Drama um Diego: Wenn Helfer beherzt zupacken, werden sie zu schnell zu Rettern

Ende gut, alles gut  – und Diego hat den Schrecken schon längst wieder vergessen, v.l.: Susanne Smajewski, Ele Frommholz, Stephanie Geyer mit Diego (7 J.), Elen Loftsalis und Sven Schäfers.  - Foto: Peter Gräber

Ende gut, alles gut – und Diego hat den Schrecken schon längst wieder vergessen, v.l.: Susanne Smajewski, Ele Frommholz, Stephanie Geyer mit Diego (7 J.), Elen Loftsalis und Sven Schäfers. – Foto: Peter Gräber


von Peter Gräber

Unna/Holzwickede. Sven Schäfers und Diego, ein sieben Jahre alter Schäferhund, sind ein Herz und eine Seele. Der Hund gehört zwar seiner Schwester Stephanie Geyer. Doch Sven Schäfers hat Diego mit großgezogen und ist gerne und oft mit ihm unterwegs, wenn seine Schwester sich nicht selbst um ihren Hund kümmern kann. Am Donnerstag dieser Woche waren Sven Schäfers und seine Freundin Elen gegen Mittag wieder einmal mit Diego unterwegs, als passierte, was wohl der Albtraum aller Hundehalter ist:

„Ich wollte Diego nachmittags zu meiner Schwester zurückbringen“, erzählt Sven Schäfers. „Vorher wollte ich aber noch einmal Gassi mit ihm gehen, damit meine Schwester das nicht mehr machen muss.“ Natürlich war auch Diegos Lieblingsspielzeug, einen Kong, mit dabei. Für Nicht-Hundehalter: Ein Kong ist ein Vollgummiball mit einem Loch in der Mitte. „Diego apportiert sehr gerne und er hatte mir gerade seinen Kong zurückgebracht, als er vor dem Ablegen noch einmal danach schnappte“, meint Sven Schäfers. „Dabei hat sich wohl verschluckt und der Kong steckte in seinem Hals.“

Spielball im Rachen hat nur kleines Loch zum Atmen

Sofort fing Diego an zu würgen und er versuchte, mit den Vorderpfoten den Kong aus seinem Rachen zu bringen. „Aber der Ball steckte zu tief“, erinnert sich Schäfers mit Schaudern. Weil er nicht mehr richtig Luft bekam, wehrte sich Diego immer heftiger, er bekam auch Schaum vor sein Maul. Sven Schäfers und auch seine Freundin versuchten verzweifelt den Fremdkörper aus dem Hals des Hundes zu entfernen, wurden natürlich dabei auch von dem panischen Hund gebissen – doch der Kong steckte einfach zu tief und zu fest.

Das Lieblingsspielzeug aller Hunde: ein Kong. An einem Spielball diesen Typs wäre Diego fast erstickt.

Das Lieblingsspielzeug aller Hunde: ein Kong. An einem Spielball diesen Typs wäre Diego fast erstickt.


Während Sven Schäfers weiter versuchte den Ball aus dem Schlund des Hundes zu lösen, lief seine Freundin los, um ihr Auto zu holen und von unterwegs einen Tierarzt zu erreichen. Unterdessen bekam Diego immer schlechter Luft bis er schließlich sogar zusammenbrach. „Erst da habe ich gemerkt, dass sich der Ball in seinem Hals so verdreht hatte, dass das Loch im Ball nicht mehr über der Luftröhre saß“, meint Sven Schäfers. „Also habe ich den Ball solange gedreht, bis das Loch sichtbar wurde und Diego wieder etwas mehr Luft bekam.“

In zwischen waren auch andere Hundehalter auf das Geschehen aufmerksam geworden und versuchten zu helfen. Susanne Smajewski, die von ihrem Mann aufmerksam gemacht wurde, eilte von zu Hause mit einer Grillzange herbei. „Leider hat es nicht funktioniert, den Ball damit herauszubekommen“, meint sie. „Aber immerhin konnten wir mit der Zange den Ball so drehen, dass der Hund etwas leichter atmen konnte. Nur gut, dass der Kong ein Loch hatte. An einem Tennisball wäre der Hund erstickt“, ist sie sicher.

Helferin eilt mit Grillzange herbei

Genau in diesem Moment kam zufällig Ele Frommholz mit ihrem Fahrschulwagen vorbei. Die Fahrlehrerin der Fahrschule Hornkamp ist selbst Hundehalterin. „Zuerst habe ich gedacht, da sei ein Hund angefahren worden“, erzählt sie. Doch dann erkannte sie die gefährliche Situation. Statt ihre Fahrt fortzusetzen, bliebt die Fahrlehrerin vor Ort und telefonierte herum, während sich die anderen Helfer weiter um Diego bemühten.

Schließlich erreichte sie den Tierarzt Dr. Gensicke in Königsborn, der wegen der Mittagszeit allerdings nicht in seiner Praxis war. „Er versprach aber in zehn Minuten in seiner Praxis zu sein“, meint Sven Schäfers. „Wir sollten mit Diego so schnell es geht dorthin kommen.“

Weil der Fahrschulwagen von Ele Frommholz mehr Platz bot, als der Ford Sierra von Sven Schäfers, bot die Fahrlehrerin wie selbstverständlich an, Diego gemeinsam mit Sven Schäfers in die Tierarztpraxis zu fahren. „So konnte ich mit Diego hinten im Auto sitzen und immer wieder den Ball so drehen, dass er Luft durch das kleine Loch im Ball bekam.“

Fahrlehrerin bringt Diego in die Praxis

In der Praxis sedierte Dr. Gensicke den Hund zunächst nur und setzte eine Maulsperre ein, weil eine Vollnarkose mit einem Fremdkörper im Hals zu gefährlich für den Hund sei, wie der Tierarzt Sven Schäfers erklärte. Doch auch der Tierarzt bekam den Kong zunächst nicht heraus. „Schließlich hatte er keine andere Wahl und musste Diego doch noch eine Vollnarkose geben. Erst da hat er den Ball rausbekommen. Wie sehr der feststeckte, erkennt man auch daran, dass es auch in der Tierarztpraxis noch fast eine ganze Stunde gebraucht hat, bis der Kong endlich draußen war.“

So fand die schlimme Geschichte für Diego und alle anderen Beteiligten schließlich doch noch ihr Happy End. „Ich bin so froh, dass uns alle geholfen haben und es Diego wieder gut geht. Ohne diese Helfer wäre die Sache sicher nicht so gut ausgegangen“, sind Sven Schäfers und seine Schwester Stephanie Geyer besonders Susanne Smajewski und Ele Frommholz für ihre beherzte Hilfe dankbar.

In einer Facebook-Gruppe von Hundehaltern im Kreis Unna verbreitete sich die dramatische Geschichte von Diego und ihr glücklicher Ausgang am Donnerstag (20. Mai) wie ein Lauffeuer. „Es ist doch einfach schön, dass es so hilfsbereite Menschen gibt“, kommentiert Bianca Riedel, die Holzwickeder Administratorin der Gruppe, den Vorfall. „Leider ist das heute viel zu selten geworden.“

zuerst erschienen im emscherblog bei Peter Gräber

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