Ein Kultur-Konzept mit enormem Nachhaltigkeitsfaktor: Summertime wird 40 Jahre alt

Unna. Eine Foto-Ausstellung in der Schwankhalle des Zentrums für Information und Bildung (zib) zeigt ab dem 1. Juli eine kleine Rückschau mit Impressionen und denkwürdigen Momenten aus dem bewegten Kulturleben einer lebendigen Stadt. Motto: 40 Jahre Summertime in Unna.

Zur Eröffnung der Ausstellung am 1. Juli 2015 um 19 Uhr sind alle frischen und altbewährten Wegbegleiter der Unnaer Soziokultur in die Schwankhalle des zib, Lindenplatz 1 eingeladen. Bürgermeister Werner Kolter wird an diesem Abend die Gäste begrüßen, Sigrun Krauß, Leiterin des Kulturbereichs der Kreisstadt Unna eine Einführung geben. Musikalisch begleitet wird die Eröffnung vom Duo Jazzart alias Jörg Budde (Saxofon, Flöte) und Winni Schickentanz (Gitarre). Die Foto-Ausstellung ist zu sehen vom 1. Juli bis zum 10. August während der Öffnungszeiten des Zentrums für Information und Bildung.

40 Jahre Summertime – das sind nicht nur 40 Jahre Kunst und Kultur kostenlos und outdoor während der Sommermonate. Summertime, das ist Ausdruck eines kulturpolitischen Konzeptes, das ein Selbstverständnis von kultureller Teilhabe und Gestaltung in Unnas gesellschaftlichem Leben widerspiegelt. Kunst und Kultur aus den klassischen Kulturstätten wie Theatern und Museen heraus auf öffentliche Plätze zu bringen und ohne Barrieren für alle Menschen der Stadt erlebbar zu machen, das war der Leitgedanke, unter dem das Summertime-Programm in Unna 1975 entstand.

Dem kulturpolitischen Grundsatz „Kultur für alle – Kultur mit allen“ folgend, ermöglichte das Konzept den Mitwirkenden viele neue Formen des künstlerischen Ausdrucks. Was damals noch zu kulturpolitischen Auseinandersetzungen führte und als anstößig galt, ist heute selbstverständlich geworden: Konzerte auf öffentlichen Plätzen, Kunstwerkstätten mit Künstlern und Auszubildenden, Feste in den Stadtteilen, Projekte in Bürger- und Gemeindehäusern, Kunstaktionen im öffentlichen Raum… Es gab kaum einen Lebensraum der Stadt, den die Kultur nicht belebte.

In der Weiterentwicklung des Programms erhielt die Kulturarbeit im Stadtteil einen besonderen Stellenwert durch Kooperationen mit den Vereinen und Initiativen vor Ort. Inhalte und Formen der Sommerkultur veränderten sich, neue Zielgruppen wurden mit Kunst und Kultur erschlossen.

Neue Reihen und Veranstaltungen entstanden, wie Kurparkkonzerte, kulturelle Samstage, Donnerstags im Stadtgarten, Sonntagskonzerte auf dem Markt, Open Air Kino am Naturwissenschaftlichen Zentrum, Mittsommernachtsfest, Un(n)a Festa Italiana, Stadtfest, Sternsingen der Chöre, Stadtkünstler, Folkfestival, Kulturmessen, Schaufenstergalerien, Open Air Konzerte mit der Neuen Philharmonie Westfalen, internationale Feste auf dem Marktplatz, “Magic Mirrors“ im Spiegelzelt “Moulin Rouge“, “Lightlines“ in Unnas Innenstadt, Kindercircus Ethiopia, Weltmusik mit Jan Garbarek und dem Hilliard Ensemble, die ExtraSchicht u.v.m.

Und so nebenher gaben Unna und sein Summertime Künstlerinnen und Künstlern wenn man so will ein Premierenpodium, von dessen Basis aus so manche Karriere beflügelt wurde. Zum Beispiel Bruno Knust, der kultige Günna, der im Dortmunder Olpketal-Theater Furore für eine ganze Region macht, zeigte mit netter Regelmäßigkeit in Unna seine Künste als bundesweit anerkannter Puppenspieler. Oder die Bots aus den Niederlanden schmetterten ihr “Sieben Tage lang” durchs Festzelt auf dem Neumarkt, ehe sie europaweite Berühmtheit erlangten.

Unnas 4 Jahrzehnte des Summertime-Programmes geben Zeugnis von einer ebenso erfolgreichen wie innovativen Kulturarbeit in einer Mittelstadt, die es bis hin zur ZDF-erwählten Kulturstadt Deutschlands brachte. Und vielleicht gibt’s angelegen einer derartigen Rückschau auch eine neue Düngung in die Brache der heimischen Kulturpolitik. Die dafür notwendige Schwarmintelligenz ist nachweislich vorhanden. Eine kulturpolitisch hörbare Stimme fehlt noch, aber vielleicht gibt’s ja auch eine solche, die die aktuelle Heiserkeit abzulegen versteht.

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