“Café Knirps” hat nun auch einen Treffpunkt für Flüchtlinge mit Knirpsen in Massen

Unna-Massen. Das „Café Knirps“ der Evangelischen Familienbildung im Kirchenkreis Unna hat sich inzwischen an drei Standorten etabliert. Der Offene Treff für Eltern mit kleinen Kindern wird in Unna, Königsborn und Holzwickede gut angenommen. In entspannter Atmosphäre können dort neue Kontakte geknüpft und Fragen rund um die Erziehung geklärt werden, während die Kinder viele Spielmöglichkeiten und neue Freunde finden.

Ganz neu ist jetzt das „Café Knirps – International“ in Unna-Massen. Es richtet sich speziell an Flüchtlingsfamilien mit kleinen Kindern, die in der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes NRW ankommen. „Auch wenn die Flüchtlinge hier nur kurze Zeit bleiben, wollen wir sie willkommen heißen und ihnen einen netten Platz mit Spielmöglichkeiten für die Kinder und Möglichkeiten zum Austausch bieten“, berichtet Andrea Goede, Leiterin der Evangelischen Familienbildung. Es sei wichtig, ihnen Raum und Zeit in angenehmer Atmosphäre zu geben, denn während ihres Aufenthalts in Unna-Massen gäbe es keine Beschäftigung – nicht für die Erwachsenen und auch nicht für die Kinder. Da tue ein wenig Abwechslung gut.

Vor allem die Kinder finden in dem Raum reichlich Spielzeug, während ihre Eltern bei Kaffee und Tee die Gelegenheit für erste Kontakte und Antworten auf viele Alltagsfragen nutzen können. Ina Wiegandt kümmert sich da vorwiegend um die Mädchen und Jungen, während Hicham Mansouri für die Übersetzung zuständig ist. Viele Verständigungen funktionieren aber auch mit den Händen. Und die Kinder sind kreativ, wenn es ums Spielen geht. Im Gegenzug schnappt Pädagogin Ina Wiegandt auch erste arabische Wörter auf. Ihren Namen kann sie schon schreiben.

Die meisten „Café Knirps“-Besucher kommen aus Syrien, weiß Hicham Mansouri, der vor 22 Jahren aus Marokko kam. So zum Beispiel auch die 37-jährige Ratiba, die heute mit ihren Töchtern und der Nichte im „Café Knirps“ ist. Ihre Flucht mit Mann und fünf Kindern begann 2013. Von Syrien ging es in die Türkei. Hier lebte die Familie gut zwei Jahre in einem Zeltlager. Das seien katastrophale Zustände gewesen, schlechte sanitäre Anlagen und kein fließend Wasser. Mit einem Schlauchboot gelang der Familie dann die Flucht auf eine griechische Insel.

Fünf Stunden habe die Überfahrt gedauert, erzählt Ratiba. Mit dabei hatte sie auch ihre 14-jährige Nichte, deren Eltern noch immer im türkischen Zeltlager sind. Auch der Mann ihrer Tochter ist noch in der Türkei. Dass Familien auseinander gerissen werden, sei ganz normal, denn die Tore des türkischen Zeltlagers würden sich immer nur für kurze Zeit öffnen und dann wieder schließen. Da bleiben dann nicht immer alle zusammen, weiß Hicham Mansouri zu berichten. Er hat schon viele dieser Geschichten gehört.

Im „Café Knirps“ ist Zeit über das Erlebte zu sprechen, aber auch einen ersten Blick in die Zukunft zu richten. Mit jeder Minute werden die Eltern gesprächiger, sind neugierig und haben Fragen. Wie es denn jetzt weitergehe? Wo und wann sie Sprachkurse besuchen könnten, wollen sie wissen. Ein Zurück nach Syrien schließen Ratiba und ihre Töchter aus. Da sei alles zerstört – kein Haus, keine Arbeit und keine Zukunftsperspektive. Sie seien froh, es nach Deutschland geschafft zu haben und freuen sich jetzt auf einen neuen Lebensabschnitt.

Info:

Das „Café Knirps – International“ hat immer donnerstags von 16 bis 18 Uhr geöffnet. Treffpunkt ist der Kindergarten Haus Nr. 20, Lippestraße 20, in Unna-Massen. Am 17. Dezember öffnet das Café ein letztes Mal in diesem Jahr, ab dem 14. Januar geht es dann in 2016 weiter.

Beitragsbild: Im „Café Knirps – International“ ist Zeit zum Spielen, während die Erwachsenen am Tisch plaudern können. – Foto: Evangelischer Kirchenkreis Unna

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