Von Menschen im Werkstatt-Berufskolleg (VIII): Moayad, der als Kurde in Syrien vom Kriegs-Terror weg wollte


das Gespräch führte das Werkstatt-Berufskolleg


Moayad kommt aus dem kurdischen Teil Syriens. Er floh allein und kurz bevor der IS seine Heimatstadt Kamischli überfiel. Er ist seit 1 Jahr in Deutschland und spricht passables Deutsch.

„Ich kam nach Deutschland wegen des Krieges, ich habe 11 Jahre Schule hinter mir und musste 1 Jahr vor meinem Abitur fliehen, weil ich sonst von einer der beiden Kriegsparteien für den Kampf an der Waffe rekrutiert worden wäre.

Ich bin im kurdischen Teil Syriens geboren, in der Stadt Kamischli, PKK und IS haben hier im Straßenkampf um die Vorherrschaft gekämpft, ich habe Bomben und Schüsse mitbekommen, für meine Familie war kein Geld da, deshalb sind sie dort geblieben und haben im Häuserkampf mit dem IS mitgekämpft. Im Augenblick haben die Kurden die Stadt zurückerobert, ich habe regelmäßig Kontakt mit meiner Familie. Es geht ihnen nicht gut, aber sie haben überlebt.

Ich kam über die Türkei, Bulgarien und Österreich zu Fuß und per Auto nach Deutschland. Ich glaube nicht, dass ich jemals zurückkehren werde. Es ist so schrecklich in meiner Heimat. Ich möchte eine Ausbildung als Friseur machen, arbeiten und heiraten und eine Familie gründen. Leider habe ich im Augenblick keine Freunde und Familie hier und lebe ganz allein. Aber ich habe keine Sorgen, es wird alles klappen.

Deutschland ist so gut organisiert und ich weiß, wenn ich mein Deutsch verbessere, dass ich dann sehr gute Chancen als Friseur habe. Das Werkstatt-Berufskolleg hilft mir sehr gut, die deutsche Sprache zu lernen, was am wichtigsten ist. Ich lerne hier auch, wie man sich in der deutschen Gesellschaft bewegen muss. Unsere kurdischen bzw. syrischen Symbole zum Beispiel sind ganz anders als in Deutschland. Das muss man richtig lernen.

Die deutsche Ausbildung ist ganz anders und viel, viel besser als in Syrien. Hier lernt man richtig an der Berufsschule und im Betrieb. Am Ende macht man eine Prüfung und hat ein Zertifikat. Das gibt es in Syrien nicht.

Zu Hause lerne ich auch Deutsch, weil ich fernsehe und Fußball und deutsche Filme sehe. Das Lernen mit der Sprache und den Bildern im Hintergrund ist einfacher als nur am Buch oder im Radio. Deutschland ist manchmal schwer zu verstehen, aber ich bin froh, hier zu sein. Die Deutschen sind sehr nett mit mir.“

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