Aluwerk-Chef Thomas Wiese macht kräftige Opposition beim FC Schalke 04 – Kurz: “Tönnies kann’s nicht!” Aber: Tönnies kann’s offenbar doch und ist als Aufsichtsratschef wiedergewählt

Von Aufsichtsräten versteht Thomas Wiese wirklich was. Bevor er wieder Vorstand seines Unternehmens Aluminiumwerk Unna AG wurde, war er Vorsitzender des Aufsichtsrates. - Foto: Rudi Bernhardt

Von Aufsichtsräten versteht Thomas Wiese wirklich was. Bevor er wieder Vorstand seines Unternehmens Aluminiumwerk Unna AG wurde, war er Vorsitzender des Aufsichtsrates. – Foto: Rudi Bernhardt

Unna/Gelsenkirchen. Thomas Wiese, der mit 48 Lebensjahren einer der mächtigen Aufsichtsräte des FC Schalke 04 wurde, der hauptberuflich dem Aluminiumwerk Unna vorsteht, das er und die gesamte Belegschaft im Jahre 2000 für eine deutsche Mark von der Österreichischen AMAG übernahmen, Thomas Wiese macht im Nebenjob, den er bei seinem ausgemachten Lieblingsverein ausübt, medienmäßig von sich reden. Als er ungefähr in diesen Tagen vor genau einem Jahr seine Kandidatur für Schalkes Aufsichtsgremium abgab, schrieb er im Fan-Portal des Vereins:

“Ich bin von Geburt an Schalker. Solange ich denken kann gehe ich „auf Schalke“. Ich habe insgesamt vier Dauerkarten für Familie und Unternehmen, meine eigene Dauerkarte besitze ich seit 32 Jahren, die Heimspiele besuche ich regelmäßig. Auswärts habe ich früher mehr „mitgenommen“, zum Beispiel auch die komplette Uefa-Cup-Tour 1996/97, aus Zeitgründen war mir das zuletzt aber nicht mehr so häufig möglich.” Mit diesen Worten wird er im Kandidaten-Fragebogen für mögliche Aufsichtsratsmitglieder auf der Web-Plattform “Schalker Markt” zitiert. 38,1 Prozent der Stimmen, der höchste Anteil aller vier Bewerber, entfielen auf ihn.

Und er beschreibt auch, dass er klare Vorstellungen für die Zukunft hat und stellt erkennbar den Verein und seine Philosophie ins Zentrum: “Jeder, auch unsere Angestellten und Profi-Spieler, müssen verstehen, worum es hier bei Schalke geht. Da reicht nicht nur einfach ein Besuch unter Tage aus, um zu sagen ,Jawohl, ich bin auch ein Schalker.’ Das muss bei jedem Auftreten in der Öffentlichkeit deutlich und unmissverständlich rüber kommen, dieses ,sich den Hintern aufreißen’, alles zu geben, das Beste für den Verein geben.”

Dass der ebenso charismatische wie eloquente vormalige Betriebsratsvorsitzende des Aluminiumerkes (einst Messingwerk Unna AG) sich nicht als Nickaugust in den Aufsichtsrat einreihen wollte, war jedem, der ihn kannte, klar. Dass er diese Position im Sinne einer Mehrheiten schaffenden Mitgliedschaft, deren Stimmungen er aufnahm und deren Ton er zu treffen verstand, ausfüllen werden würde, war ebenso klar. Dem allgegenwärtigen Club-Gewaltigen Clemens Tönnies – glaubt man dem WAZ-Portal “Der Westen” – anscheinend nicht ganz – von Anbeginn der Aufsichtsratstätigkeit des Unnaer Unternehmers.

Gemeinsam mit den aufsehenden Kollegen Axel Hefer aus Hagen, Dr. Andreas Horn aus Heidelberg machte sich nach den Berichten im WAZ-Westen Thomas Wiese, die wahlkämpferisch geprägte Stimmung vor der Mitgliederversammlung (die soll zum Aufsichtsrat nachwählen – unter anderem Clemens Tönnies). Und hier melden sich die drei Aufsichtsräte den Berichten zufolge via Briefpost oppositionell zu Wort. Dass es schon geraume Zeit gärt, ist ablesbar an der Tatsache, dass der Brief vom 29. April datiert sein soll. Generalabrechnend gehen Thomas Wiese, Axel Hefer und Andreas Horn mit dem Clubchef um, was in der Formulierung gipfelt: “„Sie machen etwas, das Sie nicht können, und schaden damit unserem Verein“.

Das ist hart (Der neue Sportvorstand Christian Heidel, seit vier Wochen Neu-Schalker aus Mainz, wird: „Wo bin ich hier nur reingeraten?“). Es macht mich aber neugierig auf den Ausgang der Mitgliederversammlung und die da anstehenden Wahlen. Und das völlig farbneutral, denn Thomas Wiese weiß ja, dass ich schwarzgelb bis auf die Knochen bin.

Schalke überrascht mich nicht: Alles bleibt beim Alten. Mit 5367 Stimmen wurde er als Aufsichtsrat bestätigt. BILD stellt fest: “Die Rebellion der Tönnies-Gegner Axel Hefer (39), Dr. Andreas Horn (53) und Thomas Wiese (49) gegen den Fleisch-Fabrikanten ist grandios gescheitert!”

2 comments for “Aluwerk-Chef Thomas Wiese macht kräftige Opposition beim FC Schalke 04 – Kurz: “Tönnies kann’s nicht!” Aber: Tönnies kann’s offenbar doch und ist als Aufsichtsratschef wiedergewählt

  1. klaus stahl
    26. Juni 2016 at 08:56

    WIESE HAU EINFACH AB UND LAS SCHALKE IN RUHE

    • 26. Juni 2016 at 10:29

      Ein wenig höflicher wäre mir es lieber. Und Achtung – i c h bin hier “Herr der Umgangsformen”! Fans kriegen das auch ohne Schreien hin.

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