Helmut Kohl starb im Alter von 87 Jahren

Cem Özdemir schälte es in seiner Parteitagsrede heraus: Mit Helmut Kohl ist ein großer Europäer von uns gegangen. Er hat sich auch im hohen politischen Alter noch heftig gegen diejenigen gestellt, die gegen die europäischen Segnungen waren, und bisweilen stand er da auch gegen die eigenen Erben in der eigenen Partei. Er hatte keineswegs die milde alterssichtige Größe. Er war, was er auch gern sein konnte, dann und wann recht bockig. Aber er blieb bei allen Widersprüchen immer ein durchaus zurückhaltender, nie großmäuliger Europäer.

Ich wollte nie die seelenbewegte Art teilen, mit der die Einheit seinerzeit beklatscht wurde. Ich musste aber bewundernd feststellen, dass Helmut Kohl zwar wahlkämpferisch blühende Landschaften verkündete – so quasi selbstfinanzierend, aber er hatte trotz allem die integrierende und mitnehmende Hand diese paneuropäische Herausforderung zu managen.

Als Henry Kissinger für seine Memoiren befragt wurde, wie denn Charles de Gaulle wohl auf eine Deutsche Einheit reagieren würde, bekam er zur Antwort: „Par la Guerre!“ Es ist sicher ein Verdienst von Helmut Kohl, dass seine Antwort gelassener ausgefallen wäre.

Er war zugegeben ein Machtmensch, er war ebenso zugegeben ein tadelloser Christdemokrat, aber er konnte hemdsärmelig mit Gorbatschow plaudern wie er auf europäischer Ebene den € durchsetzte, völlig ignorierend, dass diese Währung unpassend war für beispielsweise Griechenland. Überwiegend riss er Grenzen ein, statt solche zu errichten.

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