SPD Lünern/Stockum schreibt allen ihren Lesern: Schluss mit Hetze – wider jede Gewalt

Den Mitgliedern des Ortsvereins Lünern/Stockum ist es endgültig zu viel geworden. Nach intensiven Diskussionen posteten sie auf facebook einen ausführlichen und ebenso ausführlich begründeten Brief, an jeden, der es zu lesen bereit ist. Vorsitzender Sebastian Schmidt will deutlich machen, wie sehr seine Freundinnen und Freunde und viele andere in der gesamten Stadt bereit sind, sich gegen hetzende und mit Unwahrheiten gespickten Posts auf unterschiedlichen Ebenen zu stellen.

Sebastian Schmidt, Ortsvereinsvorsitzenden in Lünern-Stockum. - Foto: SPD

Sebastian Schmidt, Ortsvereinsvorsitzenden in Lünern-Stockum. – Foto: SPD

Also richten die Sozialdemokraten aus Lünern und Stockum sich in Form eines direkten Schreibens an alle Leserinnen und Leser:

“Die aktuellen Auswüchse in Bezug auf die immer größer werdende Hetze und die Diskriminierung gegenüber Flüchtlingen veranlassen uns eine klare Positionierung abgeben zu wollen und zu müssen.

Wir, die Mitglieder des SPD Ortsvereins Lünern / Stockum sprechen uns mit aller Entschlossenheit gegen jegliche Form von Rassismus, Diskriminierung, rassistischer Hetze und Gewalt aus.

Jedes unserer Mitglieder muss wie auch viele andere Bürger zur Zeit mit Entsetzen verfolgen, wie die selbsternannten Retter der deutschen Kultur und dazu gehören Neonazis genauso wie rechtsradikale Hooligans und autonome Nationalisten, Flüchtlingsheime anzünden, mit Steinen und Feuerwerkskörpern die Polizei angreifen oder Menschen, die sich ihnen entgegenstellen, bedrohen. Doch auch der „Alltagsrassismus“ hat Ausmaße angenommen, die für uns nicht nur als SPD-Mitglieder sondern auch als Bürgerinnen und Bürger dieses Landes unerträglich sind. Wir sehen es als unsere Pflicht und die Pflicht aller Bürgerinnen und Bürger unserer Dörfer, unserer Stadt, unseres ganzen Landes an, sich entschieden dagegen zu positionieren und, wo es möglich ist, sich diesem Treiben entgegenzustellen. Gerade dieser vermeintliche „Alltagsrassismus“ ist es, der einige Mitbürger an die stumpfen Parolen der Rassisten glauben lässt. Liest oder hört man sich diese Parolen nur mit ein wenig Verstand an, zeigt sich sofort, welche abstrusen Gedanken meist dahinter stehen. Gerade in den öffentlichen Netzwerken werden diese stumpfen Parolen von allen Seiten heruntergebetet. Jedes Problem, und hat es noch so wenig mit Flüchtlingen zu tun, wird hier mit der Aufnahme von Flüchtlingen in Verbindung gebracht.

Auch wir in Unna sind davor nicht gefeit. Bürger aus unserer Stadt hetzen mit abstrusen Beschuldigungen in örtlichen Magazinen/Portalen/Facebook-Gruppen gegen Flüchtlinge und Asylbewerber. Leider versäumen es die Redaktionen oder Moderatoren hier Beiträge, die nahezu einen volksverhetzenden Charakter haben, konsequent zu löschen. Natürlich kann und muss über Ängste und Probleme, die mit der Vielzahl der ankommenden Flüchtlinge zu tun haben, gesprochen werden. Es muss natürlich auch die Pressefreiheit gewahrt werden, aber man muss sich als Magazin, Facebook-Gruppe oder Portal schon fragen, ob die erwähnten Kommentierungen der Meinungsbildung der Allgemeinheit noch gut tun oder ob sich dadurch ein „Tummelplatz“ für viele Nationalisten, Pegidisten und rechten Parteikadern auftut und so die Seriosität und Offenheit, die diese Magazine, Facebook-Gruppen oder Portale für sich beanspruchen, dadurch nicht abhandenkommt.

Björn Högsdal, Künstler und Poetry Slammer, brachte die Verachtung dieser Menschen gegenüber Menschen einer anderen ethnischen Herkunft, Religion oder Weltanschauung, oder sexuellen Identität mit folgenden Sätzen auf den Punkt:

„Diese Menschen sind nicht gegen „political correctness gone mad“, sie sind gegen political correctness, nicht gegen einen überzogenen Feminismus, sondern gegen Gleichberechtigung. Sie sind nicht gegen Islamisten, sie sind gegen Moslems, sie wollen nicht kriminelle Ausländer abschieben, sie wollen einfach keine Ausländer.“
http://deinespd.de/2015/01/27/das-problem-sind-arschloecher/

Wer jetzt sagt, dass aber die Politik dem doch einen Riegel vorschieben muss und man selber ja nichts tun kann, der hat in dem einen Punkt Recht, nämlich dass die Politik entschlossener gegen diese Hetze und Gewalt und mit allen ihnen zur Verfügung stehenden rechtsstaatlichen Mitteln und mit aller Härte vorgehen muss. Außerdem muss sie eine fair geregelte europaweite aber auch innerdeutsche Flüchtlingspolitik durchsetzen und die Länder und Kommunen bei der Unterbringung von Flüchtlingen bedingungslos unterstützen.

In dem zweiten Punkt jedoch, nämlich mit der Annahme, dass persönlich ja nichts getan werden kann, liegt man jedoch grundlegend falsch. Unserer Meinung nach ist es die demokratische Pflicht eines jeden Bürgers und einer jeden Bürgerin entschlossen den Menschen zu wiedersprechen, die diese Hetze wissentlich verbreiten. Dies muss sowohl öffentlich, z.B. im Internet oder auch im privaten Bereich geschehen. Die Hetze fängt in dem Moment an, in dem die Schuld an den eigenen Problemen auf die übertragen wird, die durch Krieg, Folter und Verfolgung schwächer, bzw. geschwächter sind, als man selber. Diesen traumatisierten Menschen gilt es zu helfen. Es muss nicht unbedingt finanziell oder mit Sachgütern sein. Es kann ein einfaches Gespräch oder auch einfach nur der von uns geforderte Wiederspruch gegen „rechte Propaganda“ sein. Auch das kann in der Gesellschaft zu mehr Akzeptanz und Toleranz führen und somit den Flüchtlingen helfen.

Wir, der SPD Ortsverein Lünern / Stockum, fordern deshalb jeden Demokraten auf sich dem rechten ,Terror’ wie Bedrohung, Hetze und Gewalt in jeglicher Form mit Mut und Courage entgegenzustellen und den schutzsuchenden Menschen, die in unser Land kommen, diesen Schutz physisch wie psychisch zu bieten!”

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