Verbale Ohrfeigen für Frauke Petry von ihrem ehemaligen Gymnasiallehrer in Bergkamen

Kreis/Bergkamen. AfD-Frontfrau Frauke Petry redet viel und gern und vor allem hat sie dabei ein zerschlissenes Verhältnis zur Realität. Nach den symbolträchtig beflaggt frenetisch gefeierten Wahlerfolgen ihrer Partei machte sie plötzlich hier vor Ort Wirbel mit abfälligen Aussagen über ihre alte Gymnasial-Heimat (machte da 1995 Abitur) Bergkamen auf sich aufmerksam und beschrieb die Stadt als Beispiel für Orte, in denen die von ihr festgestellte “Ethnisierung von Gewalt schon vor dem Ankommen von Flüchtlingen in manchen Städten zu Wohngebieten geführt habe, in die sich keine Polizei mehr traue”. Die anwesenden Berichterstatter kannten Bergkamen nicht, nahmen die Aussage hin und gaben der stets lächelnden Petry die Chance – für uns leicht zu überprüfen – Unwahres und dummes Zeugs zu erzählen.

Es gab gepflegten und recht energischen Widerspruch heimischer Provenienz, an der sich auch Landrat Michael Makiolla beteiligte. Und es gab eine recht deutliche verbale Ohrfeige für das “Pampschnäuzchen” von der AfD (so taufte mein Uraltfreund Jost Krüger die schale Petry) von Heinrich Peuckmann, der sie an Bergkamener Gymnasium einst unterrichtete. Der machte sich die Mühe einen ausführlichen Post bei facebook zu veröffentlichen, der hier im Original-Wortlaut auch mal lesbar sein sollte:

“Als Lehrer sollte man nichts, schon gar nichts Negatives über seine ehemaligen Schüler kundtun. Manchmal geht es aber nicht anders, ein solcher Punkt ist nun erreicht. Frauke Petry, Vorsitzende der AfD, hat gestern in einer Pressekonferenz gesagt, dass die Ethnisierung von Gewalt schon vor dem dem Ankommen von Flüchtlingen in manchen Städten zu Wohngebieten geführt habe, in die sich keine Polizei mehr traue. Auf Nachfrage, ob sie aus eigener Anschauung solche Viertel kenne, nannte sie Bergkamen, wo sie lange gelebt hat und Schülerin unseres Gymnasiums war.

Das sei schon früher so gewesen und sei es auch heute noch. Nun gibt es in Bergkamen durchaus Viertel, in denen sich soziale Probleme zuspitzen, aber ein Viertel, in das sich die Bergkamener Polizei nicht mehr traut, gibt es wirklich nicht.

Anderen Lügenpresse vorwerfen und selber lügen, wenn es darum geht, sein verschroben undifferenziertes und verachtenswertes Welt- und Menschenbild zu begründen, ist schon schäbig. Die “Zeit” hat mich mal nach ihr gefragt und ich habe einzig gesagt, dass Frauke eine intelligente Schülerin war. Man muss da, merke ich, begrifflich genau sein, intelligent, nicht klug. Denn mit Klugheit verbindet sich Moral. Die kann ich bei ihr nicht (mehr) erkennen.

Sie hat ja auch Religionsunterricht bei uns gehabt und in diesem Unterricht spielten christliche Werte wie Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit, besonders auch Nächstenliebe, die gerade jenem zusteht, der in Not ist (zum Beispiel einem Flüchtling), eine Rolle.

Ich freue mich immer, wenn ich ehemalige Schüler treffe, wenn sie mir berichten, wie es weitergegangen ist mit ihnen. Und sie, merke ich, freuen sich auch, wenn sie mich treffen. Jemanden wie Frauke mit so einem Menschenbild und mit plumper Verdrehung der Wahrheit möchte ich denn doch nicht mehr treffen. Das widerspricht allem, für das ich (auch in meiner Literatur) stehe.”

Man kann sich vorstellen, dass der aufrechte Heinrich Peuckmann neben Zustimmung auch das erlebte, was man heute Shitstorm nennt. Wer Meinungen mancher AfD-Anhänger nicht teilt, der kann schnell merken, dass gepflegte Umgangsformen unter diesen eher mal unbekannt sind.

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