Stadtfest läuft – ganz Unna hat gute Laune und das Wetter ist entsprechend

Werner Kolter bei der Eröffnungsrede - aber warum schaut der Heinz Glade so grimmig? - Fotos: Rudi Bernhardt

Werner Kolter bei der Eröffnungsrede – aber warum schaut der Heinz Glade so grimmig? – Fotos: Rudi Bernhardt

Unna. Das großartigste Familienfest einer Stadt am Ostrand des Reviers läuft, saubere und treffsicher geführte Hammerschläge von Bürgermeister Werner Kolter leiteten es punkt 18 Uhr auf der Tribüne auf dem Alten Markt ein und eine erste Runde Freibier füllte die Gläser für eine Erfrischung am warmen Spätsommerabend. Das alle Jahre aufs neue ersehnte Stadtfest läuft, macht die Stadt zum regional größten Event und sorgt dafür, dass sich Unna als das darstellen kann, was es im fühlbaren Grunde ist: Eine Wohlfühlstadt, deren Vorzüge man zu genießen herkommt, deren Stadtkultur man ausgelassen und vor allem in Gemeinsamkeit befeiern kann, deren mitreißender Charme, kaum dass man sie wieder verlassen musste, Entzugserscheinungen auslöst.
  • Ein Besuch im Weindorf ist absolutes Muss: Nur ein Schoppen und für Daheim ein Flasche guten Trester von Misch Conrad.
  • Unnas neue Beigeordnete Kerstin Heidler mit Günter Kaiser und ihrem Papa Michael Limbacher.
  • René van Boxtel (rechts) und Hermann Bremmer, Grundpfeiler einer Städtefreundschaft.
  • Ja, so schön ist das Wiedersehen mit alten Kollege: Beate Kispal und Günter Kaiser.
  • Und alle Finger heile geblieben und kaum was ging daneben.
  • Ja! Geht doch ...
  • Gute Vorbereitung und ordentlich Maß nehmen, dann gelingt jeder Fassanstich. Udo Hennes (rechts) hält alles fest.
  • Werner Kolter redet doch immer so schön. Warum nur guckt der Hein Glade so grimmig?
  • Die Dudelsackspieler aus den Niederlanden dürfen bei einer Stadtfesteröffnung nicht fehlen.

Nach dem unvermeidlichen – diesmal ausschließlich mit Cola versüßtem “Vorglühen” – im Kreise bekannter Gesichter und wohl vertrauter Stimmen bei Valerio Panareos Alimentari, sonnenbadend diesen herrlichen Eröffnungstag genießend, begab ich mich an den Aufstieg stadtaufwärts. Musste noch bei meiner Lieblingssparkasse an die Bargeld-Zapfe. Gelungener Umbau im Eingangsbereich, stellte ich zufrieden fest, weniger glücklich nahmen meine Augen das Architektur-Desaster rund um mein einst heimatliches Café Prünte wahr. Das braucht noch lange Zeit, bis daran die Gewohnheit lindernd ihre Arbeit verrichtet. Ähnlich zumutend wirkte indes der Kurzauftritt eines ehemaligen (die Betonung liegt auf ehemalig) Bundestagsabgeordneten, dessen Debattenkultur heute offenbar nur noch dazu ausreicht, mit pirateskem Zuspruch klarzukommen, er ansonsten mit der ihm seit Jahrzehnten eigenen Selbstkritik aber laut maulend den Gesprächsentzug vorzieht.

Aber, ich habe trotz allen gute Laune, ganz Unna erst recht, und setzte wohlgemut meinen Aufstieg fort. Vorbei am Ovator-Geschäft, einem der Inhaber geführten Einzelhandels-Juwelen Unnas. Nicht nur meine alte und ungebrochene Freundschaft zur Familie Sombold lässt mich diese Tradition bejubeln, die leider nun langsam Geschichte sein wird. Und ich krauche weiter die Stadt hoch, vorbei an Erinnerungen wie den Tschibo-Laden, wo ich ungezählte Tassen Kaffee leerte und wir fast eine redaktionelle Zweigstelle hätten eröffnen können. Vorbei am sogenannten Hill-Balkon, wo Gesamtschul-Gegner einst jakobinische Reden gegen diese angeblich Eliten vergiftende Schulform hielten.

Und dann endlich der Markt, ehrwürdige Bauten umrahmen nach wie vor das Geschehen, hier hat sich wenig zum Negativen verändert. Die Unnaer achten auf ihre “Gute Stube”. Während ich die schon zahlreiche Eröffnungs-Crowd sondiere, stelle ich staunend fest, dass ich trotz allem doch schneller war als die Brabanter Dudelsackspieler, die offenbar noch an der Katharinenkirche sich warm spielten während ich durch Erinnerungen schlenderte. Aber schon bald füllten sie mit ihren Klängen den Markt, brachten dem schon anwesenden René van Boxtel einen fröhlichen Gruß mit. Und Werner Kolter bereitete sich auf seine Eröffnungsschläge vor – bedauernswertes Bierfass, ging nichts daneben. Enkirch und Aijka – gewohnte Treue unter den Städtefreundschaften, eben Stadtfest. Aber auch gewohnte Gäste wie der unermüdliche Josef Wagner und natürlich alle Stadtmarketing-Mitarbeiter um Horst Bresan. Die konnten getrost das warme Einpacken wie im vergangenen Jahr vergessen, das Wetter hatte eine wärmende Lieblichkeit.

Apropos wärmend, auf den Kirchplatz muss ich denn doch, ohne einen Schoppen Wein aus Enkircher Lagen ist das kein richtiges Stadtfest. Wo sonst, da treffe ich auch Wilhelm Dördelmann wieder, mit dem ich schon auf dem Markt erfrischend plaudern konnte. Sogenannte Altbürgermeister haben einen großen Vorteil: Sie kennen den Begriff Weisheit nicht nur, sie können auch das, was er aussagt. Bei Misch Conrad gibt’s den Schoppen nebst der traditionellen Flasche Trester, noch etwas Austausch über den medialen Qualitäts-Freifall, einige wichtige Sätze zur Kader-Qualität der BVB mit Günter Luhmann. Dann noch bei meinem Freund Volker König vorbei, um ein “Auf Wiedersehen” comme il faut zu sagen. Alles geschafft, glaube ich, aber dann treffe ich noch Tim Scheideler und sein Illu, und obwohl mir das Kreuz abbricht, es muss sein. Unter Freunden muss man sich austauschen. Das tut mir und den Freunden gut.

Es regnet nicht wie im vergangenen Jahr. Dennoch wirkt mein nüchterner Gang etwas tapsig – wie immer. Horst Bresan und Teile seines Stadtmarketings rauschen vorbei und ich höre sein lachendes Versprechen, dass er für mich einen Bungee-Sprung bei den Urlaubsgurus gebucht habe. Heiterkeit in der näheren Umgebung. Stadtfest eben – Unna hat gute Laune. Aber ich muss meinen Zug kriegen, und außerdem habe ich Höhenangst.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.