Entschädigungen zwischen Aufwand und dem pömspösen Auftritt

Sie schlagen ja immer wieder und vor allem alle Jahre wieder auf: Schlagzeilen, dass auch kommunal tätige Politiker Geld für ihre Engagements bekommen. Und das gern garniert mit der überflüssigen und ziemlich neiderregenden Randbemerkung, dass bei derartigen, nach wie vor ehrenamtlichen, Beschäftigungen manchmal mehr Geld herauskäme als bei Zeitgenossen, „die für ihre Geld arbeiten“. „Guter Rat ist eben teuer!“ lautete einst der lakonische Kommentar zu solchen Themen von meinem alten grünen Freund Hermann Strahl. Und, was hatte er? Recht hatte er! Denn niemand verlöre ein Wort darüber, dass jemand Geld für journalistische Arbeit bekommt, weil er das beruflich macht und in der Regel auch ernsthaft und penibel unternimmt. Schließlich hat er die Beruflichkeit für sich gewählt, um den Lebensunterhalt zu verdienen.

Nun ist es in der Regel so, dass kein ehrenamtlich tätiger Politiker seinen Lebensunterhalt von der Arbeit im Rat oder seinen Ausschüssen bestreiten „muss“. Er kann das auch lassen, er kann die ganze Tätigkeit völlig unterlassen und man verzichtet auf die ehrenamtliche Verwaltung (sprich: Rat). So etwas Blödes würde allerdings nur denen einfallen, die so gern auf vermeintliche „Lügenpressen“ schimpfen. Allerdings erfahrungsgemäß nur so lange, wie sie staatliche Segnungen solcher Art nicht selbst beanspruchen dürfen.

Nun lehrte mich ja die eigene Erfahrung, dass es Menschen gibt, die ernst nehmen, was sie tun, und solche, die sich nur gern wohlig sonnen in Licht der eigenen Popularität. Diese unterschiedlichen Verhaltensweisen sind bei Politikerinnen und deren männlicher Gattung ebenso verbreitet wie unter journalistisch Tätigen. Nur mal zum Nachdenken: Diejenige und derjenige die die Arbeit für die jeweilige Öffentlichkeit ernst nimmt, investiert enorm viel private Zeit in das Engagement. Zudem muss für manche Beschäftigung ernsthaft gelernt werden, weil das vom Gesetzgeber gefordert wird. Man kann nicht einfach Aufsichtsrat werden und elegant gekleidet dabei sitzen, da gehört etwas mehr zu als ein pömpöser Auftritt – obwohl man zu Recht Zweifel hegen mag, ob das nicht beispielsweise bei VW anders und leichter funktionierte, aber die kriegen ja auch deutlich mehr Geld.

Und noch was zum Nachdenken: Alles – auch die Aufwandsentschädigung des „einfachen“ Ratsmitgliedes – unterliegt – bis auf einen Freibetrag – der Steuerpflicht. Stundenlöhne auszurechnen lohnt in der Regel nicht, macht auch niemand. Dafür ist man gern mal konfrontiert mit der Kehrseite der Öffentlichkeit, die niemand gern wahrnimmt, der nicht halbwegs professionell damit umzugehen versteht. Besser zu wissen „wie man es macht“, ist da die Regel.

Okay, ich will gern einräumen, dass mitunter Mitglieder die Räte befüllen, denen eher der pömspöse Auftritt liegt, und weniger am überlegten und arbeitsintensiven. Aber sonne gibt es in jeder Branche. Aber vor der beurteilenden Berichterstattung über Einkünfte und deren Größenordnung ein wenig Nachdenklichkeit bitte. Einst lag der normale Verdienst der schreibenen Zunft plus Geriatriezuschlag bei analog B2 – ist allerdings lange her und war jedem gegönnt.

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