Wer hat an der Uhr gedreht? „Lutz“ Landwehr, der Archetyp eines OKD, wird 80

von Egbert Teimann

mit ein paar Anmerkungen von Rudi Bernhardt

Unna-Lünern. Am 14. August ist es soweit: Dann wird der ehemalige und zugleich letzte Oberkreisdirektor des Kreises Unna, Karl-Heinrich Landwehr, 80 Jahre alt. In Heeren-Werve 1935 geboren, ist er stets seiner Heimatregion treu geblieben und wohnt heute mit seiner Familie in der Schillerstraße.

Nach dem Studium war der Jurist zunächst als Staatsanwalt an der Zentralstelle Nordrhein-Westfalen in Dortmund für die Bearbeitung von NS-Verbrechen zuständig. Von der Stelle schwärmte er später immer wieder. „Lutz“ übte sie mit der Leidenschaft eines Juristen aus, dessen Prägungen durch die dunkelste Zeit deutscher Geschichte nie verblasst waren. Als aber 1975 die bis dato letzte kommunale Neugliederung mit Schaffung des Kreises Unna in seinen jetzigen Grenzen erfolgte, zog Karl-Heinrich Landwehr in den Kreistag Unna ein. Alsbald aber schon erfolgte schon seine Berufung zum Kreisrechtsdirektor und 1976 die Wahl zum Oberkreisdirektor als Nachfolger von Dr. Lothar Voit.

Da war er noch in Schwarz-Weiß: OKD Karl-Heinrich Landwehr bei der Eröffnung des K.I.S.S. vor 25 Jahren. Im Hintergrund Fröndenbergs Stadtdirektor (späterer Bürgermeister) Egon Krause, Jürgen Rath aus Massen und Uschi Riekenbrauck. - Foto: Kreis Unna

Da war er noch in Schwarz-Weiß: OKD Karl-Heinrich Landwehr bei der Eröffnung des K.I.S.S. vor 25 Jahren. Im Hintergrund Fröndenbergs Stadtdirektor (späterer Bürgermeister) Egon Krause, Jürgen Rath aus Massen und Uschi Riekenbrauck. – Foto: Kreis Unna

„Mit ihm“, so war in den Folgejahren immer wieder zu hören, „steht der richtige Mann am richtigen Platz“. Und es wurde ihm nie lästige Pflicht, zu betonen, dass er als OKD des Kreises Unna den schönsten Beruf von allen ausübe. Mit großem Engagement und unerschütterlicher Liebe zur Heimat saß Karl-Heinrich Landwehr bis zur Abschaffung der Doppelspitze im Jahre 1999 in seinem Arbeitszimmer im 1. Stock des Kreishauses, rührte während eines Gesprächs stets in einer großen Tasse Kaffee, bis er nach einem schweren Herzinfarkt diesen seinen Hochgenuss ein wenig drosseln musste.

Und wenn er nicht gerade mit Landrat Fritz Böckmann die Geschicke des geliebten Kreises lenkte, dann bestieg er auch gern mal in seinem Unnaer Lieblingsort Lünern gemeinsam mit den Freunden des Posaunenchores einen Leiterwagen und ließ sich musizierend durch die Dörfer des ganzen Kirchspiels rollen, um den Bewohnern nicht etwa den Marsch zu blasen, sondern ihnen ein Weihnachtsständchen zu bringen. So wurde „der Lange“ mit größter Hochachtung von allen Seiten verabschiedet, als er seinen Ruhestand antrat. Es gehört wie selbstverständlich dazu, dass Karl-Heinrich Landwehr Träger des Verdienstkreuzes 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland ist. Hat er doch in seiner Amtszeit „das Gesicht des Kreises Unna geprägt“ wie nur wenige es vermochten. So steht’s geschrieben im Kreisjahrbuch 2000.

Er war gleichzeitig Motor der Kreis-Partnerschaften zum englischen Kirklees und zum polnischen Nowy Sacz. Vom europäischen Gedanken beseelt, nahm er Kontakt zu Polen auf und leistete erste Vorarbeiten und Überzeugungen bis hin zu einem Freundschaftsvertrag. Auch engagierte er sich nach Grenzöffnung zum Osten im damaligen Kreis Templin (heute Kreis Uckermark). Auf Wunsch der ostdeutschen Partner und der NRW-Landesregierung stelle er Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kreisverwaltung Unna ab, um beim Aufbau neuer Verwaltungsstrukturen in Templin fachkundig mitzuwirken. Über seine Tätigkeit an der Spitze der Kreisverwaltung hinaus engagierte sich der Jubilar auf musikalischem Parkett und auch im Reitsport. So war er mehr als vier Jahrzehnte Leiter eines Posaunenchores in Lünern und wirkte an der Spitze der Kreis-Reitervereinigung mit.

Seinen Ehrentag wird Karl-Heinrich Landwehr mit seiner Frau und den beiden Töchtern im Kreise der Verwandten, der Freunde und Bekannten im Landhaus Püttmann in Fröndenberg feiern und dabei manche Erinnerung an sein Wirken im und für den Kreis Unna wachrufen.

Beitragsbild: Karl-Heinrich Landwehr (rechts), letzter Oberkreisdirektor des Kreises Unna, wird am 14. August 80 Jahre alt. Unser Bild zeigt ihm mit dem heute amtierenden Verwaltungsleiter, Landrat Michael Makiolla, der bei ihm als junger Mann und Dezernent für Soziales einst seine Arbeit im Kreishaus aufnahm. – Foto: Egbert Teimann

3 comments for “Wer hat an der Uhr gedreht? „Lutz“ Landwehr, der Archetyp eines OKD, wird 80

  1. Egbert Teimann
    13. August 2015 at 08:58

    Lieber Konrad Harmelink,
    freue mich über die Grüße von der Nordsee, die mich über „dasprojektunna“ anlässlich der Berichterstattung über den OKD-Geburtstag erreicht haben, und grüße ebenso herzlich zurück.
    Alles Gute aus dem Kreis Unna (ehem. Dienstsitz)
    und der Soester Börde (Wohnsitz).
    in alter Verbundenheit

    Egbert Teimann – auch ET genannt –

  2. 12. August 2015 at 17:13

    Herzlichen Glückwunsch an den Jubilar von der Nordsee und Grüße an ET.

    • 12. August 2015 at 17:14

      Das werde ich an E.T. und an den Jubilar gerne ausrichten, Konrad. LG, Rudi.

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