Von Menschen im Werkstatt-Berufskolleg (VI): Schinoda, der vor Radikalen floh und Angst um die zurückgebliebene Familie hat

das Gespräch führte das Werkstatt-Berufskolleg

Schinoda (Name geändert) ist 28 Jahre alt und kommt aus Ägypten, lebte dort auf dem Land und erzählt in sehr verständlichem Deutsch eine hochinteressante Geschichte.

„Mit 5 kam ich in die Grundschule, dort hatte ich 5 Jahre eine sehr schöne Zeit, 3 Jahre Mittelschule und 3 Gymnasium gaben mir schon sehr früh die Chance, für 4 Jahre an die Uni in Kairo zugehen und das Fach Sozialarbeit zu studieren. Ich habe den Bachelor abgeschlossen, konnte aber leider den Master nicht mehr machen.

Es gab in meinem Heimatort gewalttätige Konflikte zwischen den Religionen, eine radikale muslimische Gruppe wollte alle Christen zum Islam konvertieren, ich habe mich geweigert und wurde dann mit Tod bedroht.

Meine ganze Familie floh in eine andere Stadt, die Radikalen wussten aber wo wir lebten, und so sind sie uns gefolgt und haben uns weiter mit dem Tod bedroht. Ich bin allein ohne Familie nach Tiflis in Georgien geflohen, das war 2012, dort blieb ich etwa 4 Monate, versuchte mit einem Kiosk Geld zu verdienen, was nicht gelang. Ich bin nach 4 Monaten für einen Monat zurück nach Ägypten; nach 1 weiteren Monat hatte ich genug Geld von meiner Familie, konnte dann über Georgien direkt nach Deutschland, Frankfurt fliegen und habe dort meinen Asylantrag gestellt. Das Bundesamt hat mich nach Dortmund geschickt. Das war 2013.

Freunde von mir haben mir gesagt, dass das Werkstatt-Berufskolleg Unna Flüchtlinge aufnimmt. Ich bin dann hierher gekommen und wurde aufgenommen. Ich fühle mich hier sehr wohl, habe gute Kontakte mit meinen Kollegen und Freunden, spreche viel Deutsch und Arabisch. Ich arbeite 2 Tage in der Schule, mache 3 Tage Praktikum und unterstütze den Schulsozialarbeiter in der Arbeit in der Schule. Ich helfe ihm bei Verwaltungsangelegenheiten, z. B. dem Ausfüllen von Listen. Aufgrund meines Status habe ich nichts mit persönlichen Daten zu tun, aber ich lerne auf diesem Weg das deutsche Verwaltungssystem kennen.

Zu meiner Familie habe ich Kontakt, aber nicht in diesem Augenblick, weil sie ebenfalls wegen der muslimischen Radikalen ihren neuen Ort verlassen mussten. Sie wurde mit Mord bedroht. Ich hoffe, sie sind auf dem Weg in den Libanon. Ich hoffe, dass ihnen die Flucht gelingt.

Ich lebe hier mit Menschen aller Religionen zusammen und hier fühle ich mich sicher. Es gibt keine Probleme an dieser Schule und ich hoffe, es bleibt so. Ich warte schon 26 Monate beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge auf die Anhörung. Ich habe schon zweimal nachgefragt, aber ich soll warten. Das Amt hat zu wenig Mitarbeiter.”

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