Almost Daily Soap: Wie eine FLU-Linke-Liberal-Pirateske Listenverbindung dilettierend in die Hose ging

Unna. Muss ich die Rubrik umtaufen? So in Daily Soap und das almost weglassen? Hat den Anschein; weil, nun mühen sich die Beteiligten aber so was von redlich ab, die Heiterkeitsschwelle im politischen Umfeld hoch zu halten, dass es täglich zu neuen Höhepunkten kommen kann. Und kurz bevor sich der Unnaer Rat in die sitzungsfreie Zeit verabschiedete, riefen einige der lustigen Listen noch mal zur epischen Schlacht auf. Mit dabei natürlich in der Linie … Christoph Tetzner, der Pirat, der Dirigent des dissonanten Chores. Angeschlossen aber auch Unnas Freilistler, die unermüdlich nach Anerkennung heischenden Linken und die Rudimente einer schier unverwüstlichen Liberalität in der Stadt.

Aber – eines nach dem anderen: Zunächst hatte die FLU mit der gewohnten Eloquenz eines Klaus Göldner ihren Auftritt. Die pusten unverdossen ein Püffken (Feuerchen) an, in der Hoffnung, dass es mal lichterlohe Flammen schlage, seit Fröndenbergs Bürgermeister Fritz Rebbe einer Café-Stube in kommunaler Regie die Nutzung durch politische Organisationen untersagte. Anscheinend davon überzeugt, dass die Tatsache ausreiche, Fritz Rebbe und Unnas Bürgermeister Werner Kolter in der gemeinsamen SPD-Mitgliedschaft zu wissen, menetekelten Listen und Lasten seit Tagen das Gespenst an die Fachwerkwände des „Fäßchens“, diesem könne ja möglicherweise Ähnliches drohen.

Höherer Blödsinn, denn niemand im Rat der Stadt hatte je von einem derartigen Schritt gesprochen – außer denen, die ins Püffken pusteten und völlig enttäuscht waren, dass niemand reagierte. Nun wollte Klaus Göldner wissen, wie es denn wohl weiter ginge, mit Bürgermeister, dem „Fäßchen“ und den politischen Organisationen, die da gern mal gemütlich Kaffee trinken. Klaus Göldner witterte als erfahrener Kommunalpolitiker während der Verwaltungsantwort (die erwartungsgemäß ebenso unspektakulär wie positiv ausfiel) bevorstehende Unbill. Links und rechts seiner verfahrenen Position holten einige Kolleginnen und Kollegen bereits kräftig Luft, um ihm darauf zu antworten. Dem entging der sich listig Herauswindende mit dem Hinweis seinerseits, dass nach Paragraf 17 Absatz 4 der NRW-Gemeindeordnung Anfragen aus dem Rat ohne Aussprache allein von der hauptamtlichen Verwaltung zu beantworten seien.

Der Bürgermeister kam dem Hinweis des FLUers artig nach und gelobte, dass er zukünftig diese Art der Behandlung von Anfragen aus dem Rat buchstabengetreu auslegen werde. Und, wer wird wohl Leidtragender sein? Allen voran Klaus Göldner, denn die protokollierten Folgekommentare seiner unzweifelhaften Eloquenz sind Legion und verzieren nahezu jedes Ratsprotokoll.

Dann kam der unvermeidliche Christoph Tetzner und wollte Antworten auf seine sieben Fragen, die er tags zuvor via interneter Verbreitung bereits angekündigt hatte. Wieder versuchte die befragte Verwalterschar dem gerecht zu werden. Allerdings interessierte sich anscheinend niemand so richtig für die Antworten, am wenigsten der Fragesteller Tetzner. Der unterhielt sich während der Antwort-Minuten angeregt über was auch immer mit Klaus Göldner. War dann wohl doch nicht so wichtig oder er wusste den Inhalt der Antworten bereits als er die Fragen stellte.

Ach, und dann war da ja das besondere Highlight des Nachmittages: Die Neubildung der Verbandsversammlung und des Verbandsrates 2015 bis 2020 des Lippeverbandes stand während dieser Ratssitzung an. Nix Wildes und schon gar nix, worüber man sich als vernunftbegabter Kommunalpolitiker streiten muss. Fünf Sitze sind für die Ratsmitglieder zu vergeben. Nach dem Verfahren von Hare-Niemeyer (Quotenverfahren mit Restausgleich nach größten Bruchteilen) werden sie aufgeteilt. Bisher gab’s zwei Sitze für die SPD, zwei weitere für die CDU und einen für die GRÜNEN. So weit, so gut. Nun hatten sich aber FLU, Piraten, Linke und FDP, weil deren inhaltliche Schnittmengen überbordene Größenordnungen darstellen, ausgedacht, man könne ja mal eine Listenverbindung eingehen. Dann, das war anscheinend die Überlegung, würde ihre Liste am Ende stark genug sein, den Grünen ihren Sitz zu stiebitzen.

Aber weil sie ja also schlau waren, hatten sie erstens nicht nachgerechnet und zweitens niemandem davon erzählt, was sie vor hatten. Folge: Keiner war vorbereitet, die Sitzung dauerte länger als nötig, weil erst mal neu berechnet werden musste. Macht aber nix, alles Nötige ward herbei geschafft. Nur, mit dem Nachrechnen, das hatte seine Folgen. Denn nicht die GRÜNEN wurden aus der Verbandsversammlung geschubst, sondern das Mandat ging der CDU flitzen. Bernie Albers traf’s. Nun sitzt nur noch Rainer Engel für seine Partei in der Lippeverbandsversammlung. Und die taktisch hoch versierte Listentruppe konnte Andreas Tracz in die verantwortungsvolle Aufgabe heben.

Das müssen wir denn wohl noch mal üben. Oder, das wäre besonders schlau: Die hauptamtliche Verwaltung zuvor mal durchrechnen lassen, was passieren könnte, wenn man dieses oder jenes tut. Aber, ich bin mir sicher: Fragt man nach, wird genau das, was geschah, so genau gewollt gewesen sein.

Nachtrag: „(nicht Gemeindeordnung @ Rudi Bernhardt, manchmal wäre eigene Recherche und auch Anwesenheit in einer Sitzung sinnvoll über die man berichten möchte). Er zog hier den §17, Absatz 4 heran, der Anfragen nicht zur Diskussion stellt im Rat.“ Jau, da hat der Pirat mal recht und ich ans falsche Vorschriftenwerk gedacht. Das ist im Übrigen ein Zitat aus Christoph Tetzners samstäglicher Nachbetrachtung seiner taktischen Glanzleistungen während der Ratssitzung vom Vortag. Die Denkschrift auf der Website der Unnaer Piraten ist sicher gut gemeint, ändert aber kaum etwas an meiner Einschätzung. Nö, eigentlich nichts. Ist aber doch nett, zu lesen, dass jemand liest.

Für alle, die alles lesen möchten, was aus der freibeuterischen Feder floss:

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