Almost Daily Soap: Obacht, die Narren nahen!

Piraten-SchiffUnna. Es gibt ja Städte, wie Köln, Münster, Mainz oder selbst das Alt trinkende Düsseldorf, die fiebern alle Jahre diversen Terminen entgegen. Die haben dann mit dem Begriff Karneval zu tun und damit, dass kalenderbefohlen allgemeine Ausgelassenheit durch die Straßen zieht. Es kommt noch …!

Karneval heißt das im Norden, wo manche Landstriche das Treiben der Narren-Stämme mehr belächeln als zum Mitmachen angeregt werden. Fasching nennen es die Bayern, die eigentlich keinen Termin für diese Jahreszeit benötigen, weil sie stets Komiker von Rang in der Öffentlichkeit haben, Seehofer, Dobrindt oder wirkliche Meister ihres Fachs wie Michael Mittermaier. Fasnet, Fassenacht oder ähnlich taufen andere Stämme ihre Art, den Belzebub auszutreiben – sie versuchen es alle Jahre aufs Neue, aber dann kommt doch wieder so ein badisch-alemannischer Teufel ums Eck.

Während die süddeutschen Narren mit ihrer Bezeichnung ziemlich eindeutig auf die Tatsache hinweisen, dass sich mit der Narrenzeit die des baldigen Fastens ankündigt, gibt es beim Begriff Karneval von jeher deutungshoheitliche Zwistigkeiten: Ob dieses Karneval nun von carne vale (Fleisch adé) hergeleitet werden müsse oder eher dem ebenfalls lateinophonen carrus navalisentstamme (Schiffs-Karren, der zu Römertagen namentlich in den Rheinprovinzen bejubelt durch die Straßen gezogen worden sein soll), man weiß es nicht.

Ist auch egal, Hauptsache Ihr habt Spaß – ach nee, das war ja eher für ipad und Co. erdacht. Geduld, kommt noch.

Unter den närrischen Stämmen findet sich aber ein kleines, gutes, unerschütterlich positiv gestimmtes westfälisches Städtchen fern vom Wasser mit Namen Unna, das der fünften Jahreszeit unbeirrt seit Jahrzehnten seinen Tribut zollt, indem es lange Jahre den kleinsten Umzug der Welt (bestehend aus einem Mann mit Motto-Handwagen nebst ihn feiernder Begleitung) den bundesweiten Medien anbieten konnte. Und auch am 11.11.2015 beginnt in Unna wieder diese fünfte Jahreszeit, und mit wem, mit Helmut Scherer. Er übernimmt als längst hochpopulärer “Unnaer Karnevalist Helmut Scherer” bereits zum 60. Mal die Regentschaft im Unnaer Rathaus.

Um 10.15 Uhr macht er sich vom Lindenplatz aus mit seinen beiden Zeremonienmeistern und seinem Gefolge auf den Weg Richtung Rathaus. Im Ratssaal des Rathauses wird er dann ab 11.11 Uhr nicht nur verkünden, wer der neue Ritter seines Ordens für die kommende Karnevalszeit sein wird, sondern dem Auserwählten auch die Insignien, bestehend aus einer übergroßen Schmuck-Urkunde, der passenden Kopfbedeckung und einem Orden, überreichen.

Kommt gleich …

Auch das neue Kinderprinzenpaar wird dort seinen ersten offiziellen Auftritt haben. Die beiden führen dann an Weiberfastnacht (4. Februar 2016) den Kinderkarnevalszug an. Hierfür steckt Scherer bereits mitten in den Vorbereitungen und wird am 11.11. auch das Motto des Zuges bekannt geben.

Nicht, dass ich vergäße es zu erwähnen: Unser aller Helmut hat das närrische Virus nicht mehr so ganz allein in sich. Es breitet sich hartnäckig im politischen Raum aus. Und da wären wir wieder bei dem carrus navalis. Neue Narren-Generationen sind auch gern auf Schiffen unterwegs. Bisweilen kapern sie auch die anderer. Manchmal werden sie auch selbst gekapert. Dann und wann wähnen sie ihre Gedankengüter gekapert. Das kann schon geschehen, wenn der Piraten-Kapitän meint, dass erst mit seinem Erscheinen auf der politischen Bühne überhaupt ein Kurs für die Planung in der Stadt gesetzt wurde. Dann werden gern mal alte Kamellen für zu entdeckendes Neuland, vielleicht gar Neufundland gehalten, oder Festland, das schon von den Wikingern kurzfristig erobert waren.

Wie auch immer. Helmut Scherer, der seit 60 Jahren dann und wann treffend der Stadt den Narrenspiegel vorgehalten hat, muss sich um Nachwuchs keine Sorgen machen. Genauso wenig wie um thematische Vorlagen oder den mählichen Humorverlust seiner Follower.

Darauf ein saftiges: Tätä, Tätä, Tätä, Bumm, Bumm!

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