Wohin führt der Weg? Schämen, für so was, nöö – ekeln!

Ich mag mich nicht schämen für diverse Politiker oder schnürgestiefelte Proleten, mir kommt es auch nicht in den Sinn fremdbestimmt eine Glühbirne zu bekommen, wenn ich lese von Parteifunktionären, deren zappeliges Alltagswenden nach nichts anderem giert, als vielleicht doch noch Stimmenfang im trübsten aller volkstümelnden Gewässer zu treiben. Mir sind auch die nicht peinlich, die dem Anwalt und Blogger Heinrich Schmitz oder der TV-Journalistin Anja Reschke mit geifernder Maulheldenschaft den volksdeutschtümelnden Respekt vor pedigistischer Meinungsfreiheitsinterpretation oder alternativdeutschem Akademiker- und Wirtschaftskastendenken beibringen wollen.

Nein, schämen würde ich mich ja für Menschen und deren Äußerungen, an denen mir etwas läge. An diesen rechtsdrehenden Fettaugen einer übersatten Gesellschaft, die selbstzufrieden auf der Ursuppe anscheinend urtoitscher Ressentimentsverliebtheit schwimmen, liegt mir nun rein gar nichts. Verachtung, Ekel – das wären zutreffendere Vokabeln.

Kaum sind 25 Jahre vergangen, dass diese Republik durch Beton und Stacheldraht geteilt war, und diese jahrzehntelang beklagte Trennung durch ein Volk, das sein Wirgefühl entdeckte, eingerissen wurde. Kaum sind 25 Jahre vergangen, dass der Begriff Flucht wie selbstverständlich positiv belegt war, weil er die Umschreibung war für eine Fortbewegung vom Totalitären hin zum Boden einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Da keimt in gewünschter Öffentlichkeit bei politprominenten sächsischen CDU-Leistungsträgern das Verständnis für ungarische Grenzzaunpläne, recken sich rechte Arme bei Demos in den Sommerhimmel und sind so weit vom Hirn entfernt, dass die Augen des Armseligen den hinter ihm stehenden Polizisten nicht ausmachen.

Den Glauben an die „Wir-sind-das-Volk-Bewegung“ von einst und, dass es doch auch heute noch deren Rudimente geben muss, gibt erhält mir ein SPIEGEL-Bericht: „Die fremdenfeindliche Haltung ihrer Landsleute erschreckt die sächsische Integrationsministerin Petra Köpping. In einem Interview sagt sie: ,Wir erleben teilweise den blanken Hass.'“

Oder es werden bundesweit Attacken gegen Unterkünfte geführt, von denen aus die Entdeutschung Toitschlands befürchtet wird, wobei das Schrifttum an deren Wänden vielversprechend darauf hindeutet, dass diese durch die Schreiber schon längst entstanden ist: Nicht mal simpelste Ausbrüche der selbsterkannten Volkswut kriegen sie fehlerfrei verfasst.

Und andere hören nicht auf von Strömen zu salbadern, wo Menschen vor Unmenschen fliehen. Sie machen unbelehrbar weiter mit dem bierzeltigen „Asylanten“-Stempel, sie tarnen sich weiter mit der selbstschämenden „Missbrauchsformel“, die sie als Dämpfungsfaktor dazu gesellen. Was für ein Pharisäertum.

„Ich kann gar nicht so viel fressen wie ich kotzen möchte“, stellte Max Liebermann in sprachlicher Unmissverständlichkeit fest. Soll ich diesem weisen Mann heute noch widersprechen?

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