Unna pflanzt Energie: 216 Mitglieder investieren 400.000 Euro in Solarstrom-Projekte

Energiegenossenschaft-BilanUnna. Erfolgsbilanz bei der ersten Generalversammlung der Unnaer Energiegenossenschaft am 10. Mai in der Stadthalle Unna: Im Gründungsjahr hat die Initiative bereits 216 Mitglieder für die Idee begeistert, gemeinsam in regenerative Energien zu investieren. 402.500 Euro sammelte „Unsere Energiegenossenschaft“ mit dem Motto „Unna pflanzt Energie“ ein. Obwohl im Rumpfgeschäftsjahr 2015 nur sieben Monate für den Aufbau zur Verfügung standen, deckten die Erträge bereits den erheblichen Gründungsaufwand.

„Sehr gut gelaufen“, so fasste Vorstandsvorsitzender Dr. Michael Rumphorst den Start zusammen. Das bestätigten die Mitglieder, die den Vorstand und Aufsichtsrat einstimmig entlasteten. Der Start war nicht einfach. Um gleich die erste Investition in eine Photovoltaik-Anlage auf einem Schulzentrum in Fürstenfeldbruck realisieren zu können, musste die Genossenschaft kurz vor den Sommerferien 2015 um Mitglieder werben. „Wir sind UNgewöhnlich“, erklärte Dr. Rumphorst: Während sich die meisten Energiegenossenschaften aus Menschen bzw. Firmen zusammensetzen, die sich vorher kannten, öffnete sich die Unnaer Initiative für alle Interessierten: „Ich finde es toll, dass so viele das Angebot angenommen haben, an der Energiewende teilzunehmen“, kommentierte der Vorstandsvorsitzende. Unnaer Unternehmer, Familien, Politiker, Bürgermeister aber auch einfache Arbeiter und Angestellte, die eine seriöse Geldanlage suchten, engagieren sich in der Genossenschaft: „Wir bieten die Möglichkeit, mit nur 500 Euro dabei zu sein, nicht nur mit dickem Geldbeutel“, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Schäpermeier.

Neben der Photovoltaik-Anlage in Bayern erntet die Genossenschaft mit einer Anlage auf dem Gebäude des Jobcenters am Unnaer Bahnhof Sonnenstrom. Die Stadtwerke haben die Anlage an die Initiative verkauft. Weitere Projekte in der Region zu realisieren, bleibt das große Ziel. Dabei gab und gibt es Hindernisse: Die Planung für einen Solarpark auf dem Gelände der einstigen Raketenstation in Holzwickede-Opherdicke scheiterten bisher am Einspruch des Regionalverbandes Ruhrgebiet. Obwohl der Bund als Eigentümer der Energiegenossenschaft in einer Ausschreibung den Zuschlag für einen Solarpark erteilte, ist der RVR dagegen: Als Naturschutzfläche soll die Raketenstation reserviert werden. Die Planungen für den Aufbau von neuen Windkraftanlagen in Unna werden vom Dortmunder Flughafen blockiert. Windräder würden das Funkfeuer des Airports stören, urteilte die Luftaufsicht. Die Genossenschaft lässt trotzdem nicht nach: Das Dach der Sporthalle an der Peter-Weiss-Gesamtschule ist als geeigneter Bauplatz für eine Solaranlage mit 50 kW Leistung ausgemacht. Und auf dem endverfüllten Teil einer Deponie in Dortmund-Grevel entsteht aktuell mit einer Investition von 2,4 Mio. Euro ein 2,4 MW-Solarpark, an dem sich die Energiegenossenschaft zur Hälfte beteiligen will. Die Mitglieder haben als erste das Recht, für diese Investition Anteile nachzuzeichnen. Neue Mitstreiter seien ebenso willkommen, warb Dr. Rumphorst.

Wie sich die Einlagen auszahlen? Eine Rendite von mindestens zwei Prozent sei weiter das Ziel, erklärte auf Nachfrage der Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Schäpermeier. Garantieren könne er das nicht: „Wir handeln gemeinsam unternehmerisch.“

Kunden der Stadtwerke Unna haben übrigens einen weiteren Vorteil, wenn sie in die Genossenschaft einsteigen: 100 Kilowattstunden Ökostrom bekommt jeder Stromkunde, der auch Mitglied der Energiegenossenschaft ist, jährlich auf einem Energiesparbuch gutgeschrieben. Diese Stromgutschrift können die Kunden am Jahresende oder später einlösen.

Für Interessenten: Unter www.unna-pflanzt-energie.de gibt es alle Informationen.

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