurde sie weiterhin unter Druck gesetzt und mit dem Tod bedroht. 2012 floh sie nach Deutschland und ließ ihre drei erwachsenen Söhne zurück. Von 2013 bis 2016 war sie Gast im „Writers-in-exile-Programm“ des deutschen PEN. Sie veröffentlichte mehrere Lyrikbände und einen Band mit Kurzgeschichten auf Arabisch. Der Lyrikband „Meerwüste“ erschien 2015 im Berliner Lotos Verlag.

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