Axel Sedlack, Wege zur menschlichen Stadt – Die Kulturpolitik in Unna 1974-2011

Der Vater der Entwickler der Unnaer Kulturarbeit: Axel Sedlack.

Der Vater der Entwickler der Unnaer Kulturarbeit: Axel Sedlack.

Unna. Das waren die Zeiten, als unsere Stadt bundesweit beachtet und in Fachkreisen hoch geachtet kulturpolitische Zeichen setzte. Nun ist Unna um eine Dokumentation, die das Vergangene festhält und beschreibt um aus dem zu lernen, was dereinst für die Stadt entwickelt wurde, reicher. In sehr persönlichen Erinnerungen schildert der ehemalige Kulturdezernent der Kreisstadt seine Sichtweise auf die Jahre 1974 bis 2011 im Hinblick auf die Kulturarbeit in dieser Stadt, die er in diesem Zeitraum mit verantwortet hat.axels-buch

Das Buch ist eine gute Grundlage, um die Diskussionen über die zukünftige Ausrichtung der Kulturarbeit zu bereichern, ohne auf dem Stand der damaligen Zeit zu verharren. Es kann ab sofort in der Bibliothek im zib ausgeliehen werden.

Axel Sedlack war im Amt als Dezernent ein Typ, an dessen Auftritte bei Terminen außerhalb Unnas man sich erinnern musste. Vermutlich war das einer der Gründe, warum er sich seine einzigartige und bis heute nie wieder erreichte Vernetzung in der kulturpolitischen Szene schuf. Ich darf es ja sagen: Mein Freund Axel war aber auch anstrengend – wenn er seine Gedanken durchsetzen wollte, wenn er die Ideen finanzierbar machen wollte, wenn er Kulturpolitik als Kompass auf dem Weg zur menschlichen Stadt instrumentalisierbar machen wollte.

Um es ganz deutlich zu machen: Ohne ihn hätte es die “Unnaer Kultur” so nicht gegeben. Wären Co-Befruchter wie Dieter Fränzel oder der inhaltliche Personal-Export ins benachbarte Hagen – Hans-Walter Schäkermann – auch hier nicht so aufgeblüht, dass ihr Schein noch heute grünlich schimmernde Aurora verbreiten kann. Unna und seine Ausstrahlung konnten es sich leisten, großartige Talente dieser Klasse anzuziehen, oder deren Klasse anderen Kommunen zu verehren. Da war die Stadt weit entfernt davon in ein kulturpolitisches Brachland abzutauchen wie das aktuell geschieht und ein drohender Absturz nur dadurch verhindert wird, dass die Pfähle von damals standfest bleiben.

Klar, das war einmal und kann s o nicht wieder sein. Aber man kann sich ja zumindest die Mühe machen, nachzulesen, was einmal war, um daraus Gedanken zu schöpfen, wie es zukünftig weitergehen könnte. Aber ich sehe die Aktualität leider so nüchtern, dass die Lesefähigkeit der meisten Beteiligten ebenso wenig ausreicht wie deren Lernbereitschaft, um solche Prozesse für die Stadt in Gang zu setzen.

Jahre ist es her, Axel war noch als Dezernent aktiv. Wir saßen in Münster in Klausur beim Abendbier. Da wollte ich der Runde etwas Kurzweil verschaffen. “Kennt Ihr denn den kürzesten Witz im Kulturbereich?” fragte ich und lieferte sogleich die Antwort. “Axel Sedlack hat Geld gespart!” Wir haben gemeinsam herzhaft gelacht. Sein Ziel, den Weg zur menschlichen Stadt zu beschreiten, kostete nun mal manchmal, aber dieses Geld war er stets wert. Heute geben selbsternannte Kultur-“Politiker” lieber zum Besten, dass sie was vom europäischen Vergaberecht auswendig gelernt haben und pflegen stattdessen ihr eigenes Brachland.

3 comments for “Axel Sedlack, Wege zur menschlichen Stadt – Die Kulturpolitik in Unna 1974-2011

  1. 10. November 2016 at 14:40

    Hallo, alter Freund. Dieses von dir zitierte kulturpolitische Credo, dem folgen wir aus der Entfernung gemeinsam. Es bleibt werthaltig, auch wenn aktuell erinnert werden muss, was manche zum Nachdenken bringen sollte. Viel Glück weiterhin, dein Freund Rudi.

  2. Axel Sedlack
    10. November 2016 at 12:29

    Danke,
    lieber Rudi, für Deine positive wie persönliche Stellungnahme zu der
    von mir erarbeiteten Dokumentation. Danke an dieser Stelle auch noch
    einmal für die von Dir erfahrene Unterstützung und Begleitung meiner
    Arbeit über die vielen Jahre. Unser gemeinsames Eintreten für mehr
    Demokratie in unserer Gesellschaft, für eine
    sozial-kulturelle Arbeit bzw. Kulturpolitik, hat einen kulturellen Humus
    entstehen lassen, der Unna zu einer offenen, lebendigen,
    bunten und auf das Fremde neugierigen Stadt gemacht hat, eben eine
    Kultur für alle und von allen.
    Ich hoffe sehr, dass die Dokumentation vor allem dieses kulturpolitische
    Credo zum Ausdruck bringt.

  3. Manfred Hartmann
    1. November 2016 at 22:48

    Axel Sedlack hat ohne Zweifel viel für die Unnaer Kultur getan und dafür bin ich dankbar. Es war allerdings auch so, dass 1995/1996 eine kleine Initiative von Literaturfreunden mit ihm und den Verantwortlichen von Stadt und Politik nach der verhandeln mussten, nachdem eine radikale Kürzung des Bibliotheksetatsangekündigt wurde. Es kam glücklicherweise anders, weil wir ein Bürgerbegehren angedroht haben. Was sagt uns das? Kulturelle Grundversorgung hat es bisweilen schwer bei Leuten, die immer neue und bisweilen nicht ganz preiswerte Visionen haben. Das schmälert deren Verdienste nicht, rückt sie aber in ein etwas geklärtes Licht.

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