Jeder schützt sein Privatgrundstück so wie er sich entscheidet und sei es mit NATO-Stacheldraht

Hier wehrt aber ein Eigentümer erkennbar erfolgversprechend die Bedrohung durch seine Nachbarn ab. - Fotos: Martin Krehl

Hier wehrt aber ein Eigentümer erkennbar erfolgversprechend die Bedrohung durch seine Nachbarn ab. – Fotos: Martin Krehl

Es wäre eigentlich keine Zeile wert, wenn in der Nachbarstadt Schwerte ein Unternehmer auf die populistische Idee kommt, sein Firmengrundstück mittels NATO-Stacheldraht und handgeflechsten Reitern vor dem kommunikativen Zugriff fremdländisch wirkender Menschen zu schützen versucht. Das in Schwerte erscheinende seriöse Nachrichten-Portal Blickwinkel berichtet journalistisch-nüchtern über den Vorfall, der derzeit Wellen schlägt, und zwar in einer Flut-Wucht, als sei die unternehmerische Selbstschutzmaßmahme eine sensationelle Berichterstattung es wirklich wert z.B. vom WDR und dem privatfunkenden SAT1. Also: erstmal kann jeder Grundeigentümer sein Privatgelände so schützend einzäunen wie er lustig ist – so lange er den Selbstschutz nicht übertreibt und verletzungsgefährdend für Dritte installiert. Wenn er sich mit den eigenen Anstrengungen unbedingt bis auf die Knochen blamieren will, ist das auch seine Entscheidung.
Rasiermesserscharf wird hier der Schutzwall bewehrt, dass ja kein Fremder die hauseigenen Funkwellen nutzen kann. - Fotos: Martin Krehl

Rasiermesserscharf wird hier der Schutzwall bewehrt, dass ja kein Fremder die hauseigenen Funkwellen nutzen kann. – Fotos: Martin Krehl

“Ordnungsrechtlich keine Handhabe” – stellt die Stadt Schwerte folgerichtig fest. Was man sich da denken kann, bleibt jedem selbst überlassen. Was der eigentliche Aufreger sein sollte, ist die Hysterie-nahe Errregung mit der im Netz – rühmliche Ausnahme eben jenerBlickwinkel Schwerte – berichtet und kommentiert wird. Anscheinend ist es nur unstatthaft, Selbstschussanlagen zur Verteidigung des eigenen WLAN-Empfanges durch die benachbarten Bewohner der Flüchtlingsunterkunft im Industriegebiet Binnerheide aufzustellen. Nach eigenen Angaben platzt die Kommentation beim Rundblick Unna aus allen Nähten: allen voran ist natürlich die famose Familie Dinse dabei, sozusagen mit Schwerter Heimvorteil.

Hingegen kommentarlos der Beitrag von Ingo Rous im Blickwinkel – was der Herr Dinse kritisch bemerkt im benachbarten Rundblick. Was in mir indes die Überzeugung stärkt, dass nicht jeder Kommentar veröffentlicht werden muss.

Kommentar

In dem schönen deutschen Wort „Grundstückseinfriedung“ steckt das Wort „Frieden“ drin. In Stacheldraht steckt nichts friedliches – nur Ignoranz und Intoleranz, Abschreckung und Abspaltung. Statt sein widerrechtlich betretenes Fleckchen Land mit einem soliden deutschen Jägerzaun abzugrenzen, grenzt sich Rolf Siegel ab – und zwar von anteilnehmender Mitmenschlichkeit.

Im Wohnheim Binnerheide 27 wohnen zum Beispiel- alles andere als freiwillig – zwei Brüder aus Aleppo, die jeden Tag sorgenvoll die Nachrichten verfolgen, weil die Assad und Putin ihre Eltern und Geschwister einem grausamen Bombenhagel aussetzen. Und diesen beiden traumatisierten jungen Männern setzt Rolf Siegel seinen NATO-Draht-Verhau vor die Nase. Weil die Jungs für einen besseren Handyempfang ein paar Schritte zu weit auf seine Unkrautbrache gehen, um von ihren Eltern zu hören, ob sie noch leben.

Schwerte und seiner gastfreundlichen Bevölkerung, wo Geflüchtete und Alteingesessene, alte und neue Nachbarn beispiellos friedlich zusammenleben, ausgerechnet dieser Stadt beschert Rolf Siegel ein Mahnmal der Menschenverachtung.

Martin Krehl

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