Unterirdisch, aber oberoriginell – Ein Prosit auf die „Abteilung 10“

von Simone Melenk


Unna. Hier unten, 20 Meter unter der Erde, gibt es immer einen Grund, sich für das Set zu entscheiden: lang-kurz, lang-kurz. Ach, einen nehmen wir noch…

Als von internationaler Lichtkunst noch keiner zu träumen wagte, ploppten hier die ersten Flaschen auf – zwischen Schutt und Dreck, Brauerei-Gerümpel und auf ausrangierten Plastikstühlen. Zu der Zeit boten die Unnaer Gästeführer in den alten Gewölben die ersten Besichtigungstouren an. Klar, dass sich auch schnell ein Keller mit Erinnerungen an produktive wie trinkfeste Zeiten füllte. Erst mit der Lichtkunst-Idee und der künstlerischen Ausgestaltung des unterirdischen Labyrinths hatte auch die „Abteilung 10“ einen festen Platz gefunden. Lang lang ist’s her … viel Bier und auch wieder das berühmte Lindenpils ist seitdem durch die Kehlen geflossen. Höchste Zeit, im neuen Jahr mal abzustauben und die Ecken zu fegen. Und die Wollmäuse zu jagen, die hier sonst sehr alt werden dürfen.

Von Gläserspendern und Gläserspülern

Prost: Karl-Heinz Agethen (Aggi l.) und Jörg Franke.

Prost: Karl-Heinz Agethen (Aggi l.) und Jörg Franke.


Aggi, die Unnaer Letztinstanz für eine gepflegte Trinkkultur, hatte sich die gefühlten 3000 Gläser vorgeknöpft. Verletzungsfrei bugsierte er sie nach ausgiebigem Spülgang wieder staubfrei in die Glasvitrinen. In der Kneipe wurde auch sonst viel geputzt und gewienert.

Auch neue Gläserspenden landeten im Keller und sogar eine alte Kiste Lindenpils de luxe (leider leer) tauchte auf. Aus dem Osten schaffte Karl-Heinz Schetter eine Lindenpils-Brieftasche herbei (leider auch leer!), und Bettina Dellwig stellte ihre alten Fotos von den Kellern zur Verfügung, aus einer Zeit, als hier noch keiner gewirbelt und oder auch nur irgendeine Nutzungsidee hatte.

Gästeführer Wolfgang Patzkowsky, der neuerdings auch dem Verein mit dem wohl klingenden Namen „Cerevisia Unnae Clara“ vorsteht, was ungefähr so viel bedeutet wie „Lasst uns einen heben!“, begrüßte zur Wiedereröffnung der wohl originellsten Kneipe in Unna an die 70 Gäste. 50 sind übrigens offiziell erlaubt. Die sind immer willkommen. Die „Abteilung 10“ kann für Feiern oder Firmen-Events gemietet werden: bei den Gästeführern oder direkt beim Verein Lindenbrauerei. Einfach nachfragen!

Tipp: Besuchen Sie das Zentrum für Internationale Lichtkunst einen ganzen Sonntagnachmittag lang ohne Führungen und probieren Sie in der „Abteilung 10“ ein leckeres Lindenpils. Das Angebot des Museums in Kooperation mit Unnas Gästeführern ist neu! Jeden ersten Sonntag im Monat ab 12 Uhr geht’s allein durch die Lichtkunst, ab 13 Uhr wird in der „Abteilung 10“ gezapft. Letzter Einlass ist um 16.15 Uhr.

  • Auch John Jaspers (m.), Leiter des Zentrums für internationale Lichtkunst, lässt sich ein Lindenbier schmecken.
  • Antiquität: Lindenpils im Original-Holzkasten (leider leer…)
  • Wolfgang Patzkowsky (Patze) mit Bürgermeister Werner Kolter.
  • Auch die Künstler Frauke und Dietmar Nowodworski haben Spaß im Keller…Rechts Bernd Ungermann, in Fußballerkreisen besser bekannt als „Fruchtzwerg“

Alle Fotos von Simone Melenk

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