Traurige Nachricht: Rudi Schlabach lebt nicht mehr

Unna/Hude. Eine sehr traurige Nachricht erreichte mich heute: Rudi Schlabach, ein guter, alter Freunde aus ganz frühen Unnaer Tagen, ist am Montag im Alter von 91 Jahren gestorben. Der Geest-Verlag, sein Verlag, schreibt spürbar betroffen auf seiner Website: “In großer Trauer nehmen wir Abschied von unserem Autor Rudolf Schlabach, der am Montag, den 26. Oktober 2015 nach langer, schwerer Krankheit verstarb. Das Erscheinen seines letzten Bandes, ,Die Freiheit zu schreiben’, durfte er noch miterleben. Wir werden sein Ansehen und seine unendliche Schaffenskraft in würdiger Erinnerung behalten.” Und wenn man das Motto des Geest-Verlages liest, weiß man, warum Rudi Schlabach ihn wählte, um seine Bücher zu verlegen: “Unpolitisch sein heißt politisch sein, ohne es zu merken.” (Rosa Luxemburg)

Rudolf Schlabach war aber nicht nur ein Autor, wenn auch das seine Leidenschaft war und bis zu seinem Tode blieb. Er war ebenso leidenschaftlicher Pädagoge, als solcher Gründungsdirektor des Geschwister-Scholl-Gymnasiums, er war lebenslang Lernender, auch als Lehrender. Tief geprägt nach den Erlebnissen aus der Zeit des dumpfen Nazi-Terrors und den Kriegszeiten bei der Marine war er Sozialdemokrat bis zur Knochenhaut, obwohl ihm manche befreundeten Zeitgenossen gern seinen bildungsbürgerlichen Hintergrund vorhielten, wie das auch gern mal sein Altbürgermeister Erich Göpfert auf lästerliche Weise tat. Rudi blieb seinem Freund aber da nichts schuldig, denn er wusste wie er dem “Genossen Erich” zu antworten hatte. Und eines wussten nur wenige Vertraute: Rudi Schlabach kannte jedes einschlägige Arbeiterlied textsicher auswendig, was mit ihm nur noch Otto Mehrke und Erich Standop schafften.

Für Rudi, der viele Beiträge für die legendäre Hörspielreihe “Papa, Charly hat gesagt …” verfasste, der das Hörspiel als solches liebte und viele dieses Genres schrieb, der lesenswerte Novellen veröffentlichte – zuletzt noch “Undine lebt” – für ihn war sein vorpensionärer Hauptberuf von besonderer Bedeutung. Jungen Menschen Bildung zu geben, sie dorthin zu prägen, dass sie Literatur gern lasen, sie als Grundnahrungsmittel erlebten, sie durch solche Prägungen resistent zu machen für das, was er selbst zur Nazi-Zeit erfuhr – dass die menschenunwürdige Herrschaft einer blindideologischen Partei mehrheits- und gesellschaftlich hoffähig werden konnte – das war sein Berufsziel.

So war es beinahe folgerichtig, dass sich Rudi Schlabach sich darum bemühte, neben seinen pädagogischen Aufgaben und seiner Leidenschaft als Autor auch noch darum bemühte Ratsmitglied in seiner Stadt zu werden, Kommunalpolitiker zu werden. Es gelang ihm 1975, und er gehörte dem Rat Unnas bis 1984 an. Bisweilen wurde er zwar aufgezogen, weil er manchen seiner Fraktionskollegen zu feingeistig erschien, aber stets geachtet und respektiert, weil er auch da pädagogisch vorging. Und er zeigte ohne erkennbare Hybris, dass er sehr wohl wusste, wovor er in Fraktion und Rat berichtete.

Als er dann Pensionär wurde, zog es ihn nach Hude nahe Oldenburg. Er lebte und schrieb, und schrieb, ließ nur handverlesen alte Bekannte an sich und seiner offenkundig Kreativitäts fördernden Umgebung teilhaben und war fern der märkischen Heimat ein glücklicher Mensch. Es bleibt viel von ihm, was Nachgeborene lesen sollten, es bleibt viel von ihm, was er Lernende lehrte, und es bleibt viel von Rudi Schlabach, was Weggefährten in Rat und Rathaus erinnern. Mach’s gut!

Ein wunderschönes Gedicht stellt der Geest-Verlag auf seine Website, mit der Trauernachricht von Rudolf Schlabachs Ableben. Es begleitet sein Bild, auf dem jeder, der ihn kannte, erkennt:

Sachlicher Befund Der letzte Zug ist abgefahren, im Bahnhof geh’n die Lichter aus. Wie reisedurstig wir noch waren! Wir schleppen uns nun müd’ nach Haus. Es zählt zum Faktum später Jahre, gut zu verstehen das Wort Bahre. Das Leben, oh, es war doch schön trotz allem, was nicht wirklich rund. Unangebracht ist das Gestöhn. Wehrt eurem so schlau-dreisten Mund! Auf jedem Friedhof kann man lesen: Ins Jenseits muss, wer Mensch gewesen. - Foto:  Geest-Verlag

Sachlicher Befund
Der letzte Zug ist abgefahren,
im Bahnhof geh’n die Lichter aus.
Wie reisedurstig wir noch waren!
Wir schleppen uns nun müd’ nach Haus.
Es zählt zum Faktum später Jahre,
gut zu verstehen das Wort Bahre.
Das Leben, oh, es war doch schön
trotz allem, was nicht wirklich rund.
Unangebracht ist das Gestöhn.
Wehrt eurem so schlau-dreisten Mund!
Auf jedem Friedhof kann man lesen:
Ins Jenseits muss, wer Mensch gewesen. – Foto: Geest-Verlag

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