Licht, das Geschichten erzählen kann

Von Simone Melenk


Der Preisträger Saturo Tamura – Foto: Simone Melenk


Unna. Erst Anspannung beim Abstieg ins Ungewisse, dann Hochspannung. Im wahren Wortsinn. Für den International Light Art Award (ILAA), den Unnaer Lichtkunstpreis, lässt der japanische Künstler Satoru Tamura sogar Funken fliegen. In die Museumskeller in der ehemaligen Brauerei – zwölf Meter unter der Erde – baute er eine riesige offene Steckdose. Fließende Energie – selbst produziert mit Messingstäben, die über einen Metalltisch schrappen: Das lässt sich so ganz neu erleben, sogar erschnüffeln, wenn’s blau britzelt.

Tamuras Strom (bloß hinter der Absperrung bleiben!) bringt noch eine raumhohe Lichtsäule zum Leuchten. Sein „Point of Contact for Unna“ huldigt dem Phänomen Licht. Und ist die herausragende Arbeit, die im internationalen Wettbewerb am Ende die Fachjury überzeugte.

Ideen sogar aus Afrika

Preisträger und Finalisten: (v.l.) Tilman Küntzel, Satoru Tamura und das Künstlerduo Duo Vroegop/ Schoonveld. (Foto: Simone Melenk)


An die 300 Künstlerinnen und Künstler aus 41 Ländern hatten sich um den ILAA 2017 beworben, sogar aus Afrika wurden Ideen nach Westfalen geschickt. Neben Tamura gehören Tilman Küntzel (Deutschland) und das KünstlerDuo Vroegop/Schoonveld aus den Niederlanden zu den Gewinnern, die ihre eigens für die faszinierenden Räume geschaffenen Arbeiten jetzt fünf Monate vor Ort zeigen.

Das Duo und sein Zeichen der Unendlichkeit. – Foto Frank Vinken


Realisierung und Ausstellung gehören zum Preis. Satoru Tamura darf sich außerdem noch über die Siegerprämie von 10000 Euro freuen. Den Anfang in den Gewölben der Wechselausstellung (bis 3. September) macht aber das Künstlerduo Vroegop/Schoonveld mit einem spektakulären „Unendlichkeitszeichen“: 200 sich drehende schwarzweiß-karierte Lichtröhren hypnotisieren mit einem Spiel aus
Licht und Dunkelheit, Bewegung und Rhythmus. Das Bild von einem langen mäandernden Fluss drängt sich auf. Meditativ ist ihre Kunst, und Standards, Wiederholungen und Serien spielen immer eine
Hauptrolle, sagt Matty Vroegop.

Kronleuchter fiel vom Himmel

Der gefallene Kronleuchter. – Foto: Frank Vinken

Der Berliner Künstler Tilman Küntzel verwandelt den Jahrhunderte alten Brauereikeller schließlich in einen magischen Ort. Ein mächtiger Kronleuchter ist vom Himmel gefallen, jetzt liegt er am
Boden. Das Licht bricht sich in den Kristallen, die Gläser klirren.

So scheint es zumindest. Tilman Küntzels Installation ist komplexer. Ganz woanders klicken in einem Schaltkasten Metalle, versteckte Mikros in den Wänden verstärken die Geräusche. Allen technischen Erklärungen zum Trotz erzählt die „Rauminszenierung mit Lüster“ aber andere Geschichten. Geheimnisvollere

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