Grüne Ampel: Ein repräsentatives Ehrenamt und listige Ränke(Gedanken)spiele um ihrer selbst willen

Unna. So kann man denn auch daran arbeiten, einen ebenso langen wie über alle Parteigrenzen hinweg gepflegten Konsens kaputt zu kriegen. Als die CDU verkündete, Frank-Holger Weber als Nachfolger von Holger Wiese dem Rat zur Wahl vorzuschlagen, dass der 2. stellvertretender Bürgermeister werde, kamen die Grünen aus der Deckung und erläuterten, dass sie in der Nachdenkphase seien, ob möglicherweise auch jemand aus ihren Reihen für dieses Amt antreten könnte. Der bisherige Amtsinhaber Holger Wiese hatte kürzlich seine Ratsämter niedergelegt und zurück gegeben mit der vielsagenden Begründung, dass er, wenn er dringend Stress benötige, sich den lieber in seinem Dachdeckerbetrieb hole und nicht in einer Ratsfraktion.

Nun war nach dem Beginn der Ära der hauptamtlichen Bürgermeister vertragslos die Übereinkunft vorherrschend, dass die jeweils zweitstärkste Fraktion eines Unnaer Rates den zweiten Stellvertreter des Bürgermeisters aus ihren ehrenamtlichen Reihen stellt. Einzige Ausnahme: 1999, da wählte eine zementierte Listenverbindung von Rot und Grün Wilfried Bartmann zum 1. Stellvertreter. Werner Porzybot (CDU) wurde 2. Stellvertreter. Damals übten alle noch den Umgang mit der Hauptamtlichkeit des 1. Gemeindebeamten und die SPD, zugegebenermaßen, den Umgang mit der Tatsache, dass sie diesen nicht stellte, sondern die CDU mit Volker-Wilhelm Weidner. Der und die CDU allerdings auch mit der Erkenntnis, dass Rathäuser in ihrer Gänze nicht einer Mehrheitsfraktion und auch nicht einem Bürgermeister gehören.

Ich habe es schon mehrfach erwähnt. Die Zusammenarbeit mit den GAL war mit vorzüglich nur unzureichend beschrieben, vor allem die Zuverlässigkeit der Kommunikation. Letzteres betone ich explizit.

Wenn Grüne (die GAL sind sie ja nicht mehr) sich vorher da was Gescheites überlegt haben, dann kann das ja nur ungefähr so aussehen. Alle sogenannten Kleinen (unsinnige Vokabel, klar sind das nicht so viele, sonst hätten sie ja mehr Stimmen erhalten, aber klein sind sie nicht, sondern gleichwertige Gesprächspartner), also, die zahlenmäßig geringer vertretenen müssten sich zusammenschließen und auf Abweichler aus den Reihen der beiden stärkst vertretenen Fraktionen hoffen.

Und das für eine Position, die zwar repräsentativ wichtig ist, aber nennenswert politisch eher nicht. Wenn die Amts-Enterung gelänge, wäre zumindest vorübergehend zweierlei erreicht: Die weniger starken Fraktionen könnten stolz sein auf ein errungenes Ehrenamt, sie könnten ihre eigene Aufwertung bejubeln und sie hätten der namentlich aus ihren Reihen gern fabulierten GroKo ein paar Hiebe versetzt. Ganz zu schweigen von dem Umstand, dass das abweichende Abstimmungsverhalten, das fürs Gelingen notwendig wäre, nur mäßig das allgemeine Vertrauen unter den stärkeren Ratsfraktionen heben würde.

Und worum wäre das alles dann gegangen? Um exakt genau das, was ich an der früheren GAL so schätzte, weil sie es nicht tat und nicht mochte: um listiges Ränkespiel um seiner selbst willen.

Beitragsbild: Frank-Holger Weber, er wird von der CDU als Nachfolger für den aus dem Rat geschiedenen Holger Wiese für die Wahl zum 2. Stellvertretenden Bürgermeister dem Rat vorgeschlagen. – Foto: CDU

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