Karl-Heinz Albrecht – für ihn ist der anarchische Kampf für Umwelt und Natur „Ehren.Sache”


von Simone Melenk

Karl-Heinz Albrecht liebt die Natur in seiner Heimat und zeigt es ihr auch.

Karl-Heinz Albrecht liebt die Natur in seiner Heimat und zeigt es ihr auch.

Unna. Er war acht Jahre alt, da legte sich der Junge sein erstes Gemüsebeet an. Steckte es mit Weiden ab und ließ sie sprießen. Mit 18 übernahm er die Regie im großen Familiengarten, er konnte den ökologischen Unsinn nicht mehr mitansehen: „Ihr macht hier alles falsch!“ fand der Teenager. Die Eltern ließen den Sohn gewähren – der Jüngste hatte eben einen grünen Daumen. Folgerichtig wurde Karl-Heinz Albrecht ein guter Gärtner und ein engagierter Umwelt- und Naturschützer. Und heute – mit fast 80 – einer der ersten Preisträger, die NRW-Umweltminister Johannes Remmel mit der „Ehren.Sache.NRW”-Medaille auszeichnete. Eine Ehrung für Menschen, die sich ehrenamtlich wie unermüdlich für den Umwelt- und Naturschutz einsetzen.

Die Wahl fiel auf den Richtigen. Seit 40 Jahren kämpft Albrecht für den Kuckuck & Co., kümmert sich um alte Quellen und den Gewässerschutz, legt Teiche und Blenken an und organisiert seit 36 Jahren den „Tag der Weide“. Mit grünen Mitstreitern schuf er schon Anfang der 1980er-Jahre die erste Öko-Zelle, war Mitbegründer des „Vereins Heimat und Natur Mühlhausen/Uelzen“ und kann seit Jahrzehnten seine Umweltfreunde begeistern für Ideen und Aktionen. Mit dem Temperament eines Terriers – energisch, furchtlos und eigenwillig – sichert der ehemalige Ingenieur Lebensräume für Tageule, Trauerschnäpper und Teufelskralle, eroberte verschwundene, umgepflügte Feldwege zurück, hängt Nistkästen auf, hilft Kröten über die Straße oder verhandelt mit Landwirten. Dabei kann er sehr hartnäckig sein.

Seine wohl größte Leistung ist aber sicher die Aktion Landkauf, für die sich Albrecht nach wie vor die Hacken abrennt. In den Unnaer Ortsteilen Uelzen, Mühlhausen, Lünern und Hemmerde konnten in den vergangenen Jahrzehnten sage und schreibe 324 245 Quadratmeter Land erworben und der Natur zurückgegeben werden. Das entspricht immerhin einer (oft zusammen hängenden) Fläche von knapp 40 Sportplätzen – vom Rebhuhnacker oder dem Nachtigallenbruch über den Rotkehlchenhain, Spechtwald oder Cornelkamp bis zur Spatzenwiese und Kuckucksweide. Mitunter wird ein Grundstück auch zum runden Geburtstag verschenkt, jeder Stifter erhält eine Stiftungsurkunde. Die Namen aller Spender füllt längst eine DIN A4-Seite. Die Liste wird lang und länger.

Karl-Heinz Albrecht entwickelte das Landkauf-Prinzip und kämpfte sich für die Gewinnung von Naturschutzflächen auch durch den Behördendschungel. Privates Geld von Bürgern wird aufgestockt vom NABU, dem Land NRW, dem Kreis und der Stadt. Nach detaillierter Prüfung, versteht sich. Die UnnaerÖko-Aktivisten, auch schon seit Jahrzehnten ein eingeschworenes Team, wandeln den gekauften Acker dann in Wiesen um, die von Rindern oder Schafen beweidet oder gemäht werden. Mit heimischen Hecken eingerahmt, bilden die Flächen zum Teil ideale Refugien für neue Wasserflächen, für natürliche Rastplätze der ziehenden Wasser- und Watvögel. Schilf in der Röhrichtzone lockt außerdem den Teichrohrsänger. Und hat sich erst einmal der kleine „Rohrspatz“ eingenistet, ruft auch schon bald der riesengroße Kuckuck. Das weiß doch (schon fast wieder) jedes Kind…

Nur 6 bis 7 Prozent der Gewässer in Nordrhein-Westfalen seien in einem ökologisch guten Zustand, sagt NRW-Umweltminister Johannes Remmel. Deshalb seien Menschen vor Ort so unverzichtbar wie wertvoll, die auch das Wasser als Lebensader der Artenvielfalt fördern und schützen.

Karl-Heinz Albrecht ist so ein Mensch.

Karl-Heinz Albrecht ist sichtbar  stolz auff die auszeichnung durch den NRW-Umweltminister Johannes Remmel. - Fotos: Simone Melenk

Karl-Heinz Albrecht ist sichtbar stolz auff die auszeichnung durch den NRW-Umweltminister Johannes Remmel. – Fotos: Simone Melenk

So sieht Minister Remmel
des Unnaer Naturschützers Ehrenssache

„Wir reden viel über Nachhaltigkeit, sie muss aber auch gelebt werden”, sagt NRW-Umweltminister Johannes Remmel. Deshalb unterstützt das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz bürgerschaftliches Engagement.

Zum ersten Mal auch mit der Auszeichnung „Ehren.Sache.NRW – Einsatz und Engagement für Umwelt und Natur”. Sie wird an Bürgerinnen und Bürger verliehen, die sich ehrenamtlich für die Umwelt und den Natur einsetzen. Die erste Auslobung hatte den Schwerpunkt Gewässerschutz.

Karl-Heinz Albrecht aus Unna ist einer der ersten fünf Preisträger. Lob, Anerkennung und eine Medaille gab es jetzt auch für Klaus Peter Kranke (ökologische Verbesserung am Jungferngraben, Warendorf), Helmut Uphoff (Renaturierung Große Aue, Stadt Rahden), Heinz Hammans (Lebendige Gewässer, Kerken) und Heinz Rinsche (Schutzgemeinschaft Ems, Emsdetten). sim

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