Almost Daily Soap: Ganz neuer Flankenschutz für den Piraten

Nein?!! Das ist mal was Neues, und der schier allzeit umtriebige Pirat Christoph Tetzner ist diesmal nicht der allein handelnde Hauptdarsteller (oder doch?) der neuesten Daily Soap. Teilmengen des größten SPD-Ortsvereins Oberstadt fühlen sich anscheinend bemüßigt, ihrerseits etwas dazu beizutragen, dass die Oper etwas elegisches Flair erhält. Die bisher pirateske Ein-Mann-Show bekam Verstärkung. “Ein Ortstermin zusammen mit SPD-Vertretern ging den Vorschlägen voraus”, so wird erläutert, wie Christoph Tetzner zu seinen Erkenntnissen über Veränderungsnotwendigkeiten im Parksystem der Innenstadt gelangte.

Nun, wer erst gar nicht über Veränderungen nachdenkt, der macht was falsch. Insofern ist an dem Verfahren, dass Christoph Tetzner nachdenkt, erstmal nichts auszusetzen. Und die Tatsache, dass in jeder Stadt alle und eigentlich jeder der Ansicht sind, dass in dieser, seiner Stadt nicht ausreichend Parkraum zur Verfügung stehe, macht den Kritiker am bestehenden Parksystem vor dem Zug sympathisch, sichert also seine Mehrheitsfähigkeit in der jeweiligen Stimmungslage.

Doch wirklich neu ist an dem Ganzen nur der Umstand, dass das alles mal wieder thematisiert wird. Weder können einen die Lösungsvorschläge aus dem Sessel hauen noch die ganze Debatte an sich. Parkraum gibt es in Unna ja nun wirklich reichlich, da würden manche Nachbarstädte neidisch. Teurer sind sie fast überall auch, das belegen Ausflüge nach Dortmund oder andere Revier-Metropolen schnell – und überzeugend für jeden einheimischen Zweifler. Und wo angeblich in der Nachbarschaft stets und ständig freie Parkplätze zur Verfügung stehen, wenn man da hin fährt, da kann man ja nur vermuten, dass dort wenig Kunden hin wollen, um einzukaufen.

Seit Jahrzehnten operieren Unnas Verantwortliche immer wieder aufs Neue an Methoden, den Parksuchverkehr aus der Innenstadt heraus zu halten. Ganz wird es nie gelingen, denn jedermensch kann offenbar nur gescheit einkaufen, wenn er direkt vor dem auserkorenen Geschäft seinen Parkplatz findet. Aber immer wieder darauf hin arbeiten, das kann man ja.

Kramen wir mal im fossilen Wissensfundus: Als Ende der 1960er Jahre der Umbau der Bahnhofstraße zur Fußgängerzone geplant wurde (Unna war übrigens die erste Stadt ihrer Größe in NRW, die so was anging), menetekelten die anrainenden Händler ihre je individuelle Pleite an ihre Hauswände und fochten heftige Kämpfe gegen dieses neumodische Zeugs – schließlich brauchten sie doch den Fahrzeugverkehr, um zu existieren. Wer ihnen fünf Jahre nach dem FuZo-Umbau vorgeschlagen hätte, das wieder rückgängig zu machen, dem wäre aber helle Empörung entgegen geschlagen.

Aber zurück zur aktuellen Erkenntnis, dass die Stadt ein neues Parksystem benötigt. Da der stadtplanende Pirat erst unlängst allen seinen Vorgängern stückwerkelnden Dilettantismus attestierte, rüttelt er nun emsig am Sachverstand derer, die sich mit Parken und innerstädtischer Verkehrslenkung beschäftigten. Und weil er auch noch in der Oberstadt heimisch ist, sich mit dem auskennt, wovon er da redet, kommt ihm der sozialdemokratische Flankenschutz gerade recht. Und es drängt sich die Vermutung auf, dass es umgekehrt nicht viel anders ist. Bis auf Ralph Bürgers durchdachte und mit erkennbarem Fleiß vorbereitete Themen sickert aus den Reihen der zitierten SPD-Vertreter, die mit dem neuen Stern am Stadtplanungs-Himmel das blitzende Parkleitsystem Oberstädter Ursprungs vorbereiteten, nichts Erhellendes.

Also, was macht man, man klaubt sich die Zuarbeit für populistische Themen aus benachbarten Parteien. Für die Daily Soap wird die schon ausreichend sachverständig sein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.