9. November am Gedenkstein: Werner Kolter legt den Kranz der Stadt Unna nieder

Rabbinerin Natalia Verzhbovska sprach über das moder, liberale Sein als Mensch jüdischen Glaubens. Nach vorn gerichtete Worte, die eine weltoffene Art des jüdischen Denkens spiegeln. - Foto: Sebastian Schmidt

Rabbinerin Natalia Verzhbovska sprach über das moder, liberale Sein als Mensch jüdischen Glaubens. Nach vorn gerichtete Worte, die eine weltoffene Art des jüdischen Denkens spiegeln. – Foto: Sebastian Schmidt

Unna. 9. November 1938, das war der Tag, an dem die Nazis ihre staatlich erwünschte Hatz auf Menschen jüdischer Konfession brennend begannen. Es war der Tag, an dem Nachbarn, Kollegen, Freunde zu Freiwild erklärt wurden, Hunderte getötet wurden, kurz darauf Zehntausende in die Todeslager verschleppt wurden, Häuser, Geschäfte und Gotteshäuser brannten. Es war der Tag, an dem in jeder Stadt, in jeder Region des Landes Menschen aus diesen Städten und aus diesen Regionen beifällig, gar gröhlend vor Begeisterung dabei standen, wie Deutschland völlig von Sinnen geriet. An jedem 9. November eines Jahres ist der einst auf Betreiben des damaligen Bürgermeisters Wilhelm Dördelmann errichtete Gedenkstein an der Ecke Beethovenring/Massener Straße, direkt vor dem Gelände des historischen jüdischen Friedhofes Schauplatz des Unnaer Gedenkens.

Hier sei nur der Text zitiert, der auf der Website der Unnaer SPD zu lesen steht. Ein näheres Eingehen auf geschmacksferne Details des Abends verbietet mir der tiefe Respekt vor dem Tag und seiner nie enden sollenden Symbolik:

Es ist an jedem 9. November eines Jahres ein Innehalten. Das Gedenken an die Reichspogromnacht, mit der das Naziregime auch in Unna die unmenschliche und rücksichtslose Verfolgung von Mitbürgern jüdischer Konfession einleitete, gab auch an diesem Montag Anlass, dem Gedenken, dem Nachdenken und Überdenken Raum und Ruhe zu geben. Um Unnas Bürgermeister, der wie stets in der Vergangenheit den Kranz für unsere Stadt am Gedenkstein niederlegte, hatten sich Vertreter der politischen Parteien, Bürgerinnen und Bürger geschart, um an den Tag zu erinnern, der nie vernarbende Wunden in die deutsche Geschichte riss.

An der Ecke Beethovenring/Massener Straße waren alle Anwesenden vor dem Gelände des jüdischen Friedhofes bereit zum Innehalten. Bereit, aus dem Gedenken Gedanken an eine konstruktive Zukunft des Miteinanders zu entwickeln. Parteipolitische Interessen hatten Pause, Gedenken will ein Klima, das Gedanken nicht stört. Nicht von Ungefähr sprach Rabbinerin Natalia Verzhbovska über das “Liberale Judentum”, eine der Moderne, eine der Zukunft und der Weltoffenheit zugewandte Denkweise und Form des gelebten Glaubens.

Alle, die im Stillen daheim oder unterwegs und alle, die am Gedenkstein sich die Zeit für Gedanken an das, was vor 77 Jahren geschah, nahmen, bildeten den wohltuenden Kontrast zu manchen, die selbst an einem solchen Tag Inhalte durch die Straßen trugen, deren Nähe zu dem, was der Tag symbolisiert, auffällig ist.

Beitragsbild: Nach den Kranzniederlegung von links – Rabbinerin Natalia Verzhbovska, Bürgermeister Werner Kolter, seine Vertreterin Renate Nick, Vize-Landrat Martin Wiggermann, Alexandra Khariakova von der jüdischen Gemeinde Unna und Superintendent Hans Martin Böcker. – Foto: Sebastian Schmidt

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