Ciao Hartmut, signor direttore

Unna. Es war doch gestern. Das Hoffmann’s Comic Teater, kurz HCT genannt, war gerade als frisch arbeitsloses Kinder-Theater aus Dortmund von Männern namens Klaus Dunker, Helmut Eichhorst, Werner Kern und Wilfried Bartmann nach Unna geholt worden. Mit dem Auftauchen dieses Kreativ-Pools begann die stilprägendste Phase der Unnaer Kultur- und Jugendarbeit, die noch heute lange Schatten wirft. Damals kamen mit dem HCT-Ensemble Umfeld-Akteure aus Dortmund, die nicht zum Altkern des ursprünglich in Franken als Hinterhoftheater gegründeten HCT gehörten. Einer von ihnen war Hartmut Hoffmeister, genialer Sozialpädagoge, visionierender Jugendarbeiter, später überschäumender Zirkusdirektor beim Kinderzirkus “Travados”.

Es ist so ein wenig wie mit Bob Dylan, der gestern 75 Jahre alt wurde. Er war doch immer da. Ja, Hartmut war auch immer da. Nun sind er und Doro Preuß Rentner, wurden zirzensich im Chapiteau es “Travados” verabschiedet. Wieder einmal eine Gelegenheit, mich an meine eigene Endlichkeit zu erinnern. Aber das hat noch Zeit, woll, Hartmut. Aber wie verflogen ist die Zeit zwischen unserer ersten Begegnung und eurer Schlüsselübergabe an nachfolgende Generationen schon, oder?

Vor dem Abenteuer, als kulutur- und jugendpolitische Wegweiser-Stadt sich neben einem eigenen Teater auch noch einen Kinder-Zirkus zu leisten, standen aber noch Regularien. Ein Trägerverein musste gegründet werden. “Bemposta” sollte er heißen. Dessen Corporate Design (damals noch Grafik genannt) war vom künstlerischen Duktus verwechselbar mit der Art vom HCT, von Peter Möbius. “Bemposta” gibt es nach wie vor, sein Name ist zwar immer noch auf Google Seite 1 direkt bei “Travados” zu finden, aber seine Bedeutung in den Hintergrund gerückt.

Dafür begannen “Travados” und Hartmut Hoffmeister einen schier unaufhaltsamen Aufstieg. Innerhalb weniger Jahre wurde aus dem Experiment, eine Zirkus-Legende. Der “Direktor” geriet immer mehr zur Realität einer Szene, die recht abgeschlossen erschien, sich für Hartmut indes zunehmend gern öffnete. Gerd Siemoneit-Barum wurde sein Freund, die artistischen Attraktionen wurden atemberaubender das allsommerlich im Schweiße der Crew aufgebaute Zelt wurde gegen den Festbau getauscht. Nur München kann mit dem Festbau von Krone Ähnliches aufweisen.

“Travados” ist längst ein Botschafter der Stadt wie das Zentrum für internationale Lichtkunst – zwei vollkommen unterschiedliche Sprößlinge einer Wurzel, die aus Unnas unvergleichlicher Kulturarbeit von einst wuchsen. Hartmut Hoffmeister, Doro Preuß, sie schufen ein Denkmal, sie waren gleichstarke Motoren eines Modells, das der Stadt zusätzlichen Wert verlieh. Beiden muss Unna Dank sagen, für eine große Arbeit: Mit Artisten unter der Zirkuskuppel – nie ratlos.

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