Griechenland: Von „Rettern“, der selbstverschuldeten Schuld, Schulden zu haben und leicht gläubigen Gläubigern

Griechenland-Euro-fingerMal abgesehen davon, dass ich die Begriffswahl vollkommen bescheuert finde: „Gerettet“ wurde Griechenland am Wochenende nicht. Und die, die sich seit Tagen als zu unrecht gescholtene „Retter“ feiern lassen, haben nur eines wirklich „gerettet“: Dem gläubigenden Kapital nicht nur das Geld, sondern auch zukünftige Verdienstmöglichkeiten. Denn den Griechen geht’s mit der „rettenden“ EU-Übereinkunft nicht nur an die Renten, es geht ihnen vor allem an die gesellschaftlichen Sachwerte. So ganz nach den treudeutschen Marktwirtschaftlichkeiten: Du kriegst Geld, mit dem du Schulden an unsere Volkswirtschaften zurückzahlen darfst, aber nur unter der Bedingung, dass du dein letztes Tafelsilber verscherbelst, am liebsten an Investmentgruppen aus unseren Volkswirtschaften.

Man könnte ja böse sein und das alles für einen paneuropäischen Probelauf halten. Schau’n mer mal,wie das in Hellas ausgeht, und wenn der Hallas erträglich ausfällt, können wir ja auch versuchen, unsere Autobahnen zu verkaufen. Dann sind wir die Kosten los, wenn die Fahrbahndecken vergammeln müssen wir sie nicht für teuer Geld erneuern. Das zahlt dann die Allgemeinheit über Maut und andere Steuertöpfe, weil diejenigen, an die das Gesellschaftsvermögen verscherbelt wurde, werden anderweitig abkassieren. Aber, ich bin ja nicht böse und kneife mir solche Mutmaßungen.

In Griechenland werden sich aber bestimmt Interessenten finden, die Inseln und Strände als tolle Anlage entdecken und zukünftig die Hand aufhalten, wenn ein Touri sich zu ihnen verirrt, weil da das Baden zuvor nichts kostete. Es werden seit vielen Jahren ja schon Ölvorkommen unter dem Festlandschelf vermutet. Wenn man da ’ne Insel kauft, gehört einem gleich die ganze Dreimeilenzone und dann kann man ja vorsichtshalber mal bohren. So werden Dutzende von Fliegen mit einer Klappe erlegt. Konzerne kaufen billig, finanzieren dem Staat die Kohle, die die Gläubiger gleich wieder kassieren können, und das, womit der Staat selber Kohle machen könnte, landet in den unersättlichen Taschen des freien Marktes.

Nein, alles völlig absurde Gedanken, denn die hehren EU-Minister hatten doch nur die „Rettung“ im Sinn. Wer eigentlich rettet Hellas vor den „Rettern“?

Was das Erschreckendste aber ist: Die Medienlandschaft bleibt dabei sich prägen zu lassen von dem kleinbürgerlichen Gut-Schlecht-Schwarz-Rot-Schäuble-Tsipras-Geschwätz. Da wird schon mal voraus eilend gemutmaßt, dass Tsipras Ende dieser Woche europäische Geschichte sein wird. Wäre ja auch nicht verwunderlich, wenn seine Griechen, was sie hoffentlich nicht tun werden, ihm die Alleinschuld an dieser Rettung geben. Dem aber so geschundenen Wolfgang Schäuble schlägt vollstes Mitleid entgegen: „Wie hält er das nur aus?“ Alle diese antideutschen Ausbrüche von Häme und Wut. Wo „wir“ doch das Geld, „unser“ Geld an diese undankbaren Gesellen rund um die Akropolis geben.

Allerdings sind auch andere Stimmen laut und sehr deutlich. Wie die von Gustav Horn, der im TV nur mal die Frage stellt, wie denn wohl die Deutschen wohl reagierten, wenn es ihnen an die Renten ginge und die Mehrwertsteuer mal wieder erhöht wird. Die Reporterin reicht Gustav Horns Frage gleich in Volk: Und das ist hell empört. Aber von den Griechen, kann man das ja verlangen, wenn sie „gerettet“ werden sollen.

Noch was zur verlogenen und verräterischen Wortwahl. Wer Schulden hat, ist daran nicht nur selbst schuld, sondern lädt auch eine Schuld auf sich. Denn die Gläubiger, die das Geld gaben, dass ihr Gegenüber Schulden machen konnte, waren offenbar zu gläubig, zu leichtgläubig. Deutsche Sprache, verräterische Sprache: Seit wann wäre denn ein Gläubiger leichtgläubig, somit untauglich fürs Geschäft? Aber wenn Schäuble und Co. schon „Retter“ sein sollen, dann werden managende Gläubiger auch möglicherweise leichtgläubige Geldverschenker sein. Oder?

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