Zwei Fäuste und fünf Ringe – Zeichen für den olympischen Niedergang … Coubertins Ideen gehen den Bach runter

Unna/Rio. Ach … Olympia ist? Und? Die Weltspiele zwischen Bayer und BASF? Oder ist es der weltumspannende Wettkampf von Politikern und Funktionären, die versuchen, im Medaillen-Spiegel etwas zu erreichen, was sie als dilettierende Sportler nie schafften? Okay, TV-Anstalten, Werbeagenturen und das Geblubber von flachkundigen Moderatoren, das wird allenthalben die kommenden Wochen beherrschen und nichts davon wird mich während der kommenden Olympischen Spielen interessieren. Wie das in den vergangenen sogenannten “Weltspielen der Jugend” auch so war. Es sind die Spiele des Kommerz, die Spiele des staatlich gedeckten – nein des staatlich geförderten – und des IOC-gedeckten Dopings und die Spiele einer Truppe von an Einfluss geilen Funktionären, die sich im lächerlichen Bemühen, die Mär von der eigenen Liebe zum reinen Sport der Lächerlichkeit preisgeben.

Eines haben diese Olympischen Spiele in der Vergangenheit nachhaltig geschafft: Mein Interesse an ihnen auf den absoluten Nullpunkt zu verringern. Weil es längst so ist wie bei der Vergabe von Austragungsorten der FIFA-WM: Von der ersten Sekunde des Prozesses an geht es um Profit für Einzelne oder für der daran beteiligten Sportgesellschaft.

Das letzte Mal, an das ich mich erinnere, da mein Interesse ungeteilt auf die Spiele gerichtet war, das waren die Szenen von Mexico-City, als USA-Sprinter Tommie Smith und John Carlos während der Siegerehrung zum 200-Meter-Lauf der Herren trotzig ihre behandschuhten Fäuste gen Himmel reckten und aller Welt zeigten, dass ihr Land ein rassistisches ist. Das war saucool und imponierte mir.

Dem damaligen Präsidenten des International Olympic Committee (IOC), Avery Brundage, war das Ganze ultrapeinlich und der Funktionärsgreis stammelte seine Erklärung in die Medien: Etwas von inländischer, auf die USA isoliert bezogene Aktion, “ungeeignet für die internationale und apolitische Idee der Olympischen Spiele”. Spontan reagierte Mr. Brundage als US-Bürger ganz “patriotisch” und ordnete an, dass Tommie Smith und John Carlos aus dem Team der USA zu entfernen seien und das olympische Dorf verlassen müssten. Nach kurzer Gegenwehr der amerikanischen Olympia-Mannschaftsleitung setzte sich der datterige Funktionär durch, nachdem er der gesamten Mannschaft der USA mit Ausschluss hatte.

Dabei hätte Avery Brundage eigentlich gute Übung mit lokalpolitischen Armgrüßen – allerdings ohne Faust, sondern mit flacher Hand – haben müssen: 1936 in Berlin hatte er den Hötlergruß auf der Ehrentribüne verletzungsfrei hingekriegt, so völlig apolitisch und olympisch neutral, eben einwandfrei.

Ach, und heute haben wir einen Deutschen als IOC-Präsiden, Thomas Bach, der war mal ein Klasse-Fechter, war mal ein Sportsmann und geübter Fairplayer. Es wirkt allerdings wie Frühvergreisung, dass Thomas Bach gnädig den russischen Athleten nachsieht, dass sie staatlich gefördert zu Doping-Junkies wurden. Seine Strenge reicht offenbar für einzelne, versagt aber schnell, wenn es um die Disziplinierung eines ganzen Teilnehmerlandes geht. Olympia ist eben traditionell apolitisch. Oder ganz im Gegenteil- politisch dem jeweiligen Mainstream verpflichtet und geht längst den Bach runter.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.