Ein Brief von dem frühesten Unnaer „Kulturpapst“ Gerd Hergen Lübben

Auffällig viele Schnittmengen beim Verständnis von Kultur bei Axel Sedack und seinem Vorgänger Gerd Hergen Lübben. Hier ein Plakattext, mit dem der damalige Essener seine Gedanken zum Thema skizzierte. – Foto privat

Unna. Er war – wenn man so will – das inhaltliche „Vorspiel“ der Kultur-Professionalisierung in Unna: Gerd Hergen Lübben, gedanklich damals den meisten Kulturgewaltigen so weit voraus, dass es den meisten schwer fiel, ihm auch nur ansatzweise zu folgen. Sein Vorgänger war Willi Timm, sein Nachfolger Axel Sedlack, krasser ging es damals kaum. Sein insgeheimer Fan war Unnas SPD-Vorsitzender Hans Claussen, dessen Ehefrau Liselotte politisch den Übergang hin zur Verwaltungsprofesionalisierung als Ausschussvorsitzende managte. Hans merkte damals bewundernd an, dass außer Gerd Hergen alles „Amateure“ – wenn es um die Trinkfestigkeit gehe. Meist haben wir uns bestens verstanden. Einmal indes grollte Gerd Hergen mir sehr, da war er mäßig zufrieden, wie ich über seine kulturschaffende Politik schrieb. So ging es bisweilen auch meinem alten Freund Axel Sedlack. Muss ich ja zugeben.

Umso mehr freuen mich die Zeilen von Gerd Hergen Lübben:

Gerd Hergen Lübben

Lieber Herr Bernhardt,
vor ein paar Tagen bin ich auf Ihre erfreuliche Berichterstattung zu den sympathisch persönlichen Erinnerungen von Axel Sedlack in seiner eindrucksvollen Dokumentation „Wege zur menschlichen Stadt – Die Kulturpolitik in Unna 1974-2011“ aufmerksam gemacht worden.

Dazu gebe ich Ihnen anbei in einer kleinen PDF-Datei einige flugs zusammen gefügte Fundstücke (Zeitungsausrisse) aus „meiner Zeit in Unna“; womöglich erinnern Sie sich sogar auch noch an diese oder jene kulturpolitische Aufbruch-Phase?

Gestatten Sie mir zudem einige Bemerkungen.
Mir selbst war, parallel zur einzuleitenden Professionalisierung der Kulturverwaltung, damals sehr bedeutsam die Überleitung der bisher auch noch nebenamtlich geleiteten Unnaer Volkshochschule in jene wohl heute noch bestehende, gemäß Gesetzgebung des Landes Nordrhein-Westfalen von 1974ff auszugestaltende hauptamtliche Wahrnehmung der kommunalen Pflichtaufgabe einer Weiterbildungseinrichtung erschienen: Und zwar wurde zügig für die gemeinsame Ausgabenwahrnehmung mit den Nachbargemeinden Stadt Fröndenberg und Holzwickede eine interkommunale Vereinbarung erarbeitet und beschlossen; damit war eine „konkurrierende“ Kreis-VHS ebenso wie die (als „Abseitsfalle“ empfundene) Errichtung eines VHS-„Zweckverbandes“ vom Tisch …

Orientiert mithin an den innovativen Erfahrungen dieser Aufbruch- und Aufbau-Jahre einer systematischen und „Unna-spezifischen“ Kulturarbeit, beriet und verabschiedete dann Anfang 1974 der Kulturausschuss des Rates der Stadt Unna seine ersten „Kulturpolitischen Grundsätze“ und damit im Kern das Konzept für eine auf nachhaltige Kontinuität angelegte kommunale Kulturentwicklung, begreifbar durchaus als kulturpolitischer Impetus!

Und wahrhaftig: Die Stadt Unna konnte dann von großem Glück sagen, dass sie mit Herrn Axel Sedlack einen Mitarbeiter in die Kulturverwaltung abordnete, der sich schon bei seinem gleichzeitigen Verwaltungsakademie-Studium in diesen „Multitask“-Bereich umsichtig und initiativfreudig einzubringen wusste, und dabei einen ortsfesten, zielstrebigen und loyalen Sachwalter für die gedeihliche Verstetigung und Weiterführung der künftigen, Breiten- und Spitzen-Kulturarbeit gewonnen hatte!

Alles Gute für Ihre engagierte Arbeit wünschend,
grüßt Sie freundlich
Gerd Hergen Lübben

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.