Mal kommentiert was gern mal kommentiert wird

Pestalozzi-Schulleiter Dirk Kolar.

Kreistagsmitglied Dirk Kolar.

Audiatur et altera pars. (lateinisch für „Gehört werde auch der andere Teil.“ bzw. „Man höre auch die andere Seite.“) war ein Grundsatz des römischen Rechts. Er steht für den Anspruch auf rechtliches Gehör. Der Grundsatz bedeutet, dass der Richter alle am Prozess Beteiligten zu hören hat, bevor er sein Urteil fällt. So belehrt Wikipedia, man kann also durchaus wissen, wie es sich auch journalistisch landläufig gehört, wenn man nur nachliest. Dirk Kolar fand zwar nicht das gewünschte Gehör während über den bedauerlichen Verlauf der politischen Debatte zur Stiftung Friesendorf berichtet wurde, also machte er sich selbst auf und lud die Bürger in Lünern ein, sich von ihm über den Ablauf der Diskussion informieren zu lassen. Im Ludwig-Polscher-Haus am Dienstag, 31. Januar 2017, sollte der Info-Abend stattfinden, und es kam wie es kommen musste. Der Termin fand zwar wie angekündigt statt, aber es fehlte dem Abend das Publikumsinteresse, das durch die erstaunliche Menge Leserbrief schreibender Alleswisser erwartet worden war. Nur ein wirklicher Kritiker mit Verstand und angetrieben von einer erkennbaren Liebe zum Thema Kultur bemühte sich ins Kirchenhaus, und hörte aufmerksam zu: Acki Schröter, gelernter Buchhändler und kritischer Unnaer (leider – aus meiner Sicht – Anhänger der falschen Borussia). Und der stellte am Ende fest, dass es gut und lohnend sei, wenn man sich mal anhöre, was der „altera pars“ zum Thema sagen könne. Man muss ja nicht seinen Standpunkt verlassen, aber manches Urteil bei manchem fiele bei Gehör der anderen Seite doch vielleicht sanfter aus, als das in den Wochen zuvor der Fall war. Das Auditorium fand am Abend in Lünern die Ruhe, voreiliges Verurteilen zu vermeiden, es blieb höflich in der Wortwahl – macht man unter zivilisierten Disputanten ja auch so – und allen lag es fern, einander des Dilettantismus zu zeihen, oder abfällig den „Hobbypolitiker“ zu nennen. Denn eines machte Dirk Kolar jedem Zuhörer deutlich: Der Kern des Ärgers lag gerade in der Sorgfalt, mit der er und seine Kolleginnen und Kollegen vorgingen, Sorgfalt, die manche Fraktion gern mal für sich selbst und die eigenen Themen einfordert und gelassen Beratungsbedarf reklamiert, der wie selbstverständlich gewährt wird. Dirk Kolar ging den beschwerlichen Weg mit diesem Infoabend, aber eindeutig den richtigen. Der Mangel, dass es an Masse der vorlauten Urteiler von zuvor fehlte, ist nicht ihm anzukreiden. Und anzukreiden ist ihm auch nicht, dass die Berichterstattung erwartungsgemäß nicht hymnisch ausfiel – aber er übernahm und wird es als Angebot an alle SPD-Ortsvereine auch weiterhin übernehmen, das in der Berichterstattung eigentlich Selbstverständliche zu tun: Audiatur et altera pars. („Man höre auch die andere Seite.“) Rudi Bernhardt

5 comments for “Mal kommentiert was gern mal kommentiert wird

  1. J.Müller
    3. Februar 2017 at 19:26

    Na, was erwartet Ihr von einem ehemaligen Journalisten, der Geschäftsführer der SPD Fraktion war, der zeitweise SPD Parteichef war?!? Es war sein Job, alles, was die SPD tat, schönzuschreiben. Und das kann er wohl nicht mehr ablegen.

    Warum kein Bürger zur Aussprache kam ?! Weil die Unnaer durch den Hellweger umfassend informiert wurden und jeder in der Lage war, sich seine Meinung zu bilden.

    Eine Rechtfertigungsrunde eines Kreistagsmitglieds brauchte da keiner mehr, weil er doch nicht im Ernst Fehler eingestehen würde. Das Haus dafür zu verlassen, war also überflüssig.

    Die Zahl der Leserbriefe (soviele wie seit 10 Jahren nicht) zu diesem Thema, spricht für sich. Ebenso wie die 1000 Unterschriften.

    Fazit: Da hat die Groko aus CDU UND SPD totalen Scheiß gebaut. Alles, was danach kam, waren lächerliche Versuche, hier noch irgendwas gut darstellen zu wollen. Zu spät ! Wer die Warnungen von Makioalla ignoriert hat, muss nun sehen, wie er noch gute Politik machen will. Für mich sind alle daran Beteiligten, untragbar.

    • 4. Februar 2017 at 10:34

      Hallo, Herr Müller. Nur mal nachgefragt. Haben Sie irgendwo in den umfassenden Berichten lesen können, dass bis auf ein Gespräch mit Herrn Steffen, das aber zum Kern des Themas wenig beitrug, mit niemandem aus der der Gruppe der politischen Bedenkenträger recherchierend gesprochen worden war? Nehmen sie wahr, dass es sich bei dem Beitrag um einen Kommentar zum Thema Recherche handelte und der Tatsache, dass zu dieser zwingend auch gehört, beide Seiten der Medaille zu beleuchten? Ja, werter Herr Müller, ich beziehe gern eine SPD-Position, aber zuvor frage ich gern nach und erkundige mich über Abläufe. Eben wegen Ihres Zitates „Eine Rechtfertigungsrunde eines Kreistagsmitglieds brauchte da keiner mehr, weil er doch nicht im Ernst Fehler eingestehen würde. Das Haus dafür zu verlassen, war also überflüssig.“ Da diese Worte signalisieren, dass Sie wie viele Leserbriefschreiber über ein gerüttelt‘ Maß an Allwissenheit verfügen, lohnt es sich aber anscheinend nicht, etwas inhaltlich anders zu schreiben als Lesende erwarten, wie das Geschriebene ausfällt. Die andere Seite w i l l ja offenbar niemand ernsthaft hören, das „lohnt nicht“.

  2. acki schröter
    3. Februar 2017 at 15:14

    Moin Rudi – netter Text. Und was Du alles herausgehört hast. Schade, dass Du gar nicht da gewesen bist. Ehrlich: so geht es nicht. Acki

    • 3. Februar 2017 at 15:24

      Ich habe direkt beim Gastgeber recherchiert. Immerhin recherchiere ich überhaupt. Warum also dieses Vorwurfsvolle in deiner Anmerkung.

  3. Regina Ranft
    2. Februar 2017 at 17:03

    Lieber Rudi,

    Sorry! Aber was ich auch in Deinen Einlassungen nicht herausfinden konnte,ist eine andere Erklärung für das Scheitern dieses Projekts,als die bisher öffentlichen und von Insidern benannten Gründe. Und diese mir bekannten Informationen führen nicht dazu,beim Handeln der Kreisfraktionen von besonderer Sorgfalt zu sprechen.Ich konnte an diesem Termin nicht teilnehmen,weil ich selber eine Sitzung hatte.
    Kannst Du mir einen relevanten Grund nennen,der zur Entlastung der altera pars sprechen würde.

    Liebe Grüße
    Regina

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