Von verschwörungstheoretischen Reflexen

Es ist schon bisweilen mehr als peinlich, wenn man zwischen die Mahlsteine einer selbsternannten „Presse“ gerät, die zwar nur rundblickende Sichtweisen auf das Handeln der kommunalen Stadtverwaltung hat, aber weder durchblickend, dafür eher fast verschwörungstheoretisch und reflexartig Witterung aufnimmt, wenn ihre Webgestützten Vertreter meinen, einen Skandal „aufdecken“ zu müssen. So erst jüngst geschehen, als die Stadt Bewerbungen um die Stelle eines Wirtschaftsförderers sichtete. Da mutmaßte ein Leser, dass alle Personalentscheidungen schon im Vorfeld gefallen seien, durfte sich beifälliger Parallel-Mutmaßungen Dritter erfreuen, die bestätigt wähnten, was sie ohnehin „schon lange vermuteten“, obwohl zumindest einer dieser Co-Kommentatoren schon geraume Zeit im niederländischen Nachbarland beheimatet ist. Sei’s drum, Sachkunde setze ich ja bei jedem Lesenden voraus, Fachkunde bei jedem Schreibenden, und gerade unerreichten Durchblick bei dem Kommentierenden. Nun ist es aber so, dass solche Stellen öffentlich ausgeschrieben werden müssen, aber Bewerbungen nun mal nicht automatisch zu Einladungen zum gleichnamigen Gespräch führen. Da hat jeder Ausschreibende das Recht zur Vorauswahl. Und bisweilen kann ja auch die Lektüre der Bewerbung zur Folge haben, dass berechtigte Zweifel an der Erfüllung der erwünschten Qualifikationsmerkmale keimen lassen. Okay, so etwas könnte mensch ja einfach mal vor eine Veröffentlichung recherchieren. Aber dann käme man nicht so leicht auf verschörungstheoretische Gedanken, was ja schade wäre: Vor allem für Kommentatoren, deren Meinung nur Web-Lesende interessiert. rb

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