Sommerfraktion zeigte Enttäuschung: Handwerk zieht sich aus Qualifizierungsmaßnahmen zurück

Kreis Unna/Lünen. Eine Frage blieb zu Beginn der diesjährigen Sommerfraktion der Kreistags-SPD offen. Vorsitzende Brigitte Cziehso hatte bei der Eröffnung in die Runde aus Politik und Verwaltung gefragt, ob noch jemand wisse, wie oft man sich im Lünener Naturfreundehaus schon getroffen habe? Nicht mal die erfahrensten Fraktionsmitglieder konnten darauf eine Antwort geben. In jedem Fall hat dieses Veranstaltungsformat in der politischen Sommerpause also eine lange Tradition – und nach wie vor großen Erfolg, denn auch diesmal war der Saal des Hauses bis auf den letzten Platz gefüllt.

Eingeladen war in diesem Jahr der neue Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe Detlef Schönberger. Er war gebeten worden, sich selbst und das Angebotsspektrum der Handwerkerschaft vorzustellen. „Eine beeindruckende Leistungspalette und eine beachtliche Bilanz“, attestierte Fraktionschefin Brigitte Cziehso sowohl der Kreishandwerkerschaft als auch dem neuen Geschäftsführer nach der Präsentation.

Lediglich in einem, allerdings wesentlichen Punkt, zeigten sich die anwesenden Arbeitsmarkt- und Sozialpolitiker enttäuscht: Der Rückzug der Kreishandwerkerschaft aus den von der Arbeitsverwaltung geförderten Qualifizierungsmaßnahmen für schwächere Jugendliche, Langzeitarbeitslose und Flüchtlinge enttäuschte nicht nur Martin Wiggermann. Der stellvertretende Landrat nahm die Ankündigung von Detlef Schönberger zum Anlass, die Bedeutung solcher Maßnahmen gerade vor dem aktuellen Hintergrund hervorzuheben. Der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft hatte zuvor deutlich gemacht, dass seine Institution ihr Engagement in diesem Sektor aus wirtschaftlichen Gründen nicht weiter verfolgen könnte und die Maßnahmen zum Ende des laufenden Jahres einstelle.

Tatsächlich sind gerade qualitativ hoch stehende Angebote derzeit unterfinanziert und vor allem regionale Anbieter mit ihrer guten Kenntnis der Verhältnisse und Netzwerke vor Ort deshalb benachteiligt. Das führt im Kreis Unna dazu, dass nach dem Rückzug der Kreishandwerkerschaft mit der Werkstatt Unna lediglich ein größerer Anbieter mit lokalem und regionalem Hintergrund verbliebe. Eine Entwicklung, die sowohl das JobCenter, in Person von Geschäftsführer Uwe Ringelsiep als auch die versammelten Vertreterinnen und Vertretern der Kreispolitik auf Unverständnis stößt. Landrat Michael Makiolla bringt es auf den Punkt: „Der bundespolitische Ansatz durch breit gestreute bundesweite Ausschreibungen solche Maßnahmen zu vergeben, läuft unseren erfolgreichen Bemühungen mit regionalen Anbietern vor Ort Kompetenzen, Erfahrungen und lokale Netzwerke im Sinne der Betroffenen zu nutzen, entgegen.“ Er betont, „Die Schuld liegt also nicht bei der Kreishandwerkerschaft.“ Man habe volles Verständnis, wenn diese eine jährliche Belastung im mittleren sechsstelligen Euro-Bereich nicht mehr stemmen könne.

„Klar ist in jedem Fall, dass laufende Maßnahmen auch nach dem Jahreswechsel durch andere Anbieter weitergeführt werden“, versicherte Detlef Schönberger und hebt abschließend hervor, dass die Kreishandwerkerschaft bei der Vermittlung weiter mit großem Engagement mithelfen wird und die eigenen Kontakte in die Mitgliedsunternehmen zur Verfügung stehen werden.

Beitragsbild von links: Bürgermeister Roland Schäfer (Bergkamen), Bürgermeister Mario Löhr (Selm), KH-Hauptgeschäftsführer Detlef Schönberger, Landrat Michael Makiolla, Fraktionsvorsitzende Brigitte Cziehso, MdB Michael Thews und MdL Rainer Schmeltzer. – Foto: Wulf Erdmann

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