Eine Ortsvereinsversammlung in der Oberstadt, ein Herr Immerda und viele erregende Wortwechsel

Ralph Bürger ist neuer stellvertretender Vorsitzender der SPD-Oberstadt.

Ralph Bürger ist neuer stellvertretender Vorsitzender der SPD-Oberstadt.

Unna. Traditioneller Ort: SPD-Mitgliederversammlung im Saal bei Klüting an der Gerhart-Hauptmann-Straße. Mir ist warm, aber das liegt eher an meiner Erkältung, denn an Raumtemperatur oder aufgeregter Erwartung. Uwe Bastert, uralter Weggefährte und ich waren gleichschreitend angekommen. Viele schon da, selbst der unvermeidliche Ratspirat Christoph Tetzner füllte die sozialdemokratischen Reihen mit gewichtiger Anwesenheit, sehr zu meiner Verwunderung. Oh, neues Mitglied und keiner weiß es? Oder wird da interfraktionell osmotischer Austausch betrieben? Werde ich wohl gleich nachfragen müssen.

Hartmut Ganzke kam vorbei, er sollte dem Abend später informative Würze geben und den Blick aufs Landespolitische öffnen. Ihm legte ich dann nahe, die pirateske Teilenterung aufmerksam zu verfolgen. Wenig später geleiteten er und Ortsvereinsvorsitzende Ingrid Kroll den Herrn Immerda in den Gastraum, wo er durchaus commod und bestens betreut die Versammlung abwettern konnte.

Schweres Wetter herrschte im Saal allemal. Rolf Stöckel, einst Unterbezirksvorsitzender und Bundestagsabgeordneter (Für die Bundestagswahl 2009 wurde er von seiner Partei nicht wieder nominiert. – Wikipedia) hatte einen Initiativantrag vorgelegt, dem es zwar, wie Ratsmitglied Bernd Dreisbusch feststellte, an den notwendigen Unterstützungsunterschriften mangelte, was indes wg. Unterstützung des Antrages durch den Vorstand vernachlässigt wurde. Natürlich hatte er die so genannte Causa Risadelli zum Inhalt. Und Bernd Dreisbusch, der als ver.di-Funktionär zwar stets erklärtermaßen auf Arbeitnehmerseiten zu finden ist, er brachte es als erster auf den Punkt und riet daher der Versammlung zur vorläufigen Nichtbefassung. In der Fraktion sei beschlossen worden, dass die Parteien im anhängigen Rechtsstreit aufeinander zu gehen sollten. In dieser Situation durch solche Anträge Öl aufs Feuer zu gießen, halte er nicht für angebracht. Uwe Bastert schlug vor, um aus einer möglichen Nichtbefassung zu gelangen, nur zwei Absätze zu belassen und dem Antrag so seine Schärfe zu nehmen, die auch er für in den augenblicklichen Situation für kontraproduktiv halte.

Als Rolf Stöckel dann noch einmal anhob, seine Formulierungen als letztinstanzlich für sozialdemokratische Wertvorstellungen zu preisen, ging dem früheren Stadtdirektor Klaus Dunker vorübergehend die Kontenance verloren. Wer so formuliere, dem gehe es nicht darum, dabei zu helfen, die Zielrichtung “Einigung” oder “Gemeinsamkeit” einzuschlagen, sondern um Spaltung.

Schließlich wurde der vieldiskutierte Stöckel’sche Urantrag mit 26 zu 10 Stimmen abgewiesen und Uwe Basterts Vorschlag angenommen. Inzwischen war manch’ wahres Wort gefallen, manch’ überdeutliches und das eine oder andere überflüssige.

Gewählt wurde auch: Ratsmitglied Ralph Bürger wurde stellvertretender Vorsitzender des Ortsvereins und folgt damit Rolf Stöckel, dessen Rücktritt diesen Posten vakant machte. Vorsitzende Ingrid Kroll, die bereits angekündigt hatte, im Herbst bei den Neuwahlen zum Gesamtvorstand nicht mehr zur Verfügung stehen zu wollen, gab noch eine Erklärung ab. Versammlungsleiter Christian Jänig betonte mehrfach, dass Fußballinteressenten noch zu ihrem Recht kämen – es fand an diesem Abend kein Spiel mit Beteiligung einer deutschen Mannschaft statt.

Und Hartmut Ganzke trug ein emotionales Schlusswort vor. Unter anderem zitierte er – mahnend an alle Beteiligten – Erwin Grünschläger (ja, das ist der Bruder von Richard). Der habe sich unlängst öffentlich geäußert, dass es hohe Zeit sei wieder zur Sachlichkeit zurückfinden; Schluss mit den Profilneurosen!

Im Gastraum wird die Zeche bezahlt. Der Pirat sitzt froh gelaunt am Tresen, allerlei Diskussionfetzen wehen herum, selbst draußen, wo mir nun doch noch kalt wird, geht einigen Teilnehmern der Gesprächsstoff nicht aus. Stadtabwärts geht es zum Bahnhof und ich erzähle einem Begleiter auf dem Heimweg die Anekdote: Paul Breitner – von Real Madrid über Eintracht Braunschweig zum FC Bayern zurück gekehrt wurde schnell wieder Alpha-Tier in der Nationalmannschaft. Ein Trainer, dessen Name mir nicht mehr einfällt, maulte seinerzeit darob: Hoffentlich wird nie mehr einem Spieler mit solch überschaubaren Veranlagungen in unserem Nationalteam eine derart herausragende Rolle genehmigt.

Aber im Herbst sind ja Neuwahlen in der Oberstadt.

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