Matthias Nawrat las bei Chamisso-Tagen an der Ruhr am Pestalozzi-Gymnasium – Schreiben vom “Ertrinken in einer Pfütze”

Matthias Nawrat las von den Schülerinnen und Schülern aus den Deutsch-Leistungskursen der Q1 aus seinem neuen Roman. - Foto: PGU

Matthias Nawrat las von den Schülerinnen und Schülern aus den Deutsch-Leistungskursen der Q1 aus seinem neuen Roman. – Foto: PGU

Unna. Mit den Chamisso-Tagen an der Ruhr wurde vom 9. bis 11. November 2016 an drei Tagen das ganze Spektrum der Literatur der Adelbert-von-Chamisso-Preisträger – und damit auch ein wesentlicher Teil der deutschen Gegenwartsliteratur – an verschiedensten Lesungsorten im Ruhrgebiet vorgestellt.

Zu den namhaften Autorinnen und Autoren gehörte ebenfalls Matthias Nawrat, der schon vor drei Jahren die Schüler am Pestalozzi-Gymnasium besucht hatte. Dieses Mal stellte der Berliner Autor bei der Schullesung seinen neuen Roman „Die vielen Tode unseres Opas Jurek“ vor – erschienen bei Rowohlt. Die Handlung der Familiengeschichte findet vor dem Hintergrund der Geschichte Polens und Europas im 20. Jahrhundert statt. Das Buch kann als Schelmenroman verstanden werden, in dem die Gräuel des Krieges und des Totalitarismus bewusst lakonisch verarbeitet werden. Während seiner Lesung verriet Matthias Nawrat den Schülerinnen und Schülern aus den Deutsch-Leistungskursen der Q1, dass er mit seinem Roman persönliche Erfahrung widerspiegeln möchte. So würden Menschen, die traumatische und belastende Erlebnisse innerhalb der Geschichte Polens gemacht haben, oftmals fröhlich und augenzwinkernd davon berichten. Erst beim zweiten Hinhören fällt einem dann auf, dass dieser Umgang mit der polnischen Geschichte eine besondere Art der Verarbeitung ist.

In einem anschließenden Gespräch erzählte Matthias Nawrat, wie man sich den wahren Alltag eines hauptberuflichen Autors vorstellen kann. Neben einer Mischung aus Schreibdisziplin und Inspiration sei es sehr wichtig, sich in seine Schreibwelten hineinzufühlen. „Als Autor muss man die Kunst beherrschen, in einer Pfütze zu ertrinken“, beschrieb Matthias Nawrat und wählte dieses bildhafte Beispiel für eine fiktive Szene. Dabei befindet sich ein Schiffbrüchiger im weiten Ozean und droht womöglich gerade zu ertrinken. Als Autor einer solchen Situation fühle man sich somit in den Ertrinkenden hinein. Mehr als eine symbolhaft zu verstehende Pfütze habe man dabei in seinem eigenen, realen Umfeld allerdings nicht zur Verfügung.

Die Veranstaltung begeisterte und inspirierte die Schülerinnen und Schüler gleichermaßen. Einigen von ihnen war anzumerken, dass sie nun selbst die Idee lockt, einmal ein eigenes Buch zu schreiben.

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