Klaus Koppenberg schmeißt als Grünen-Sprecher hin, Manfred Hartmann folgt ihm

Manfred Hartmann - Foto: Grüne

Manfred Hartmann – Foto: Grüne

Unna. Via facebook verbreitete Klaus Koppenberg das Ende seines aktuellen kommunalpolitischen Amtes. Er ist zusammen mit Dorothee Kuckhoff Sprecher der Bündnis-Grünen in Unna gewesen und ist mir seit (Koppi, hilf mir mal, wie lange … bestimmt 35 Jahre) und nicht nur mir immer einer der klügsten Gesprächspartner gewesen. Und ein kritischer Freund, wenn es darauf ankam, meinen Standpunkten eine konstruktive Korrektur zu verpassen. Klaus Koppenberg hat – wie man das so treffend sagt – keinen Bock mehr. Nur zählbare Stunden später schloss sich Manfred Hartmann seinem Schritt an und gab sein Vorstandsamt als Schriftführer auf. Bei der dazugehörigen Begründung verweist Manfred auf die Worte von Klaus Koppenberg, denen er sich anschließen kann.

Und der umschrieb das in digitalpraktischer Kleinschreibung über das soziale Netzwerk so: “… mein kommunalpolitisches engagement in der bisherigen form habe ich beendet. es ist interessant, dass meiner person meist eine größere wertschätzung entgegengebracht wird, als meinen ideen und inhaltlichen vorstellungen. das liegt wohl daran, dass diese schon mal ungewöhnlich sind und aus dem bekannten rahmen fallen. vielleicht sind meine erläuterungen auch nicht deutlich genug oder es ist nicht der richtige zeitpunkt solche ideen einzubringen. meine motivation, mich zu engagieren, beruht auf dem wunsch, möglichst ,win – win situationen’ aufzuspüren und zu schaffen. fast alle gesellschaftlichen auseinandersetzungen laufen jedoch nach dem ,gewinnen/verlieren muster’. der verlust des einen ist der gewinn des anderen und für die entwicklung des gemeinwohls ergibt sich ein nullsummenspiel. viele der politischen akteure haben eine erhebliche frustrations- und enttäuschungstoleranz, aber eine geringe mehrdeutigkeitstoleranz. so landet man zu häufig beim ,entweder/oder’. da ich mich nicht weiter diesem krankenden und krank machendem prinzip des ,entweder/oder’ aussetzen will, habe ich mir jetzt eine dosis distanz zur politischen auseinandersetzung verordnet … allen akteur/innen herzliche grüße, auch in namen meiner frau, euer klaus …”

Deutlich … oder? Einer, der die kommunale Politik ursprünglicher versteht, und das im wahren Wortsinne, wirft – zumindest vorübergehend wie ich hoffe – hin und legt den Zurückbleibenden etwas zum Nachdenken hin. Kommunale Politik ist wie keine andere allein am Gemeinwesen orientiert, sollte es zumindest sein. Personen der kommunalen Politik sollten wenigstens einmal im Monat und vorübergehend mal erkennen können, dass nicht sie selbst oder eine wie auch immer geartete Ideologie das Wichtigste sind, sondern die örtliche Gesellschaft, die Menschen, Bürgerinnen und Bürger. Sie, die politisch Handelnden, sollten sich nicht an dem orientieren, was sie als apodiktische Erkenntnisse ihrer jeweiligen Glaubensrichtungen ansehen, sondern im ständigen Austausch untereinander und mit den Betroffenen an sich zwangsläufig stets verändernden Realitäten.

Nein, sie dürfen sich nicht einfach jedem individuellen Bürgerwillen unterwerfen und dem folgen oder anpassen, was vermeintliche Mehrheiten oder schützenswerte Minderheiten verbreiten, das würde in ein heilloses Wirrwarr münden. Aber sie müssen zuhören, anhören, mithören und bisweilen auch mal aufhören einem bereits eingeschlagenen Weg unbeirrt zu folgen. Es ist kein Zeichen von Schwäche, etwas einmal einzusehen, wie es auch nicht von Stärke zeugt, uneinsichtig etwas gebetsmühlenartig zu wiederholen um dem unsinnigen Gesagten Nachdruck zu verleihen. Konsequenz kann auch bedeuten, dass der handelnde Mensch immer wieder konsequent neu über etwas nachzudenken vermag.

Okay, der langen Rede kurzer Sinn. Ich werte die Worte des alten Freundes Klaus, der sich nie vor seiner durch Körpergröße bedingten Verantwortung als Centerspieler im Basketball beim TuS Hemmerde drückte, wenn ich ihm einen Ball zuspielte, ich werte sie als Hinweis: Wenn er das “gewinnen/verlieren muster” in der politischen Umgebungskultur beklagt, dann beklagt er ein Handlungsprinzip, das sowohl die jeweils benutzte Ideologie, die jeweils handelnden Personen und ihre jeweilige Reputation in der Öffentlichkeit in den Mittelpunkt stellt. Und nicht den Gedanken daran, wie alle, vom betroffenen Bürger bis zu den Parteien und den sie vertretenden Gallionsfiguren zu einem – wie er es nennt – “win-win-ergebnis” gelangen können.

Die Wohlfahrt des Gemeinwesens hat den zentralen Wert, nicht persönliche und parteiliche Rechthaberei. Das war mal Grundlage, als kommunale Verantwortungsstrukturen ausgedacht wurden. Und da dort Menschen am Werk sind, sind auch gelegentlich Irrtümer nicht auszuschließen. Dann hilft nur, gemeinsam an notwendigen Korrekturen zu arbeiten. Nicht ein selbstzufriedenes: Hab’ ich doch schon immer gesagt.

Auf bald mal wieder, Koppi.

Auf bald mal wieder, Manfred.

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