Unna zeigte Flagge: „Wir brechen das Schweigen“ – Internationaler Tag „Nein zu Gewalt an Frauen“

frauen-flagge-2016Unna. Mit einem Infostand und einer gemeinsamen Flaggenaktion machten am 25. November 2016 das Büro für Gleichstellungsfragen gemeinsam mit dem Mädchen- und Frauennetzwerk, dem Frauenforum, dem Zonta-Club HammUnna und erstmals mit der Katholischen Frauengemeinschaft (kfd) im Pastoralverbund Unna auf dem Wochenmarkt vor dem Rathaus auf das Thema „Gewalt gegen Frauen“ aufmerksam. Unter dem Motto „NEIN zu Gewalt an Frauen. Frei leben – ohne Gewalt“ wiesen die Frauen und Männer auf die Diskriminierung von Frauen hin und machten die Ächtung jeglicher Form von Gewalt deutlich.

Wie stark Frauen in Unna betroffen sind, verdeutlichen die Zahlen der Kreispolizeibehörde und des Frauenforums. Die Polizei wurde 2015 in der Stadt Unna zu 96 Fällen Häuslicher Gewalt (HG) gerufen und hat 31 Gewalttäter aus der gemeinsamen Wohnung verwiesen. (Kreisweit ohne Lünen gab es 378 Fälle HG und 102 Wohnungswegweisungen) Schutz im Frauenhaus suchten 53 Frauen mit 52 Kindern. Sie hatten Gewalt von ihrem Ehemann, Freund, Lebenspartner erlebt. Weitere 291 Frauen und Mädchen wandten sich wegen häuslicher oder sexualisierter Gewalt an die Frauen- und Mädchenberatungsstelle.

Josefa Redzepi, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Unna, wies auf zwei Verbesserungen hin, die in diesem Jahr auf der Gesetzesebene bzw. als regionales Angebot erreicht werden konnten. So bedeute die jüngste Reform des Sexualstrafrechts im Sommer 2016 einen deutlich besseren Schutz des Rechts auf sexuelle Selbstbestimmung. Mit der Verankerung des Grundsatzes »Nein heißt Nein« habe der Gesetzgeber sexuelle Handlungen gegen den erkennbaren Willen einer Person unter Strafe gestellt. “Für diesen Paradigmenwechsel haben wir Frauen seit Jahrzehnten gekämpft”, erläuterte Josefa Redzepi. Mit der Reform wurde zugleich ein neuer Straftatbestand in das Strafgesetzbuch eingefügt, der die tätliche sexuelle Belästigung unter Strafe stelle. Das verharmlosend sogenannte Grapschen, also das Kneifen in Po oder Brust ohne verbale Beleidigung, sei jetzt mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren bedroht, wenn Betroffene einen Strafantrag stellen.

Zudem gebe es für die Verbesserung des Opferschutzes im Kreis Unna erstmals ein Angebot für die gewalttätigen Männer. In einem sozialen Trainingskurs setzen sie sich u.a. mit den Folgen von gewalttätigem Verhalten auseinander und lernen neue Strategien zur Konfliktlösung kennen. Der Verein „Die Brücke“ habe vom NRW-Justizministerium Gelder erhalten, um dieses Angebot für den gesamten Landgerichtsbezirk Dortmund zu organisieren. Und dazu gehört auch der Kreis Unna.

Die kfd im Pastoralverbund Unna lud im Anschluss an die Fahnenaktion um 12 Uhr zu einer Andacht in der Katharinenkirche ein. Die Kollekte war für das Frauenforum im Kreis Unna bestimmt. Für den Abend hatte der Zonta-Club Hamm/Unna die orange-farbene Beleuchtung des Kirchturms der Stadtkirche veranlasst. Mit der auffallenden Farbe wird weltweit unter dem Motto „Zonta says no“ auf die Gewalt an Frauen aufmerksam gemacht.

Hintergrund:

1981 wurde der 25. November als Internationaler Tag „Nein zu Gewalt an Frauen“ ausgerufen. Seither setzen sich Menschen an diesem Tag weltweit für die Beseitigung von Gewalt und Diskriminierung an Frauen ein. So auch in Deutschland, wo Gewalt gegen Frauen noch immer trauriger Alltag ist. Jede dritte Frau ist von körperlicher oder sexueller Gewalt betroffen. Rund 25 Prozent aller Frauen erleben Gewalt in ihrer Partnerschaft. Mehr als die Hälfte der Frauen wurde mindestens einmal im Leben sexuell belästigt. Diese Ergebnisse von aktuellen Studien der Europäischen Union zeigen die weite Verbreitung der Gewalt in Beziehungen. Besonders gefährdet sind Frauen mit Beeinträchtigungen oder in unsicheren Lebensverhältnissen.

Deshalb warben die Akteurinnen in diesem Jahr unter dem Motto „Tür auf! Schutzräume für alle gewaltbetroffenen Frauen“ für die Einrichtung und den Ausbau sicherer Zufluchtsstätten. Alle Frauen sollen Schutz erhalten, unabhängig von ihrem Einkommen, ihrem Aufenthaltsstatus, ihren Beeinträchtigungen oder ihren Sprachkenntnissen. Dazu sind Bund, Länder und Kommunen aufgefordert, kostenlose Schutzräume und angemessene Unterstützung zur Verfügung zu stellen. Das bedeutet

  • bundesweit, flächendeckend und ausreichend.
  • pauschal und angemessen finanziert.
  • für Frauen mit erhöhtem Bedarf barrierefrei und ausreichend personell und materiell ausgestattet.
  • spezialisiert im Umgang mit verschiedenen Gewaltformen wie Zwangsverheiratung, weibliche Genitalverstümmelung, Menschenhandel.
  • Mit dem Aufruf „Wir brechen das Schweigen“ weist das Mädchen- und Frauennetzwerk zudem auf das bundesweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ hin. Es besteht als Ergänzung zu den Fachberatungsstellen und Frauenhäusern der Regionen. Das Hilfetelefon ist an 365 Tagen im Jahr, rund um die Uhr unter der Rufnummer 08000 116 016 und über die Online-Beratung unter www.hilfetelefon.de erreichbar. Anonym, kostenlos, barrierefrei und in 15 Sprachen.

    Unmittelbare Ansprechstelle im Kreis Unna ist allerdings auch die Frauen- und Mädchenberatungsstelle unter der Telefonnummer 02303-82202. Entweder telefonisch oder im Rahmen eines persönlichen Gespräches erhalten Frauen und Mädchen Unterstützung in Krisensituationen, Informationen zu Hilfsmöglichkeiten und ggf. Begleitung zu Polizei, anwaltIicher Beratung oder Ämtern. Auf der Homepage des Frauenforums Unna können sich Mädchen und Frauen darüber hinaus auch online beraten lassen, dazu unter www.frauenforum-unna.de das Logo „Online-Beratung“ anklicken.

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