Die Landschaft ist auf dem Weg mehr aufgeräumt als ausgeräumt zu sein

Da hüpft das Herz des Landschaftsschützers höchstens nur verhalten.

Unna. Acht Jahre Landschaftsplan Unna: Manches ist umgesetzt, vieles aber noch nicht. Die SPD-Fraktion der Kreisstadt hatte das Thema in den Umweltausschuss eingebracht. Am letzten Montag berichtete der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, Peter Driesch, über der „Stand der Dinge.“ Danach wurden inzwischen auf Unnaer Gebiet 38 km Landschaftsstreifen umgestaltet: Neue Hecken, Baumreihen, Wegraine. Auch der Erhalt und die Anlage von Kleingewässern stehen in dem Plan, der für den gesamten Kreis Unna über 500 Seiten umfasst.

Mit Landes- und Eigenmitteln der Gemeinden gestaltet die Behörde des Kreises die Landschaft um. Aus „ausgeräumten“, überwiegend landwirtschaftlich genutzten Flächen sollen Mischflächen entstehen, die Fauna und Flora wieder Lebensraum schaffen. Dass dieses alles andere als einfach ist, betonte Peter Driesch in seinem Vortrag. So müssen immer aufwändige Verhandlungen mit den Eigentümern (Landwirte) bis zum Vertrag über die geänderte Nutzung erfolgen. Dabei bleibt das Land beim Eigentümer, der Kreis zahlt dann für Pflanzung und langjährige Nutzung. Der Kreis verfügt dabei nur über begrenztes Personal und finanzielle Mittel für die Aufgaben.

Die meisten Ausschussmitglieder hatten bisher nichts mit der Landschaftsplanung zu tun. Die Diskussion war entsprechend lebhaft. So betonte Ralph Bürger – umweltpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion – dass die Realisierung von 38 km Anpflanzungen/Gestaltung einen beachtlichen Schritt darstellen. Andererseits sei die Situation im Unnaer Süden zwischen der Stadt und Billmerich ziemlich unbefriedigend. Ralph Bürger listete 11 der im Landschaftsplan seit 8 Jahren festgesetzten Maßnahmen auf, die bisher noch nicht begonnen worden sind. Das vermittelt das Bild einer „ausgeräumten Landschaft“, in der der Boden fast durchgehend bewirtschaftet wird, für die Natur somit kein Raum verbleibt.

Gisbert Herber-Busch für die Grünen machte dann deutlich, dass alle sogenannten Agrarvogelarten (z.B. Rebhuhn) dank der Intensivlandwirtschaft massiv zurückgehen. Seiner Ansicht nach würde nur eine massive Stillegung von 15 % der Flächen helfen, den Verlust an Artenvielfalt zu bremsen. Die Landwirtschaft braucht hierfür jedoch Stillegungsprämien, um Anreize zu schaffen. Doch dafür gibt es zur Zeit weder eine Politik auf nationaler noch auf europäischer Ebene. An dieser Stelle sei vermerkt, dass der Anteil der landwirtschaftlichen Subventionen im EU-Haushalt immer noch 40 % des Gesamthaushaltes umfasst. Der Schutz der Natur spielt dabei kaum eine Rolle.

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