Gerd Heckmann will ab Jahresende kein CDU-Fraktionsvorsitzender mehr sein

Holger-Joachim Wiese - Foto: CDU

Holger-Joachim Wiese – Foto: CDU

Wer beifällig betrachtet, das nacheinander Holger Wiese die Aufgabe seines Ratssitzes ankündigte und Gerd Heckmann nicht mehr de CDU-Fraktionsvorsitzende sein möchte, weil er sich ohnehin nur als Übergangsverantwortlicher sah, dem mangelt es eindeutig am Zugang. Wer zudem noch meint, etwaige Zerfallserscheinungen in der zweitgrößten Partei wohlgefällig betrachten zu müssen, weil diese in der Vergangenheit einige durchaus prominente Abgänge zu verzeichnen hatte, dem entgeht auch etwas.

Zunächst ist es grundsätzlich bedauerlich, wenn Vertreter fundamentaler Bürgergruppen, die bereit waren, sich lokal ehrenamtlich in einem Gemeinderat zu engagieren, dieses ganz oder zu Teilen aus persönlich wohl begründeter Initiative nicht mehr bereit sind zu tun. Holger Wiese, ein ebenso bodenständiger wie erfahrener Kommunalpolitiker, Handwerksmeister und in seiner Stadt verwurzelt, ist ein Verlust. Gerd Heckmann, dessen ausgleichend ruhige Art und seine Fähigkeit zuzuhören, wenn er bei anderen Bedenkenswertes erfahren kann, seinen Mangel an Eloquenz in der Debatte ausglich, wird ebenfalls ein Verlust für die Unnaer Kommunalpolitik sein.

Was allerdings verzichtbar ist, das wäre das Vokabular, das in die aktuelle politische Diskussion Einzug hält. Groko-Verhältnisse werden beschrieben, wenn sich die Ratsparteien gemeinsam mit den Bürgermeister und der Fachverwaltung auf einen vernünftigen Weg geeinigt haben. Oppositionelle sind die, die selbstständig denkend auch andere Wege ventilieren. Abweichler sind die, die zu denen katalogisiert werden, die dem Mainstream der CDU-Parteiführung nicht folgsam hinterdrein tapsen. Alles unangemessene Begriffe. Denn wir arbeiten nicht in Berlin oder Düsseldorf, sondern nach wie vor in Unna. Und dort wie hier gelten unterschiedlich verfasste Regeln.

CDU-Vorsitzender Gerd Meyer. - Foto: CDU

CDU-Vorsitzender Gerd Meyer. – Foto: CDU

Es gab schon Fraktionsvorsitzende, die glaubten ernsthaft daran, sich einen Stadtverbandsvorstand zu leisten. Es gibt derzeit anscheinend einen Stadtverbandsvorsitzenden, der überzeugt davon ist, sich eine Fraktion leisten zu können. Beides ist grober Unfug. Denn beide Gremien haben eines gemeinsam – ein voneinander völlig unabhängiges Mandat und einen vor allem, völlig voneinander unabhängige Mandatgeber.

Carsten Morgenthal: Seine CDU-Oberstadt wollte Herausforderung, sein Herkunftsortsteil Massen, stimmte ebenfalls für eine CDU-Kandidatur. - Foto: CDU

Carsten Morgenthal: Seine CDU-Oberstadt wollte Herausforderung, sein Herkunftsortsteil Massen, stimmte ebenfalls für eine CDU-Kandidatur. – Foto: CDU

Und daher ist es schon bemerkenswert, wenn sich Gerd Meyer so eilt, zu bemerken, dass ein Fraktionsvorsitzender Carsten Morgenthal schlecht beraten sei, wenn er sich entschlösse, ein “Schiff zu lenken”, das einem anderen Kompass folge. Dabei hatte der Vorsitzende der großen Ortsunion Oberstadt doch gar nicht “hier” gerufen. Also steht im Raum: Gerd Meyer denkt … und lenkt. Und Carsten Morgenthal ist Oppositioneller oder Abweichler oder so? Oder Holger Wiese ist einer, weil er ja gedanklich auch vom Mainstream abweicht?

Ich denke mal, dass diese untauglichen Begriffe auf beide nicht zutreffen. Carsten Morgenthal ist Jurist und in der öffentlichen Verwaltung tätig. Logisch also, dass er Opposition in der kommunalen Politik nicht kennt, denn es gibt sie dort ebenso wenig wie eine Regierung. Und Holger Wiese ist als Handwerker und Unternehmer nachweislich ein vernunftbegabter Mensch. Seinem Wesen kann es nicht widersprechen, wenn “zum Wohle der Stadt und ihrer Bürger” die beiden großen Parteien mal einer Meinung sind.

Der derzeit vom Fraktions- und Stadtverbandsvorstand gepflegte Politikstil “entspreche nicht seinen Vorstellungen”, so hatte Holger Wiese seinen Rückzug aus den Ämtern kommentiert. Ob er dabei nur die punktuelle Übereinstimmmung der Meinungen in den beiden großen Fraktionen meinte?

Beitragsbild: Gerd Heckmann (links) mit Rainer Engel bei einer Ratssitzung. Foto: Rudi Bernhardt

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