Werner Kolter s t e l l t sich der Bürgermeisterwahl – und die Jusos fordern auf: „Unna, geh‘ wählen!“

Werner Kolter stellt sich als einziger der Bürgermeisterwahl.

Werner Kolter stellt sich als einziger der Bürgermeisterwahl.

Es ist geschehen, man glaubt es ja fast nicht, eine ausgewachsene Sensation: Die hellenophobe Einweg-Postille zur VolksBILDung hat doch tatsächlich den Bürgermeister-Wahlkampf in Unna entdeckt und widmet diesem fast blatthoch in seltener Ausführlichkeit eine intensive Exegese. Ob nun selbst die Politik pokitikverdrossen sei, wird sorgenvoll gefragt, und damit es auch der letzte Unnaer und seine letzte wahlberechtigte Nachbarin erfährt: Unna hat nur einen Bürgermeister-Kandidaten wird wuchtig über das lächelnde Konterfei von Werner Kolter in seinem Amtszimmer am Schreibtisch gelettert.

CDU-Vorsitzender Gerd Meyer: Wir wollten unseren Kandidaten nicht verbrennen. - Foto: CDU

CDU-Vorsitzender Gerd Meyer: Wir wollten unseren Kandidaten nicht verbrennen. – Foto: CDU

Nichts zu mäkeln auf den ersten Blick. Aber etwas fällt denn doch auf. Gerd Meyer, CDU-Stadtverbandsvorsitzender, dessen Ansichten zu Werner Kolters Wahlkampf-Solo natürlich auch eingeholt wurden, outet sich ganz ohne Larmoyanz auf dem respektheischenden Podium des überregionalen Leid-Mediums: „Wir hätten einen geeigneten Kandidaten gehabt, aber wir wollten ihn nicht in einem chancenlosen Wahlkampf verbrennen.“ So deutlich hat er’s noch nie zugegeben.

Dabei waren die Versuche ja ganz putzig. Erst hatte der CDU-Chef seinem Stadtverband die durch Mitglieder zu bestimmende Antwort in die Verantwortung übergeben, ob denn überhaupt ein eigener Kandidat aufgestellt werden solle oder man christdemokratische Enthaltsamkeit üben werde. Dann wehrte seine eigene Königsborner Ortsunion dankend ab: „Nö, keine eigene Kandidatur!“ Weiter ging es über die Dörfer, wo die Unnaer CDU auch eher beim „Nö“ verharrte. Die Oberstädter Ortsunion, listig geführt von Carsten Morgenthal aus Massen, indes warf mutig ein „Ja“, in die basisorientierte Runde. Die Mitglieder seiner Heimat-Union in Massen taten es nach. Und als am Ende der Stadtverband sein Votum abgab, kehrte die Gesamt-CDU wieder zurück zum „Nö“.

Das hatten sie aber fein gefädelt. Als geeigneter Kandidat, den die CDU nicht „verbrennen“ wollte, bot sich nun beim besten Willen kein anderer an als Carsten Morgenthal, rechte Hand von Bürgermeister Heinrich Böckelühr, Presseverantwortlicher und Justitiar im benachbarten Schwerte. Die von ihm geführte Ortsunion konnte ja schlecht einer Kandidatur abhold sein, wenn sie fünf Jahre später den eigenen Vorsitzenden präsentieren könnte. Massen, von jeher als selbstbewusste Subregion in Unna bekannt, war natürlich für eine eigene Kandidatur. Aber allesamt hatten ja noch den Stadtparteitag, der endgültig bestimmen sollte, und der votete erwartungsgemäß wieder mit „Nö“.

Nun kam was ganz Lustiges. Es wurde flugs eine Stimmung geboren, die angetan schien, die Verantwortung für das Zustandekommen der Ein-Personen-Wahl unausgesprochen denen in die Schuhe zu schieben, die ja einen Kandidaten aufgestellt hatten. Als ob Werner Kolter und die SPD daran etwas hätten ändern können. Etwa einen zweiten SPD-Kandidaten aufstellen? Ich konnte schon über bessere Scherze lachen. Eilends wurden jede Menge Haare in die Urwahl-Suppe gemengt und dann festgestellt, dass sich Werner Kolter ja dann auch schon im vergangenen Jahr hätte bei den Kommunalwahlen wiederwählen lassen können. Hätte er, ja, hat er aber nicht, und dafür gab’s Gründe.

Nun wird mit Macht eine Wahlbeteiligung herbei geredet, mit der man das Mandat eines zukünftigen Bürgermeister als gering herunter rechnen könnte. Parallel dazu tun alle möglichen Diskutanten so, als sei das gar keine Wahl mehr, und dann müsse man ja auch nicht teilnehmen. Merkwürdiges Demokratieverständnis, zudem wider besseres Wissen erzählter Unfug. Man kann natürlich mit Ja, Nein oder Enthaltung abstimmen.

Unna wählen gehen

„Unna, geh’wählen!“ So lautet folgerichtig eine Aktion der Jungsozialisten zur Wahl am 13. September. WAZens Web-Portal derwesten.de widmet der Kampagne in seiner Rundum-Betrachtung zum Bürgermeisterwahlkampf in NRW, betitel „Punker, Puppen, Parteizoff – Kurioses zur Bürgermeisterwahl in NRW“ aufmerksame Zeilen. Ich kann mich dem nur anschließen: „Unna, geh’wählen!“

Und Montag, 27. Juni 2015, kann ja ja noch wer melden, als Kandidat zur Bürgermeisterwahl, letzter Termin.

Beitragsbild: Ein Selfie zur Kampagne: Die Jusos André Kajewski und Philipp Kaczmarek werben unverdrossen darum, dass die Bürgerinne und Bürger Stadt am 13. September 2015 von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. – Foto: André Kajewski

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