Begegnungen auf dem Regensburger Hauptbahnhof: Von Reisen, die deutsche Steuerhinterzieher mal unternehmen sollten

von Matthias Kampmann


Regensburg/Unna. Heute in Regensburg am Hauptbahnhof. Ich werde nach Zügen und Gleisen befragt. Ein junges kurdisches Paar aus Irak auf Englisch, daneben ein anderes mit einem Säugling, der Mann sprach nur Arabisch.

Nachdem diese Zuggeschichten geklärt sind, fragt mich die Kurdin, warum hier in Deutschland so wenige Englisch sprächen. Was soll man darauf antworten. Neulich sagte mir ein Übersetzer, dass seine deutschen Kunden sich gern einmal anmaßten, in die Arbeit seiner nativen Kollegen zu pfuschen.

Aber ok, hier, auf dem zugigen Gleis, schmeckt die Nachfrage nach Fremdsprachenkenntnissen anders. Und dann fragt sie mich, warum hier so viele so grimmig seien und so unfreundlich. Sie habe doch nichts getan und wolle nur ein wenig Hilfe, um den richtigen Bahnsteig zu erwischen. Tja, warum nur?

Es ist beschämend. Aber: Ich schäme mich nicht. Nicht wegen dieser oder für diese Leute, die unser Land von seiner besten Seite repräsentieren.

Als ich frage, wo sie herkommen, erzählt sie, dass sie 25 Tage über die Türkei, Griechenland etc. gekommen seien und nur die UNHCR und UNO-Leute irgendwie geholfen hätten. Merkwürdig, aber so langsam wird es zum Stereotyp, dass ich denke, wir sollten uns doch einmal in die Lage dieser Menschen versetzen, bevor wir motzen oder das negative Gefühl einer diffusen Fremdenangst, induziert von der gegenwärtigen Debatte, Wort werden lassen. Aber der Diskurs ist schon planiert von diesen Wortverbrechern aus der so genannten CSU oder noch anderen und paniert mit schlechten Sprachbröseln aus kafdpegida.

Ich kann mich nicht enthalten, mir so derart billigen Mist zu wünschen, dass die oft herausragend verdienenden Menschen hierzulande einmal genau jene Wege zurücklegen sollten – natürlich ohne jeden Hoeness-Bonus -, den diese Paare hinter sich gebracht haben. Im Übrigen an alle Sozialneider: Die Paare wollten nach HH und fahren wahrscheinlich jetzt noch komplett regional und müssen über fünf mal umsteigen. Kann man glatt neidisch werden, oder?

Matthias Kampmann
Matthias Kampmann wurde 1966 in Unnag geboren. ER studierte Kunstgeschichte und promovierte über Kunst im Internet. Er absolvierte zudem ein Redaktionsvolontariat beim Westfälischen Anzeiger, Hamm. Er arbeitet als freier Kunstkritiker und Kurator und ist Lehrbeauftragter für Kunstgeschichte

In den Zeiten während des Studiums Arbeit als freier Journalist unter anderem für Freitext, Westfälischer Anzeiger, Hellweger Anzeiger, Saarbrücker Zeitung, taz, Westfälische Rundschau, Positionen – Beiträge zur Neuen Musik, werkundzeit.

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