Frankreich und Tempo 30 überall… – geht doch, nur bei uns lieber “freie Fahrt für freie Bürger”

(Foto: B. Kalle - Kreis Unna)

(Foto: B. Kalle – Kreis Unna)

von Ralph Bürger

Unna/Palaiseau. Im Oktober diesen Jahres haben meine Frau und ich mit französischen Freunden Urlaub in den Pyrenäen gemacht. Bei dieser Gelegenheit und ca. 3800 km Fahrstrecke über französische, belgische, deutsche Maut- und mautfreie Autobahnen sowie innerstädtische Straßen in Paris wollte ich mir doch mal einige Details französischer Verkehrspolitik ansehen. Hier mal der Blick auf den Umgang mit „TEMPO 30“. Dieses Tempolimit ist in Frankreich offensichtlich bekannter als in Deutschland, denn es wird reichlich angewandt!

Und die französischen Nachbarn kennen dabei offensichtlich nicht die feinsinnigen Differenzierungen deutscher Bürokratie. So ist es furchtbar egal, ob es sich um eine vierspurige Ausfallstraße in der Großstadt Paris oder eine Nationalstraße oder Landstraße in dörflicher Umgebung handelt. „TEMPO 30“ wird wohl überall dort angeordnet, wo es – zumindest aus Sicht der örtlich zuständigen Behörde – sinnvoll erscheint. Das Schild „Tempo 30“ bleibt jedoch niemals als alleiniger Temporatgeber einsam am Straßenrand! Da wird immer eine komplette Zone markiert: Also ein Hinweisschild am Anfang und eines am Ende, wie sich das gehört Doch die Schilder bleiben nie allein, denn die Fahrbahn wird entsprechend dem neuen Limit gleich mit umgestaltet.

So finden sich gottlob nicht die hierzulande üblichen seitlichen Pflanzinseln, sondern konsequenterweise Bodenschwellen in Form sanft ansteigender und abfallender Hügel. Dieses Gefühl des „sanften“ Anstieges vermögen die Insassen eines durchschnittlichen PKW aber auch nur so lange zu empfinden, wie das vorgegebene Tempolimit auch eingehalten wird. Die Überschreitung kann sonst schon mal das bei Überlandfahrten ansonsten seltene Gefühl eines springenden Fahrzeuges verursachen. Die Wirkung ist jedenfalls 100 %ig: Jedes Fahrzeug muss runter mit der Geschwindigkeit! Das erspart verständlicherweise eine Radarüberwachung oder den Einsatz laserpistolenbewaffneter Ordnungshüter.

Die haben wir denn auch gar nicht gesehen. Also um es nochmals zu verdeutlichen: Jedes Dorf, das wir passierten, hatte seine „TEMPO 30-Zone“ auf der Hauptdurchgangsstraße, und zwar immer mit Bodenschwellen. Und in Paris gibt es das auch, und zwar dort, wo der Verkehr tobt!

Da unsere Bekannten in der Nähe von Palaiseau wohnen – der Unnaer Partnerstadt – ,und zwar im nordöstlich von Palaiseau gelegenen Villejuif, mussten wir auch die Hauptdurchgangsstraßen von und nach Paris befahren. Da waren sie dann wieder: Auf vierspurig befahrener Straße im Vorstandtzentrum: „TEMPO 30“ mit Beschilderung und Bodenschwellen. Natürlich war nicht ersichtlich, ob diese aus Lärmschutz- oder Sicherheitsgründen angelegt worden waren.

Da in der Nähe aber immer auch stark frequentierte Fußgängerübergänge vorhanden waren, ließ das nur den Schluss zu: Offenbar aus Sicherheitsgründen wird der Straßenverkehr komplett ausgebremst! Dass
„TEMPO-30“ im Zusammenhang mit Bodenschwellen den Straßenverkehr leiser gestaltet, dürfte allerdings auch nur eine Vermutung sein. Nach Expertenmeinung sind da maximal 2 dB Minderung gegenüber Tempo 50 drin. Und das gilt schlicht im Alltag an der Straße als „unauffällig“ oder „nicht hörbar !“.

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