Almost Daily Soap (eine weitere): Nicht nur Piraten kommen auf heitere Ideen

Unna. Die Sommerferien in NRW kündigen sich an. Unmittelbar bevorstehend kündigt sich gleichzeitig eine für die allgemeine Nachrichtenlage erholsame Zeit an. Es sind die Momente eines Kalenderjahres, da nicht die individuellen Eitelkeiten politisch Tätiger von Berlin über Unna bis Brüssel das immer leiser werdende Rascheln im einstig beherrschenden Blätterwald bestimmen, es sind die Momente, in denen der gesunde Menschenverstand durchatmen kann, weil er nicht mehr täglich von hinterwäldlerischen Polit-Dilettanten belästigt wird, die beispielsweise glauben, mit der selektiven PKW-Maut seien deutsche Gemütslagen zu besänftigen. Es war mir stets die liebste Zeit des Jahres, weil der werktätige Journalist gezwungen wurde, sich interessante Geschichten einfallen zu lassen und sich nicht darauf verlassen konnte, dass schon irgendjemand wichtigtuerisch seinen schlecht gewürzten Senf zu etwas gab, das eigentlich nur ihn selbst und den je individuellen Schreiberling interessierte.

Bevor aber diese schöne Zeit wieder einmal heran bricht, nehmen allerlei vermeintliche Vordenker denn doch noch mal Anlauf. Bald wird sich sanft der Vorhang des gnädigen sitzungsfreien Sommers über die Piraten und andere Bestwisser senken, da muss man schnell noch mal verbal ausholen, dass nicht in Vergessenheit gerät, wie wichtig mensch doch ist, wenn er erst einmal in einen Rat gewählt wurde. Im benachbarten Fröndenberg hatte jüngst Bürgermeister Fitz Rebbe einen Zwist mit dem christdemokratischen Bundestagsdauerbrenner Hubert Hüppe, weil der das Alleecafé auch als Podium für Bürgergespräche nutzte. Fritz Rebbe beschloss dort einen Politik freien Raum zu bewahren, was Hubert Hüppe verständlicherweise missfiel.

Nun mag der Unnaer als solcher sich fragen, was wohl die freundliche Nachbarstadt an der Ruhr und ihr Politik freies Alleecafé mit dem heimischen Fäßchen und seinen vielen – zum Teil auch Politik nahen – Nutzerinnen und Nutzern zu tun haben könnte. Keine Sorge, frage ich mich auch. Klar kann man über Fritz Rebbes Position in dieser Frage streiten. Klar kann man Hubert Hüppe wenn man es möchte den Rücken aus der Ferne stärken. Nur flugs die Frage in den Raum zu stellen, wie denn wohl Bürgermeister Werner Kolter in Sachen Fäßchen reagieren werde und was wohl die Politik nahen Nutzerinnen und Nutzer dazu sagen würden, wenn er was auch immer täte, die ist überflüssiger als der aktuelle HSV in der Bundesliga. Ähnlich erheiternd wäre es zu fragen, ob Unnas Bürgermeister, nachdem sein Kollege mit dem Zusatz „Ober“ im nahen Dortmund sich energisch für eine überflüssige Landebahnverlängerung am Relegationsflugplatz einsetzt, sich Ulli Sieraus Meinung wohl anschließen werde. Verstehe solches wer will. Aber man wird ja noch mal zitiert, als jemand der schlaue Fragen stellt.

Für seine Einsichts schlauen Fragen ist ja Unnas Oberpirat Christoph Tetzner bekannt. Nun hat erst mal eine Jahresbilanz seiner Arbeit im Rat gezogen, so als querdenkender Navigator mit Kaperbrief. Seine Exegese der heimischen Politik-Situation wartet mit erstaunlich tiefschürfenden Erkenntnissen auf. Dass die CDU geschickt gekniffen habe als es um die Aufstellung eines Bürgermeister-Kandidaten ging. Dass allenfalls die Grünen noch einen solchen stellen könnten, wenn die Christdemokraten schon keinen fänden. Dass die SPD es doch gar nicht nötig habe, mit den Christen zu schmusen, wo es doch viel schöner sei, wechselnden Mehrheiten eine Chance zu geben.

Mit dergleichen Einsichten in anderer Absichten und eigene Aussichten beglückt Christoph Tetzner in seiner Zwischenbilanz als Kommunalpolitiker das Unnaer Publikum. Da sind wir aber beruhigt. Nun lässt er erstens raus, dass er nicht fürs Bürgermeisteramt zur Verfügung stehe, dass er zweitens schon seit Sommer vergangenen Jahres erklärter Supporter von Werner Kolter sei und dass er drittens ganze Lattenzäune in Richtung SPD schmeißt, sie möge doch an eine gedeihliche Zusammenarbeit mit ihm denken.

Ich bin richtig gespannt, was der eine oder die andere sich noch bis Donnerstag (letzte Ratssitzung vor den Sommerferien) einfallen lässt, damit seine Person auch ja im Gedächtnis bleibt – nach der langen, schönen Ferienzeit, in der zwar weiterhin Politik für Unna gemacht, aber schweigsamer und effizienter. Denkt euch was aus!

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