Gemeinsam Druck machen: Gesetz zur Schaffung des Sozialen Arbeitsmarkt muss her!

Tauschten sich zum Thema Sozialer Arbeitsmarkt mit weiteren Akteuren aus: Arbeitsminister Rainer Schmeltzer (6 v.r.),  AWO-Vorsitzender Wilfried Bartmann (5. v.l.) und AWO-Geschäftsführer Rainer Goepfert (1 v.l.) - Foto: AWO

Tauschten sich zum Thema Sozialer Arbeitsmarkt mit weiteren Akteuren aus: Arbeitsminister Rainer Schmeltzer (6 v.r.), AWO-Vorsitzender Wilfried Bartmann (5. v.l.) und AWO-Geschäftsführer Rainer Goepfert (1 v.l.) – Foto: AWO

Kreis Unna. Unter der Maxime „Arbeit statt Arbeitslosigkeit finanzieren“ fördert das Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales seit 2013 das Modellprojekt „Öffentlich geförderte Beschäftigung NRW“ (ÖGB). Ziel ist es, langzeitarbeitslose Menschen in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis zu integrieren. Die BILDUNG + LERNEN gGmbH eine Tochtergesellschaft der AWO Unterbezirk Unna, arbeitet seit Projektbeginn im Kreis Unna an der nachhaltigen Arbeitsmarktintegration.

Die AWO hat diese Arbeit zum Anlass genommen, Rainer Schmeltzer MdL, Minister für Arbeit, Integration und Soziales des Landes NRW, zu einem Informationsaustausch zum Thema ÖGB und die Perspektiven für einen Sozialen Arbeitsmarkt einzuladen. Der nordrhein-westfälische Arbeitsminister ist dieser Einladung mit weiteren Arbeitsmarktakteuren gerne in die AWO-Wohnstätte Süggelaue in Lünen gefolgt.

Wilfried Bartmann, AWO-Unterbezirksvorsitzender, wies in seiner Begrüßung auf die schwierige Situation im Kreis Unna hin. Zwar steige seit Jahren die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten, aber die langzeitarbeitslosen Menschen würden von dieser Entwicklung nicht profitieren. „Rund 4.000 Menschen sind im Kreis seit mindestens vier Jahren arbeitslos. Menschen dauerhaft vom Arbeitsmarkt auszugrenzen, ist aus Sicht der AWO menschenunwürdig“, machte Wilfried Bartmann die klare Haltung des Wohlfahrtsverbandes deutlich.

Die Struktur und den erfolgreichen Verlauf des Projekts stellte Betriebsleiter Helmut Lindemann dar. Von 44 Teilnehmenden konnten 26 in Arbeits- und Ausbildungsverhältnisse vermittelt werden. Das entspricht einer Vermittlungsquote von 59,1 Prozent. Lindemann, der seit vielen Jahren arbeitsmarktpolitische Maßnahmen begleitet, zeigte sich vom ÖGB-Projekt überzeugt. „Die berufs- und tätigkeitsbezogene Qualifizierung macht die Teilnehmenden fit für den Arbeitsplatz. Das Coaching trägt dazu bei, dass die Geförderten das Programm durchhalten.“ Till-Bastian Luft und Karl-Heinz van de Loo, zwei ÖGB-Teilnehmer, waren der „sichtbare Erfolg“, als sie ihre positiven Erfahrungen schilderten.

Viel Lob für das Landesprojekt. Sichtlich erfreut über die Ergebnisse vor Ort schilderte Minister Rainer Schmeltzer, warum das Land vor drei Jahren das Projekt ins Leben gerufen hat. „Wir wollten modellhaft herausfinden, wie es gelingt, langzeitarbeitslose Menschen nicht nur wieder in Lohn und Brot zu bringen, sondern auch wieder am sozialen Leben teilhaben zu lassen“, erklärte der Minister. „Der Ansatz, den wir in Nordrhein-Westfalen ausgewählt haben, funktioniert. Für viele Teilnehmende führt er zu mehr sozialer Teilhabe, zur Beendigung des Leistungsbezugs und zu besseren beruflichen Anschlussperspektiven.“ Schmeltzer sieht im Erfolg des Modellprojekts auch einen Beweis für die Forderung nach einem Sozialen Arbeitsmarkt, der langzeitarbeitslosen Menschen eine langfristige Integration in den Arbeitsmarkt ermöglichen soll.

Thematisch eine Steilvorlage für AWO-Geschäftsführer Rainer Goepfert. Sowohl Kreis- als auch Unterbezirksvorstand hatten sich Ende Mai und Anfang Juni in Klausurtagungen mit dem Thema Sozialer Arbeitsmarkt beschäftigt und den Unnaer Appell für „Arbeit statt Arbeitslosigkeit finanzieren!“ verfasst. „Wir müssen einen dauerhaft geförderten Sozialen Arbeitsmarkt für Langzeitarbeitslose aufbauen. Dieser muss mit wirksamen Instrumenten ausgestattet, rechtlich klar und verlässlich geregelt, langfristig und auskömmlich finanziert werden.“ Das Modellprojekt ÖGB sei daher eine gute Blaupause für die Ausgestaltung eines Sozialen Arbeitsmarktes. Er sieht die AWO dabei als wichtigen Akteur im Kreis Unna, insbesondere was die Bereitstellung und Entwicklung geeigneter Arbeitsplätze, als auch die begleitende Unterstützung, Qualifizierung und Stabilisierung von Menschen bei anderen Arbeitgebern – vor allem auch in der Privatwirtschaft – anbelangt.

Rainer Schmeltzer, Wilfried Bartmann und Rainer Goepfert waren sich am Ende einig: Gemeinsam muss man an die Bundesregierung appellieren und den Druck erhöhen, damit in Berlin der gesetzliche Rahmen für die Einführung eines Sozialen Arbeitsmarktes geschaffen wird.

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