Von Menschen im Werkstatt-Berufskolleg (II): Gedanken von Moussa, einem Flüchtling, und sein Dank an Deutschland, das ihn aufnahm

das Interview führte das Werkstatt-Berufskolleg

Moussa (Name verändert) ist ein Flüchtling, der eine lange Geschichte hinter sich hat und nach einigen Problemen inzwischen genau weiß, was er will. Er spricht inzwischen ein sehr verständliches Deutsch, ein bisschen Englisch und Französisch:

“Ich bin 30 Jahre alt. Ich komme aus Guinea in West-Afrika. Ich bin nach Deutschland gekommen, weil in meinem Land Krieg herrscht. Es ist ein Krieg an der Grenze zwischen Sierra-Leone mit ihren Rebellen und den Soldaten Guineas. Ich habe meine Eltern im Krieg verloren. Alle Kriegsparteien nehmen keine Rücksicht auf die Zivilbevölkerung. Mein Vater war Bauer. Die Rebellen aus Sierra Leone haben meine Eltern getötet. Ich bin alleine ohne Begleitung geflohen. Verwandte haben mich in Conacry, einer Hafenstadt in Guinea, mitgenommen. Ich durfte dort gar nichts arbeiten und lernen. Außerdem war ich ein schwieriger Junge. Wegen der Kriegserlebnisse hatte ich auch andere Probleme. Ich hatte meine Eltern verloren. Ich konnte in Guinea nicht in die Schule gehen, ich konnte nicht schreiben und lesen.
Ich wurde von Schleppern mit einem Boot bis nach Europa mitgenommen. Wer das bezahlt hat, weiß ich nicht. Ich weiß nicht, wo man mich abgesetzt hat. Ich vermute, dass es Spanien oder Portugal war. Wir sind dort in der Nacht angelandet. Ich wurde von Freunden meiner Verwandten dort abgeholt und mit dem Auto nach Düsseldorf gebracht. Das war vor etwa 13 Jahren. Ich war 16, als man mich nach Europa brachte. Ich lebte in Asylbewerberheimen, hatte die falschen „Freunde“, niemand hat mir gesagt, WIE und WAS ich machen muss. Ich hatte leider keine gute Hilfe. In diesen 13 Jahren hatte ich niemanden, der mir geholfen hat, WAS ich hier in Deutschland tun muss. In Düsseldorf habe ich Asyl beantragt und wurde in den Raum Dortmund geschickt.
Nun habe ich ein eigenes Zimmer und seitdem geht es gut. Jetzt gehe ich zur Schule. Ich habe keine falschen Freunde mehr. Zum Werkstatt-Berufskolleg Unna bin ich gekommen, weil in meinem sozialen Netzwerk Freunde sind, die mir das gesagt haben, dass man hier Deutsch lernen kann. Mit Hilfe der Caritas bin ich dann nach Unna gekommen.
Es gefällt mir im Berufskolleg sehr gut. Ich mag meine Lehrerinnen und Lehrer. Sie sind sehr freundlich, ich kann in Ruhe und kleinen Gruppen lernen. Ich bin jetzt endlich zufrieden, weil ich nicht mehr raumlaufen muss, um mich zu beschäftigen. Ich habe jetzt einen ausgefüllten Tag und kann endlich lernen. Und ich kann nun auch in den Alphabetisierungskurs des Werkstatt-Berufskollegs gehen, damit ich endlich schreiben und lesen kann. Ich lerne jetzt auch, die Deutsche Sprache richtig zu benutzen und auszusprechen.
In der Zukunft will ich eine gute Ausbildung und Bildung haben. Ich wünsche mir nur einfach gute Arbeit. Ich habe schon den Gabelstaplerschein. Ich möchte mit meinen Händen arbeiten, aber auch mit Maschinen und Computern. Außerdem läuft derzeit noch mein Asylantrag. Ich habe nur eine Duldung. Ich hoffe, dass mein Betreuer wegen der neuen Gesetze Recht hat, denn dann sind meine Chancen auf Anerkennung des Asylantrages derzeit größer geworden.”

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