Familienfeier auf dem Kirchplatz, da fielen weniger angenehme Zeitgenossen kaum auf

Da muss man nichts mehr zu sagen ...

Da muss man nichts mehr zu sagen …

Unna. Ein eigentümlicher Freitag. Die Eröffnung der Frühjahrskirmes wetterleuchtete, aber die ansonsten zu diesem Anlass immer fröhliche Stimmung war unselig spürbar getrübt. Wer genau hinschaute, machte die langsam einsickernde Schar von Claqueren der AfD aus, die wild entschlossen schienen, auf dem Platz der Kulturen gehörigen Beifall ins Geviert zu zu jubeln, wenn platte Parolen übers Mikrophon laut ins sparsame Publikum gekräht wurden. Je näher die Stunde der alternativen Wahrheiten rückte, desto mehr uniformierte Präsenz füllte die Stadt. Auf dem Kirchplatz begann das bunte Unna zu zeigen, dass es die überwältigende Mehrheit in der Kulturstadt darstellt. Un es wurden minütlich mehr, die sich an dem Ort der Begegnungen zusammenfanden, um ihre solidarische Toleranz zu zeigen.

Unnas stellvertretende Bürgermeisterin Renate Nick eröffnete den Kirmestrubel, die Kinderschar blieb überschaubar, die zu den Lebkuchenherzen drängelte. Über der Stadt waberte eine Stimmung, die danach müffelte, dass Alternativen störend wirken, wenn sie ihre Ideen für Deutschland formulieren. Ich humpelte mit Wilfried Bartmann hinauf zum Markt, bei Sahi wollten wir noch was trinken, ehe wir das Marathon-Stehconvent auf den Kirchplatz bevölkerten.

Laut war’s, bunt war’s, fröhlich war’s. Oliver Kaczmarek und Hartmut Ganzke zeigten lange Anwesenheit, aber das Schönste war, es geriet je länger das Fest dauerte, es geriet zum Familienfest. Mein alter Freund Alfred Buß gesellte sich ins lebendig-bunte Getümmel. Das letzte Mal, dass wir uns bei einer solchen Gelegenheit über den Weg liefen, ist fast 40 Jahre her. Auf Unnas Altem Markt standen ein paar Jung-Nazis (geschätzt eineinhalb Dutzend) und sahen sich Hunderten von Unnaer Gegnern gegenüber, deren Stimmen ihren parolesken Blödsinn ohne jede Mühe übertönten. Seither wurde aus dem Königsborner Pfarrer erst der Superintendent, danach der Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen und heute der Pensionär mit Dauerstellung als Sprecher beim ARD “Wort zum Sonntag”.

Dirk Berger war da, das Beste, was die Westfälische Rundschau je als Reporter in ihren Reihen hatte, und wir tauschten uns über Michael Schönert, den “Schlüchti” und unsere damals niemandem von uns bekannte innige Nachbarschaft im Dortmunder Westen aus. Günni, Assi und die Wiggermanns kreuzten des Weges, es gibt eben nur schöne Begegnungen, wenn das bunte Unna (Klaus Koppenberg sei Dank) sich trifft.

Helmut Tewes und Volker König: Für die zwei war es ein Pflichttermin. - Fotos: Rudi Bernhardt

Helmut Tewes und Volker König: Für die zwei war es ein Pflichttermin. – Fotos: Rudi Bernhardt

Helmut Tewes, seine Kangoo-Kappe verkehrt herum über den schütteren Kopf gestülpt, zeigte ebenso, wohin er gehört, wie Volker König, der lieber eine Schicht am Samstag übernahm, damit er auf dem Kirchplatz dabei sein konnte. Renate Nick war gleich von dem Kirmes-Rundgang zum Fest der Begegnungen gewechselt war. Bürgermeister Werner Kolter war selbstverständlich auch anwesend. Eben ein Familienfest. Schön, bunt, fröhlich – da fielen die paar weniger angenehmen Zeitgenossen kaum auf.

Und dann sah ich Peter Potrafke wieder, GALlier der ersten Stunde. Und eine Zeitlang sogar mal freier Kollege bei der Rundschau. Das verbindet fürs Leben. Ich sag’s ja: Familienfest.

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