Landrat Michael Makiolla gab offenen Bericht zur Faktenlage im Zusammenhang mit Flüchtlingen in Kreis

Sebastian Schmidt, Ortsvereinsvorsitzender in Lünern-Stockum, rekapituliert den Bericht zu Faktenlage durch Landrat Michael Makiolla. - Foto: SPD

Sebastian Schmidt, Ortsvereinsvorsitzender in Lünern-Stockum, rekapituliert den Bericht zu Faktenlage durch Landrat Michael Makiolla. – Foto: SPD

Unna-Lünern-Stockum. Der SPD Ortsverein Lünern-Stockum hatte den Landrat des Kreises Unna Michael Makiolla am 22. März 2016 zu einer Diskussionsrunde geladen. Trotz, und gerade aufgrund der schrecklichen Ereignisse in Brüssel an diesem Tag ist ein offener Umgang mit den Sorgen und Ängsten der Bürgerinnen und Bürger besonders wichtig. Der Landrat erläuterte zu Beginn der Veranstaltung, dass er selber weniger zuständig ist für die Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge in Unna, da die Zuständigkeit dafür eher beim Bund und der Stadt liegen. Der Landrat gestand ein, dass in der Vergangenheit in der Politik aber auch in der Gesellschaft Fehler begangen worden sind, die zu den aktuellen Problemen geführt haben. „Jeder hätte es wissen müssen, was auf uns zukommt, aber alle haben es aufgrund des Dubliner Abkommens verdrängt“, beschrieb der Landrat.

Auch die Schließung der Landestelle in Unna-Massen 2009 durch die damalige Landesregierung, ohne nachvollziehbare Gründe, gehörte nach Angaben des Landrates zu diesen Fehlentscheidungen. Der lange praktizierte enorme Personalabbau in den Behörden und bei der Bundespolizei führte zu Folgen wie den langwierigen Asylverfahren, Schwierigkeiten bei der Registrierung, der Unterbringung usw.. All dies seien hausgemachte Probleme, die es nun zu lösen gilt.

In der Diskussionsrunde sollte es jedoch vorrangig um die Auswirkungen auf den Kreis Unna gehen. Der Landrat gab zu bedenken, dass dem Kreis nur 4300 Flüchtlinge fest zugewiesen werden. Dies sei lediglich 1 % der gesamten Kreisbevölkerung. „Wenn wir es während der Balkan-Kriege geschafft haben ca. 4900 fest zugewiesene Aussiedler aus dem ehemaligen Jugoslawien und weitere Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion mit viel geringeren Mitteln in den meisten Fällen gut zu integrieren, dann sollte es doch möglich sein diese aktuellen Flüchtlinge in unserer Gesellschaft aufzunehmen, denn Deutschland ist ein Einwanderungsland“, stellte der Landrat fest.

Gerade sei nur etwa ein Zehntel der in den Notunterkünften im Kreis bereitgestellten Plätze überhaupt belegt. Jedoch sei es nun eben das wichtigste die fest zugewiesenen Geflüchteten schnellstmöglich zu integrieren. In einigen Schulen im Kreisgebiet seien unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bereits sehr erfolgreich integrativ in den Schulalltag eingebunden worden. Der Landrat dankte auch allen ehrenamtlichen Helfern und Organisationen, die diese Integration sehr erleichtern und vorantreiben. Das hätte es bei vorherigen Flüchtlingskrisen so nicht gegeben. Der Landrat ist auch aus diesem Grund der festen Überzeugung, dass eine Überwindung dieser Flüchtlingskrise und eine Integration der Geflüchteten gelingen werde.

Er sieht die Zuwanderung bei richtiger Herangehensweise als eine Chance, die wir nutzen sollten. Man sehe beispielsweise in der Schullandschaft des Kreises bereits positive Effekte. Einige Schulen im Kreis, insbesondere Grundschulen, die geschlossen werden sollten können durch neue Schüler nun erhalten bleiben. Dies kommt auch unseren Kindern zugute.

Zum Ende seiner Ausführungen nahm der Landrat zur Sorge einiger Bürger über einen möglichen Anstieg der Kriminalität Stellung. Im Gesamten Kreisgebiet ist kein signifikanter Anstieg der Kriminalität in Bezug auf Flüchtlinge zu verzeichnen. Als positives Beispiel nannte der Landrat den Selmer Stadtteil Bork. Hier sei es trotz der großen Zeltstadt mit bis zu 1000 Flüchtlingen zu einer Senkung der Kriminalitätsrate um ca. 30% gekommen. Als viel bedenklicher empfindet der Landrat, und dafür bekam er viel Zuspruch von den meisten Anwesenden, die Bedrohung von rechtsextremistischen Anschlägen und Übergriffen. Hier gilt es die Augen offen zu halten. Der Kreis sei bis jetzt noch größtenteils von solchen Straftaten verschont geblieben, aber wenn man sich die Entwicklungen im Bundesgebiet anschaut, ist auch bei uns mit solchen Problemen zu rechnen. Tenor der Veranstaltung war, dass es noch einige Zeit brauchen wird bis die meisten Probleme in Bezug auf die Flüchtlingskrise gelöst sind. An diesen Lösungen wird jedoch bereits mit Hochdruck gearbeitet wird. Der Landrat konnte so den anwesenden Gästen sehr offen und ehrlich über die Lage in unserem Kreisgebiet berichten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.