Von Flüchtlingen, üblen Bildern und der Schnelllebigkeit des Netzes

Unna-Massen. Das worldwide Netz ist einfach bisweilen zu schnell. Nächtens quillt die Aufregung über jeden sich bietenden Tellerrand, dessen Grenzlagen ansonsten gern mal nicht wahrgenommen werden, BILD berichtet – völlig sauber recherchiert – dass in Massens Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge ein Syrer festgenommen worden sei, der unter dem Verdacht stünde, IS-Kontakte zu pflegen und nun ermittelt werde, ob Verdächtigungen gegen ihn weiteren Untersuchungen Stand hielten. Sogleich beben die Social Medias, lokale Websites geraten in Wallung, Massens Ortsvorsteher lässt sich mit den Aussagen zitieren: Im Übrigen, so der Ortsvorsteher, müsse zwangsläufig damit gerechnet werden, dass unter den Flüchtlingen IS-Leute oder zumindest Sympathisanten seien. „Wenn 800.000 Flüchtlinge kommen, dann liegt es doch wohl auf der Hand, dass auch IS-Anhänger in diesem Schwall die Chance nutzen, nach Deutschland zu kommen. Davor ist auch Massen nicht gefeit. Das muss man klipp und klar so feststellen.“

Inzwischen ist der Festgenommene, ein 31jähriger Syrer wieder frei, BILD hat den Aufreger wieder von der Startseite seines online-Auftrittes genommen. Die Social Medias haben sich wieder eingekriegt. Pep Guardiolas Abschied ja oder nein ist wieder wichtiger als Flüchtlinge und Mutmaßungen über Jacob. Und auch die Rechercheabteilungen der Fernsehsender haben die telefonische Dauerbelagerung eingestellt. Unna ist wieder die westfälische Mittelstadt mit vier Buchstaben, Massen deren westlicher Stadtteil, in dem seit Jahrzehnten Menschen Zuflucht finden, die aus ihren Heimatländern flohen.

Aber es bleiben die Kommentarflutwelle besorgter Bürger, ein Ortsvorsteher der sein Informationsbedürfnis zum rechten Zeitpunkt ungestillt sah und Flüchtlinge unter Generalverdacht.

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