Von Menschen im Werkstatt-Berufskolleg (III): Peters schwieriges Leben als Asperger Autist

das Gespräch führte das Werkstatt-Berufskolleg

Peter (Name geändert) redet mit Händen und Füßen, der Körper ist immer in Aktion. Es ist wie im Unterricht, er redet rasend schnell, zieht alle Aufmerksamkeit auf sich, durch seine Art weckt er auch Sympathie beim Zuhörer. Es bedarf nur einer Frage, dass er von sich und seinem Leben ein bisschen erzählt:

“Ich bin im Sauerland geboren. Hatte mein Leben lang Probleme mit der Schule, für meine Mutter war ich auch immer sehr anstrengend. Die Lehrer der Grundschule haben mich wieder zurück in den Kindergarten geschickt, dann bin ich wieder zur Grundschule und wieder war ich zu anstrengend und bin dort rausgeflogen. Auch in der Förderschule hatte ich wieder Probleme, weil ich anders war als alle anderen Schüler.

Ich weiß gar nicht, ob ich mich noch an alles erinnere: 4 Psychiatrieaufenthalte, 20 verschiedene Medikamente, mehrere Umzüge, mal bei Oma und dann wieder bei meiner Mutter, weitere Förderschulen mit Heimaufenthalt, und dann mit 12 erfuhr ich nach einer medizinischen Untersuchung, was ich habe: Ich bin Asperger-Autist. (Teilbereich des Autismusspektrum von der britischen Psychiaterin Lorna Wing nach dem österreichischen Kindearzt Hans Asperger benannt, der 1943 als erster über das Syndrom veröffentlichte.)

Dann kamen falsche Freunde mit Drogen dazu, ich wurde kriminell, war nicht zu bremsen, bin dann aus Förderschule wieder entlassen worden. Dann habe ich die Schule wieder einmal nur wenig besucht und den Abschluss nicht geschafft, 536 Fehlstunden.

Dann kam ich durch die Arbeitsagentur zur Werkstatt im Kreis Unna in die Berufsvorbereitungsmaßnahme und damit in das Werkstatt-Berufskolleg. Das erste Jahr lief wieder einmal ab wie üblich: Ich wurde auch hier wegen grober Beleidigung suspendiert, sie waren aus meiner Sicht nicht gerechtfertigt, ich bin aber erst einmal im Berufskolleg geblieben, hatte gute Zensuren bis auf die die Fächer bei den beiden Lehrern, mit denen ich noch nicht so gut klar kam.

Wieder mal war ich nicht zu bremsen, habe viel Blödsinn gebaut, u.a. mit dem Hausmeister der schule, habe gereizt reagiert, kleine Handgreiflichkeit, sehr heftig. Meine Krankheit lässt mich manchmal sehr heftig reagieren, ich habe keine Kontrolle und habe wieder beleidigt und bin dann rausgeflogen und wurde suspendiert.

Jetzt bin ich wieder hier, es ist schon schwierig, ich diskutiere zu viel mit den Lehrern, bin schon etwas empfindlich, bin laut in der Klasse und kann manchmal meinen Mund nicht halten. Das ist schon schwierig mit mir.

Meine derzeitige Wohnung ist mir gekündigt, ich stehe jetzt ziemlich unter Druck. Ich muss gleich nach Iserlohn deshalb. Es geht meistens alles zur gleichen Zeit schief. Und in solchen Zeiten ist es auch nicht immer optimal in der Schule und den Lehrern.

Ich fühle mich an der Schule eigentlich sehr wohl, weil ich eine 3. Chance bekommen habe. Die Lehrer sind sehr streng, aber die meisten sind sehr fair. Leider werde ich aufgrund meiner Geschichte oftmals eher beschuldigt als andere. Ich diskutiere zu viel. Und trotzdem versuchen die Lehrer, mir zu helfen.

Ich möchte den HSA 9 (Hauptschulabschluss) schaffen, dann in die Ausbildung gehen und dann eine richtige Ausbildung machen. Das wird noch sehr schwierig. Auch eine eigene Wohnung.

Ich will mich am Riemen reißen, manchmal rutschen mir Worte raus, die ich nicht will, ich versuche mich immer zurückzuhalten, bei den Meistern in meinen Praktika läuft es immer super. Bei Lehrern gelingt mir das nicht so gut. Aber es wird am Werkstatt-Berufskolleg Unna langsam etwas besser. Hoffentlich haben die Lehrer Verständnis dafür. Es rutscht mir aufgrund des Asperger immer wieder mal raus, ich will das nicht.”

(Die Redaktion bedankt sich sehr herzlich für die Offenheit von Peter!)

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